Antidepressiva zählen mit sechs Millionen Verordnungen jährlich zu den am häufigsten verschriebenen Medikamentengruppen in Österreich – das geht aus dem diesjährigen Heilmittelreport des Dachverbands der Sozialversicherungsträger hervor. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) sieht in der hohen Zahl an Verordnungen ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Bedarf an wirksamer Unterstützung und Behandlung ist.
Antidepressiva können bei bestimmten psychischen Erkrankungen, etwa bei mittelgradigen und schweren Depressionen, ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt jedoch von der individuellen Situation und den Bedürfnissen der betroffenen Person ab. Eine medikamentöse Behandlung ist daher nicht für alle Menschen die geeignete Unterstützung und nicht in allen Fällen als alleinige Behandlung ausreichend.
„Psychische Erkrankungen brauchen eine Behandlung, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen orientiert. Medikamente können dabei ein wichtiger Baustein sein, aber eine nachhaltige Versorgung psychisch erkrankter Menschen darf sich nicht auf die medikamentöse Behandlung beschränken. Daher braucht es ein gut ausgebautes Versorgungssystem, in dem unterschiedliche Behandlungsangebote ineinandergreifen“, erklärt BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger.
Klinische Psycholog:innen leisten einen wichtigen Beitrag zur psychischen Gesundheitsversorgung. Sie verbinden wissenschaftlich fundierte klinisch-psychologische Diagnostik mit gezielten, evidenzbasierten Behandlungsmethoden, die an die individuelle Situation und die jeweiligen Behandlungsziele angepasst sind. Dabei kontrollieren sie systematisch den Verlauf der Behandlung. Darüber hinaus arbeiten sie interdisziplinär mit anderen Gesundheitsberufen, zum Beispiel aus der Medizin, zusammen und behandeln auch psychische Auswirkungen körperlicher Erkrankungen. Sie können unter www.psychnet.at gefunden werden.
Eine gute psychische Gesundheitsversorgung braucht aber nicht nur passende und individuell abgestimmte Behandlungsangebote, sondern auch einen niederschwelligen Zugang zu diesen. Der BÖP setzt sich daher weiterhin für ausreichend verfügbare und leistbare klinisch- psychologische Angebote ein, damit Betroffene die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
„Nur wenn Betroffenen unterschiedliche, auf ihre individuelle Situation abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann eine bedarfsgerechte Versorgung psychischer Erkrankungen gewährleistet werden“, so BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger abschließend.
-OTS-