Von der Hämostase bis zum Remodeling
Rößel führte durch die vier Phasen der Wundheilung und zeigte, welche Nährstoffe jeweils im Vordergrund stehen. In der Hämostasephase sind Vitamin K und Calcium für die rasche Blutgerinnung und erste Zelldifferenzierungsprozesse essenziell. In der Entzündungsphase unterstützen Vitamin A die Fibroblastenaktivierung, Vitamin C die Makrophagenbildung und ausreichend Protein (1,2–1,5 g/kg KG) die Gewebsreparatur. L-Glutamin versorgt Immun- und Schleimhautzellen mit Energie. In der Proliferationsphase fördert L-Arginin über Stickstoffmonoxid Gefäßweitung und Kollagenproduktion, Zink ist für Zellproliferation unverzichtbar, Eisen sichert den Sauerstofftransport. Im Remodeling bleiben Vitamin C als Cofaktor der Kollagensynthese sowie Glucosamin als Hyaluronsäure-Baustein weiterhin relevant.
Entzündung modulieren, nicht unterdrücken
Auch Omega-3-Fettsäuren behandelte Rößel ausführlich: Eine physiologische Entzündungsreaktion ist für die Wundheilung notwendig – problematisch sei ihre fehlende Auflösung. Aus EPA und DHA entstehen Resolvine und Protektine, die Entzündungsprozesse aktiv beenden. Da Fisch und Meeresfrüchte im Alltag oft fehlen, können Fisch- oder Algenöl empfohlen werden – auch wegen ihrer Bedeutung für eine funktionierende Zellmembranstruktur.
Abschließend plädierte Rößel für die systemische Enzymtherapie als Ergänzung im Beratungsalltag. Enzyme wie Bromelain aus der Ananas oder Papain aus der Papaya lindern Schwellungen und Schmerzen und unterstützen die Entzündungsregulation, ohne den Heilungsprozess zu bremsen. Wichtig: magensaftresistente Präparate, nüchterne Einnahme mit reichlich Wasser und ein Blick auf die FIP-Einheiten als Maß für die Wirkstärke. Bei Antikoagulanzien Wechselwirkungen bedenken und vor Operationen sollten Enzyme rechtzeitig abgesetzt werden.