Diabetisches Fuß-Syndrom

Kleine Wunde, große Gefahr

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Mag. pharm. Dr. Helga Auer-Kletzmayr, Apothekerin in Klagenfurt © Lea Schurz
Mag. pharm. Dr. Helga Auer-Kletzmayr, Apothekerin in Klagenfurt © Lea Schurz

Das DFS entsteht aus dem Zusammenwirken von peripherer und autonomer Neuropathie sowie oft einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. Personen mit Diabetes, deren Stoffwechseleinstellung über Jahre suboptimal war, haben eine schlechte Durchblutung sowie vermindertes Druck-, Schmerz- und Temperaturempfinden im Bereich der unteren Extremitäten. Somit spüren sie erste kleine Verletzungen am Fuß nicht. Zusätzlich begünstigen Fehlstellungen, veränderte Druckpunkte, trockene, rissige Haut die Entstehung eines Ulkus. Durch die mangelnde Durchblutung ist die physiologische Wundheilung gestört, Infektionen entstehen und im schlimmsten Fall müssen Amputationen durchgeführt werden. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) gibt an, dass das DFS der Auslöser für rund 3.000 Amputationen pro Jahr in Österreich ist.
Die Wahrscheinlichkeit, ein Diabetisches Ulkus zu entwickeln, beträgt für die gesamte Lebensdauer einer Person mit Diabetes 19–34 %. Auch wenn ein Ulkus abheilt, ist die Rezidivrate sehr hoch: 50 % nach 3 Jahren, 70 % nach 5 Jahren.

Die Apotheke als niederschwelliger Versorgungsort

Das Thema Fußgesundheit muss in die Routineberatung von Personen mit Diabetes integriert werden. Warnzeichen, auf die sofort reagiert werden muss, sind Rötungen, Schwellungen, Überwärmung, nicht heilende Wunden mit Exsudaten. Auch wiederholte Nachfragen nach Verbandsmaterial, Desinfektionsmitteln, Hühneraugenmitteln und Antimykotika sollten uns Apotheker:innen hellhörig machen. Es muss strukturiert nach Taubheitsgefühl, Kribbeln in den Beinen, Druckstellen, Wunden, podologischer Betreuung durch auf Diabetes spezialisierte Fußpfleger:innen sowie nach der letzten ärztlichen Fußuntersuchung gefragt werden. Gibt es ein Problem am Fuß einer Person mit Diabetes mellitus, sollte diese unverzüglich an ein Diabetes-Zentrum verwiesen werden. 

Die Versorgung des DFS gelingt nur interdisziplinär. Das Behandlungskonzept umfasst medizinische, chirurgische, rehabilitative und psychosoziale Maßnahmen – von der Infektionskontrolle und Revaskularisierung bis zur Wundversorgung und Entlastung des Fußes. Daran beteiligt sind Spezialist:innen aus einem breiten Spektrum an Fachrichtungen und Gesundheitsberufen, die nur im engen Zusammenspiel eine erfolgreiche Behandlung ermöglichen. 

Die Apotheke kann als Bindeglied wirken, indem sie Risikokonstellationen erkennt, zu regelmäßigen Kontrollen motiviert und bei Auffälligkeiten unmittelbar an geeignete Stellen weiterverweist. Die Stärke der Apotheke liegt in der Therapiebegleitung, der Förderung der Adhärenz und im frühzeitigen Erkennen von Eskalationszeichen.

“Rund 3.000 Amputationen jährlich in Österreich: Das Diabetische Fuß-Syndrom ist weit mehr als eine kleine Wunde am Fuß. Am Beginn steht fast immer eine unbemerkte Läsion.“
Mag. pharm. Dr. Helga Auer-Kletzmayr

Früherkennung und Prävention

Darüber hinaus ist es im Apothekenalltag essenziell, Personen mit gestörter Glukosetoleranz bzw. Diabetes mellitus möglichst frühzeitig zu identifizieren, was mit niederschwelligen Screening-Angeboten wie der Blutglukose- oder HbA1c-Messung gemacht werden kann. 

Wichtig ist auch die Beratung zum Thema Fußgesundheit, damit es erst gar nicht zur Entstehung eines Ulkus kommt. Dazu gehören die tägliche Selbstinspektion der Füße und das Vermeiden von Barfußgehen oder Tragen zu enger Schuhe mit scharfen Nähten. Die regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Cremes soll empfohlen werden, zu heiße Fußbäder ohne Temperaturkontrolle sollen vermieden werden. Hornhaut soll am besten von einer/m Podolog:in entfernt werden. Bei Menschen mit Diabetes muss die Selbstbehandlung am Fuß und an den Nägeln kritisch bewertet werden. Keratolytische Mittel oder Pflaster können Läsionen verschlimmern. Liegen unklare Hautveränderungen vor, muss die sofortige ärztliche Vorstellung angeraten werden. 

Auf diese Weise wird die Apotheke zu einem aktiven Bestandteil der Prävention des DFS und leistet einen wertvollen Beitrag zur Vermeidung schwerer Verläufe.

Quellen:
•   Morbach S. et al., Diabetologie, 2024; 20: 1-10
•   DDG Praxisempfehlungen DFS Diabetol Stoffwechs 2025; 20: 347-359
•   Eckhard M. et al., Diabetologie, 2023; 19: 907 – 930
•   Presseinformation der ÖDG: Problemzone Fuß 2019

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