Schmerzhafte Menstruation verstehen und behandeln

Kampf dem Krampf

Mag. Pharm

Doris

Auinger

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Krampfartige, dumpfe, stechende, pochende Schmerzen im Uterus, teilweise bis in den Rücken oder die Beine ausstrahlend, rund um die Zeitspanne der Menstruation werden als Dysmenorrhö bezeichnet. Übersetzt aus dem Griechischen gilt der „fehlregulierte Monatsfluss“ mit einer weltweiten Prävalenz von 45–95 % als oftmalige Beschwerde von Frauen im gebärfähigen Alter. Heftige Periodenschmerzen stellen zudem eine häufige Ursache für Arbeits- oder Schulfehlzeiten dar und können mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Verstopfung, Durchfall, vermehrtem Harndrang sowie Erbrechen einhergehen. 

Primäre vs. Sekundäre Dysmenorrhö

Pathophysiologisch wird beim Krankheitsbild der schmerzhaften Regelblutung zwischen einer primären und einer sekundären Form unterschieden.  

Die primäre Dysmenorrhö manifestiert sich meist 6 bis 24 Monate nach der Menarche, ist idiopathischen Ursprungs und vermutlich auf eine erhöhte intrauterine Sekretion von Prostaglandinen (PG) wie F2α und E2 zurückzuführen. PGE2 moduliert insbesondere die Kontraktionsbereitschaft des Myometriums, während PGF2α neben uterinen Kontraktionen vor allem vasokonstriktorische Effekte zugeschrieben werden, welche in weiterer Folge zu Ischämie und Hypoxie innerhalb der Muskulatur der Gebärmutter führen. Zusätzlich senkt PGF2α die Schwelle der Nozizeptoren an den primären Nervenendigungen, sodass es zu einer gesteigerten Schmerzintensität kommt. Die vermehrte Bildung von Prostaglandinen gilt als Folge der Regression des Corpus luteum und des damit einhergehenden Progesteronabfalls.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für primäre Dysmenorrhö zählen:
• Frühes Menarchealter
• Lange oder schwere Menstruation
• Nullipara
• Alter < 30 Jahre
• Depression, Angst, hohe Stressbelastung
• Zigarettenrauchen
• Alkoholkonsum
• Familienanamnese für Dysmenorrhö

Sekundäre Dysmenorrhö

Die sekundäre Dysmenorrhö tritt im Unterschied zur primären Ausgestaltung erst später, meist im Alter zwischen 25 und 30 Jahren als Folge anderer gynäkologischer oder nicht-gynäkologischer Ursachen auf. Sie äußert sich mit krampfartigen Unterleibsschmerzen während der Menstruationsblutung sowie auch zu anderen Zeitpunkten des Zyklus und kann mit verstärkten und/oder zu langen Blutungen einhergehen. Die massiven Schmerzen können von den bereits genannten Symptomen begleitet sein und sogar bis zu Ohnmachtsanfällen führen. 

Die häufigste Beckenpathologie der sekundären Form stellt Endometriose dar, gefolgt von Myomen, Endometriumpolypen und Intrauterinpessaren. Auch extrauterine Pathologien wie postoperative Adhäsionen, Infektionen des kleinen Beckens und eine Varikosis pelvinae gelten als mögliche Auslöser. Weiters können Lage- oder kongenitale Anomalien des Uterus für die starken Beschwerden verantwortlich gemacht werden. Zu den nicht gynäkologischen Verursachern zählen chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie psychogene Ursachen. 

NSAR und Kontrazeptiva als Therapie

Die Substanzklasse der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) und hormonelle Kontrazeptiva werden hauptsächlich zur Behandlung von Menstruationsschmerzen eingesetzt. 

NSAR

NSAR gelten als Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von leichten bis mittelschweren Regelschmerzen und wirken bekanntlich durch die Hemmung der Cyclo­oxygenase-Enzyme COX-1 und COX-2, wodurch die Synthese von Prostaglandinen unterbunden wird. Eine große Metaanalyse identifizierte 35 Veröffentlichungen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit unterschiedlicher Vertreter der NSAR-Klasse (Naproxen, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ketoprofen) zur Behandlung von primärer Dysmenorrhö mit dem Resultat, dass alle fünf Substanzen Placebo bei der Linderung von Schmerzsymptomen überlegen waren. Beim Vergleich der Wirksamkeit jedes Medikaments zeigte Diclofenac die stärkste Symptomlinderung, gefolgt von Ibuprofen, Ketoprofen, Naproxen und Acetylsalicylsäure. Unter Berücksichtigung der genannten Parameter wird Ibuprofen als geeignete Therapie für primäre Dysmenorrhö empfohlen, während beim Wirkstoff Diclofenac das größte Nebenwirkungsprofil verzeichnet wurde.

Unerwünschte Wirkungen betreffen bei allen NSAR insbesondere den Gastrointestinaltrakt, können jedoch durch die Einnahme zu einer Mahlzeit bzw. in Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer reduziert werden. Die Einnahme dieser Substanzklasse vermag weiters die Intensität der Blutung zu reduzieren, was ebenfalls positiv gewertet wird.  

Trotz der belegten Wirksamkeit dieser Arzneistoffgruppe bei monatlichen Krämpfen berichten bis zu 20 % der betroffenen Frauen von nicht bzw. unzureichenden analgetischen Effekten. Als mögliche Ursache könnten eine zu geringe Dosierung oder Zyklusschwankungen, welche das ideale Timing für die Einnahme und die in wei­terer Folge zu erwartende Wirksamkeit erschweren, in Frage kommen. 

Hormonelle Kontrazeptiva

Eine andere etablierte Option zur Behandlung starker Regelschmerzen – sofern kein aktueller Kinderwunsch besteht – stellt die ärztliche Verschreibung oraler Kontrazeptiva dar. Durch Ovulationshemmung, Verminderung der Dicke der Gebärmutterschleimhaut sowie Reduktion von COX-2 und somit Prostaglandinen mit Hilfe von Östrogen/Gestagen-Präparaten können Menstruationsschmerzen gelindert werden. Zu den möglichen Kontraindikationen für östrogenhaltige Medikamente zählen allerdings thromboembolische Erkrankungen oder Mammakarzinom, weshalb ersatzweise reine Gestagen-Präparate zum Einsatz kommen. Auch wenn die Schwere der Blutung ebenfalls reduziert werden kann, gibt es bei oralen Kontrazeptiva eine Reihe von unerwünschten Wirkungen wie beispielsweise Kopfschmerzen, Gewichtsveränderungen, Abdominalschmerzen, Nervosität oder Zwischenblutungen. 

Hilfe aus der Pflanzenwelt

• Schafgarbe
Zu den Inhaltsstoffen der krampflösend wirkenden Schafgarbe (Achillea millefolium) zählen Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe und Ätherisches Öl. Eine im Iran durchgeführte randomisierte, doppelblinde Studie bestätigte die Wirksamkeit der Schafgarbe bei primärer Dysmenorrhö. Dabei wurden Teebeutel mit Schafgarbenblütenpulver in der Versuchsgruppe und Stärke als Placebo verwendet. Die Probandinnen tranken über einen Zeitraum von zwei Menstruationszyklen in den ersten drei Tagen ihrer Monatsblutung pro Tag drei Teetassen zu je 300 ml. Bei der Verum-Gruppe konnten ein und zwei Monate nach Beginn der Therapie eine Verbesserung der Symptome ohne Auftreten von Nebenwirkungen nachgewiesen werden.3

• Fenchel
Die wesentlichen Inhaltsstoffe des zur Familie der Doldenblütler gehörenden Bitteren Fenchels (Foeniculum vulgare) stellen die Bestandteile des Ätherischen Öls mit den Hauptkomponenten trans-Anethol, Fenchon und Estragol dar. Gute Resultate bei Dysmenorrhö und Menorrhagie zeigte Bitterfenchel in einer Studie mit 80 Teilnehmerinnen, bei der die Probandinnen der Versuchsgruppe alle 4 Stunden Fenchelkapseln mit 30 mg Bitterfenchelöl 3 Tage vor der erwarteten Menstruation einnahmen. Nach einem Zeitraum von drei Monaten zeigten sich signifikante Verbesserungen der Schmerzsymptome sowie eine Verkürzung der Blutungsdauer im Vergleich zur Kontrollgruppe.4

• Ingwer
In einer Studie mit 122 Probandinnen, welche von mittelschwerer bis schwerer primärer Dysmenorrhö betroffen waren, wurde die Gabe von Ingwer­kapseln (250 mg 4-mal täglich) mit der Einnahme von 3-mal täglich Mefenaminsäure (250 mg) ver­glichen. Die Kapseln des aromatischen Rhizoms erwiesen sich hinsichtlich der Schmerzlinderung als ebenso wirksam wie das Anthranilsäurederivat und punkteten zudem mit besserer Verträglichkeit.5

Mikronährstoffe als Unterstützung gegen Schmerzen 

Die gezielte Zufuhr von Vitaminen und Mikronährstoffen kann ebenfalls zur Linderung der monatlichen Krämpfe beitragen. 

Vitamin D3 kann in moderaten bis hohen Dosen (z. B. 50.000 IE pro Woche über 8 Wochen) insbesondere bei Frauen mit nachgewiesenem Mangel zu einer signifikanten Reduktion von Menstruationsschmerzen führen.8 Der Wirkmechanismus beruht vermutlich auf Hemmung der Prostaglandinsynthese im Endometrium sowie antiinflammatorischen Effekten durch die aktive Form (1,25[OH]2-Vitamin-D), welche entzündungsfördernde Enzyme und Rezeptoren absenkend reguliert. 

Vitamin E zeigt ähnlich wie Vitamin D3 eine hemmende Funktion auf die Freisetzung von Arachidonsäure und deren Umwandlung in schmerzauslösende Prostaglandine. Ideal ist eine Kombination mit dem wasserlöslichen Vitamin C, um den antioxidativen Effekt von Tocopherol besser nutzen zu können. 
Eine klare Empfehlung zur Reduktion von Periodenschmerzen gibt es auch für die Gruppe der B-Vitamine (insbesondere B1 und B6), das krampflösende Mineral Magnesium sowie die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA).  

begleitende Maßnahmen:
Ernährungstipps Bei 
Regelschmerzen 

Bei Dysmenorrhö kann auch eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung als begleitende Maßnahme sinnvoll sein:

• Täglicher Konsum mehrerer Portionen Obst und Gemüse (z. B. Beeren, Bananen, Spinat, Brokkoli)
• Verzehr von Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot, Linsen, Kichererbsen)
• Bevorzugter Konsum ungesättigter Fettsäuren (z. B. Leinöl, Olivenöl, Nüsse, Chiasamen, Leinsamen)
• 2–3-mal pro Woche Konsum fettreicher Fische (z. B. Lachs, Makrele, Hering)
• Zufuhr von Milchprodukten in Maßen
• Reduktion von Zucker, Weißmehlprodukten und stark verarbeiteten Lebensmitteln
• Verzicht auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke

Einen Versuch wert: Wärme, Yoga oder Akupunktur 

Nicht-pharmakologische Interventionen wie lokale Wärmeanwendung, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Akupunktur, Yoga, Moxibustion, Aurikulotherapie und regelmäßige Bewegung (z. B. Wandern, Radfahren) können ebenfalls zur Minimierung von Periodenbeschwerden versucht werden. Insbesondere Moxibustion, Akupunktur und Aurikulotherapie gelten als sehr effektiv zur Schmerz- sowie Symptomlinderung und führten wie auch Yoga im Vergleich zu keiner Behandlung zu einer Schmerzreduktion. 

Quellen

  1. Rania I, et al.: Primary dysmenorrhea: Pathophysiology, diagnosis, and treatment updates. Korean J Fam Med 2022; 43(2):101-108. DOI: 10.4082/kjfm.21.0103
  2. Nie W, et al.: Efficacy and safety of over-the-counter analgesics for primary dysmenorrhea: A network meta-analysis. Medicine 2020; 99(19): e19881. DOI: 10.1097/MD.0000000000019881
  3. Jenabi E, et al.: Effect of achillea millefolium on relief of primary dysmenorrhea: a double-blind randomized clinical trial. J Pediatr Adolesc Gynecol 2015; 28(5): 402-404 DOI: 10.5468/ogs.2018.61.6.684
  4. Ghodsi Z, et.al.: The effect of fennel on pain quality, symptoms, and menstrual duration in primary dysmenorrhea. J Pediatr Adolesc Gynecol 2014; 27(5):283-6 DOI: 10.1016/j.jpag.2013.12.003
  5. Shirvani MA, et al.: The effect of mefenamic acid and ginger on pain relief in primary dysmenorrhea: a randomized clinical trial. Arch Gynecol Obstet 2015; 291(6):1277-81 DOI: 10.1007/s00404-014-3548-2  
  6. Matsas A, et al.: Vitamin Effects in Primary Dysmenorrhea. Life 2023; 13(6):1308. doi: 10.3390/life13061308
  7. Kirsch E, et al.: Dysmenorrhea, a narrative Review of Therapeutic Options. J Pain Res 2024; 17:2657-2666 doi: 10.2147/JPR.S459584
  8. Brown N, et al.: Nutritional practices to manage menstrual cycle related symptoms: a systematic review. Nutr Res Rev 2024; 37(2):352-375. doi: 10.1017/S0954422423000227
  9. Amzajerdi A, et al.: The effect of vitamin D on the severity of dysmenorrhea and menstrual blood loss: a randomized clinical trial. BMC Womens Health 2023; 23(1):138. doi: 10.1186/s12905-023-02284-5
  10. Liu J, et al.: Efficacy and Safety of Non-Pharmacological Therapies for Primary Dysmenorrhea: A Network Meta-Analysis. J Pain Res 2025; 18:975-991. doi: 10.2147/JPR.S498184 

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