Die Menopause kennzeichnet das Ende der Reproduktionsfähigkeit einer Frau, erkennbar durch das Ausbleiben der monatlichen Regelblutung. Dieser natürliche Prozess tritt meist um das 50. Lebensalter auf. Bereits sechs bis acht Jahre vor der letzten Regelblutung kann es zu Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus kommen.
Bleibt die Regelblutung 12 Monate aus, kann der Eintritt der Menopause rückblickend zeitlich genau eingeordnet werden. Etwa 75 % aller Frauen sind von begleitenden menopausalen Beschwerden betroffen. Typische Symptome sind unregelmäßige Menstruationsblutungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit, urogenitale Beschwerden und Stimmungsschwankungen.1 Zusätzlich kann es zu Veränderungen der Haut- und Haarstruktur sowie des Behaarungsmusters kommen. Vasomotorische Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schweißausbrüche können die Lebensqualität ebenfalls signifikant beeinflussen.2
Hormonelle Veränderung als Risikofaktor
Das Absinken des Östradiolspiegels hat einen nachteiligen Einfluss auf den Metabolismus und die Gesundheit. Neben den bereits erwähnten Beschwerden kommt es zu einer signifikanten Veränderung der Körperzusammensetzung: Die Fettmasse nimmt zu, die Muskelmasse wird geringer und das Körperfett steigt v. a. im Bereich des Stammfettes am Rumpf sowie im viszeralen Gewebe in der Bauchhöhle.3 Diese Veränderungen erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer Insulinresistenz bzw. die Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 2. Gleichzeitig steigt das Frakturrisiko bzw. das Risiko für Osteoporose sowie das Herz-Kreislauf-System.
Intervention mit Ernährung & Ergänzungen
Obwohl in den vergangenen Jahren zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel und Diätkonzepte zur Linderung menopausaler Beschwerden beworben wurden, ist die Evidenzlage weiterhin begrenzt.
Diätetische Interventionen
Generell lassen mehrere Beobachtungsstudien darauf schließen, dass eine Ernährung reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten, u. a. mit Nüssen, Samen und Fisch, zu einer signifikanten Linderung von vasomotorischen Beschwerden (VMS) und zu verbesserter Schlafqualität führen kann. Der Effekt ist v. a. bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion deutlich zu erkennen. Empfehlungen zu bestimmten Ernährungskonzepten wie „low fat“ oder „low carb“ können jedoch nicht getroffen werden.4 Allerdings wird die mediterrane Diät mit ihrem Reichtum an antiinflammatorischen und antioxidativen Nahrungsmitteln wie Olivenöl, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen etc. gerne hervorgehoben. Diese zeigt positive Effekte auf menopausale Beschwerden, das Körpergewicht sowie kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen.5 Im Vergleich dazu scheinen Ernährungsgewohnheiten, welche große Mengen an verarbeiteten Fetten und Zucker enthalten, das Risiko für VMS zu erhöhen.
Phytoöstrogene
Isoflavone
Der Gruppe der Phytoöstrogene zugehörig, kommen Isoflavone natürlicherweise in Nahrungsmitteln wie Sojabohnen, Kichererbsen und Linsen vor. Isoflavone wie Daidzein, Genistein und Glycitein weisen eine ähnliche chemische Struktur wie Östrogen (17-β-Östradiol) auf und können dadurch schwache östrogenartige Effekte an Östrogen-Rezeptoren vermitteln. Während klinische Studien unterschiedliche Ergebnisse zeigen, konnte durch Beobachtungsstudien an japanischen Frauen eine inverse Korrelation zwischen Sojakonsum und menopausaler Symptomatik nachgewiesen werden.6 Die kaum zu vergleichenden Ergebnisse in klinischen Studien lassen sich auf abweichende Studiendesigns sowie auf die individuelle Bioverfügbarkeit von Isoflavonen zurückführen. Diese hängt von der Fähigkeit des Körpers ab, ausreichend Equol zu produzieren. Equol ist ein potenter Daidzein-Metabolit mit östrogener Wirkung. Nur 20–30 % der westlichen Bevölkerung, jedoch 40–60 % der asiatischen Bevölkerung können ausreichend Equol produzieren, was das unterschiedliche Ansprechen auf Sojaisoflavone erklären könnte.7 Eine Einnahmedauer von > 12 Wochen sowie eine höhere Genistein-Konzentration (> 18 mg/d bzw. 30–60 mg/d) war mit einer signifikanten Reduktion von Hitzewallungen assoziiert.8 Laut NICE-Guidelines (National Institute for Health and Care Excellence) könnte von einem Effekt durch Isoflavone auf VMS auszugehen sein, jedoch wird auf die Menge an unterschiedlichen Formulierungen am Markt und auf Sicherheitsbedenken bei der Kombination mit anderen Medikamenten hingewiesen.
Lignane
Lignane werden ebenfalls zur Gruppe der Phytoöstrogene gezählt und kommen vor allem in Vollkorngetreide, Leinsamen sowie Obst und Gemüse vor. Daten aus randomisiert-kontrollierten Studien (RCT) sind auf Leinsamen begrenzt. Obwohl limitierte Evidenz für einen Effekt auf VMS durch die Supplementierung von Leinsamen bzw. die Zufuhr von Leinsamenextrakten (50–200 mg Lignane pro Tag) besteht8, ist insgesamt von keiner relevanten Auswirkung auf die Linderung von VMS auszugehen.
Rotklee
Als Leguminose enthält Rotklee ebenfalls Isoflavone (u. a. Formononetin, Biochanin A, Genistein und Daidzein). Eine 2021 publizierte Metaanalyse über 12 RCTs konnte eine signifikante Reduktion von Hitzewallungen bei Frauen mit einer Supplementierung von rund 40–160 mg/d Rotklee-Isoflavonen vs. Placebo erkennen.9 Aufgrund kleiner Studiengrößen und möglicher Unterschiede in der individuellen Bioverfügbarkeit bzw. Metabolisierung der Isoflavone sowie der Unklarheit bzgl. Dosierung und Supplementationsdauer wird auf die Notwendigkeit größerer Studien hingewiesen.
Omega-3, Vitamine und weitere Mikronährstoffe für die Menopause
Omega-3 und Vitamin E
Während durch alleinige Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren kein Einfluss auf die Frequenz und Schwere von Hitzewallungen belegt werden konnte10, ergaben sich Hinweise auf eine signifikante Reduktion der Intensität von Hitzewallungen durch eine Kombination von Vitamin E und Omega-3 im Vergleich zu Placebo.11
Vitamin D
Die orale Supplementation von 40.000 I. E. Vitamin D2 pro Woche (!) über 12 Wochen konnte in einer 2020 publizierten randomisiert-kontrollierten Studie einen positiven Effekt auf die vaginale Gesundheit bei postmenopausalen Frauen mit vulvovaginalen Beschwerden zeigen.12 Insgesamt bleibt die Rolle einer Vitamin-D-Supplementation in der Menopause jedoch unklar.
Vitamin D3 & Calcium
Durch den Östrogenmangel beschleunigt sich der Knochenabbau. Die Kombination aus Calcium und Vitamin D3 ist klinisch am besten zur Prophylaxe der postmenopausalen Osteoporose belegt.
B-Vitamine (insb. B6, B9, B12)
B-Vitamine regulieren den Homocystein-Stoffwechsel. Ein Anstieg von Homocystein nach der Menopause korreliert mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kognitiven Abbau. Vitamin B6 unterstützt zudem die Regulierung der Hormontätigkeit.
Magnesium
Essenziell für den Knochenerhalt und das Nervensystem. Fachartikel beschreiben den Nutzen bei Schlafstörungen und Muskelbeschwerden im Klimakterium.
Antioxidantien (Vitamin C und E)
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Abnahme von Östrogen mit vermehrtem oxidativem Stress einhergeht. Antioxidantien können dabei helfen, Gefäßveränderungen (endotheliale Dysfunktion) abzumildern.
Quellen
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- Davis SR, et al.: The 2023 practitioner’s toolkit for managing menopause. Climacteric 2023;26(6):517-536
- Greendale GA, et al.: Changes in body composition and weight during the menopause transition. JCI Insight 2019;4:124865
- Yelland S, et al.: The role of diet in managing menopausal symptoms: A narrative review. Nutr Bull 2023;48:43-65
- Barrea L, et al.: Mediterranean diet as medical prescription in menopausal women with obesity: a practical guide for nutritionists. Crit Rev Food Sci Nutr 2021;61(7):1201-11
- Nagata C. et al.: Soy product intake and hot flashes in Japanese women: results from a community-based prospective study. Am J Epidemiol.2001;153(8):790-793
- Iino C. et al.: Daidzein intake is associated with equol producing status through an increase in intestinal bacteria responsible for equol production. Nutrients.2019;11(2): 433
- Taku K. et al.: Extracted or synthesized soybean isoflavones reduce menopausal hot flash frequency and severity: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Menopause.2012;19(7): 776-790
- Kanadys W. et al.: Evaluation of clinical meaningfulness of red clover (Trifolium pratense L.) extract to relieve hot flushes and menopausal symptoms in Peri- and postmenopausal women: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Nutrients.2021;13(4):1258
- Mohammady M. et al.: Effect of omega-3 supplements on vasomotor symptoms in menopausal women: a systematic review and meta-analysis. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol.2018;228: 295-302
- Maghalian M. et al.: The effect of oral vitamin E and omega-3 alone and in combination on menopausal hot flushes: a systematic review and meta-analysis. Post Reprod Health.2002;(2):93-106
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