Ergebnisse der Netzwerk-Metaanalyse
Unter den untersuchten Substanzen fanden sich Hinweise auf eine geringere Delirhäufigkeit für Dexmedetomidin, Glukokortikosteroide, Melatonin, Parecoxib, Olanzapin und intranasales Insulin. Der Effekt beschränkte sich jedoch ausschließlich auf die Inzidenz – der Schweregrad eines Delirs blieb weitgehend unbeeinflusst. Zudem traten unter Dexmedetomidin vermehrt Kreislaufreaktionen wie Bradykardie und Hypotonie auf, was die Nutzen-Risiko-Abwägung zusätzlich erschwert.
Die Autor:innen der Analyse bewerten insbesondere Dexmedetomidin positiv und regen eine Neubewertung in Leitlinien an. Das begleitende Editorial mahnt jedoch zur Vorsicht: Netzwerk-Metaanalysen seien anfällig für Verzerrungen, viele eingeschlossene Studien klein und heterogen, und unerwünschte Wirkungen häufig unzureichend dokumentiert. Entscheidend sei letztlich, ob ein Wirkstoff patientenrelevante Outcomes verbessert – und dafür fehlt weiterhin belastbare Evidenz.
Bedeutung für die Praxis
Für die pharmazeutische Beratung bleibt damit klar: Eine routinemäßige medikamentöse Delirprophylaxe lässt sich auf Basis der aktuellen Daten nicht empfehlen. Deutlich besser belegt sind strukturierte, nicht-medikamentöse Maßnahmen – von optimiertem Schmerzmanagement über Schlafhygiene bis zur frühzeitigen Mobilisierung. Ebenso wichtig ist die präoperative Identifikation von Risikopersonen und eine sorgfältige Medikationsanalyse, insbesondere hinsichtlich Psychopharmaka, Schlafmitteln oder potenziell ungeeigneten Arzneistoffen im Alter.
Quelle: Luney M, et al.: Effectiveness of drug interventions to prevent delirium after surgery for older adults: systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials BMJ 2026; 392 :e085539 DOI:10.1136/bmj-2025-085539