Univ.-Prof. Lars-Peter Kamolz vom Grazer Zentrum für Schwerbrandverletzte gab beim APOkongress einen Überblick über aktuelle Erkenntnisse.
Einschätzung und Ursache
Zur Abschätzung des Ausmaßes empfahl Kamolz die Handflächenregel: Die Handfläche des/der Patient:in (mit Fingern) entspricht ca. 1 % der Körperoberfläche. Ab 15–20 % kommt es laut Kamolz zu einem generalisierten Kapillarleck, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, der Kreislauf wird instabil. Die Ursache beeinflusst den Verlauf direkt: „Eine Verbrühung mit heißem Öl neigt dazu, tiefer zu werden.“
Erstmaßnahmen
Beim Kühlen mahnte Kamolz zur Zurückhaltung: Zwar wirke es schmerzlindernd, bei größeren Verbrennungen bestehe aber das Risiko einer Unterkühlung, da die Hautbarriere zerstört sei. Bei kleinen Arealen sei kurzes Kühlen mit lauwarmem Wasser vertretbar. Für Silbersulfadiazin (Flammazine) sah Kamolz keinen Platz in der modernen Versorgung von Brandwunden mehr. Feuchte aktive Wundverbände mit mehrtägigen Wechselintervallen seien heute Standard.
Behandlung und Hautersatz
Oberflächliche zweitgradige Verbrennungen heilen konservativ ab; tiefere und drittgradige müssen laut Kamolz operiert werden. Für großflächige Schädigungen stehen neben Eigenhaut-Transplantaten auch Spenderhaut sowie synthetische Kollagen-Matrizes zur Verfügung – kostenintensiv, aber mit deutlich besseren Ergebnissen. Ins Verbrennungszentrum gehören: zweitgradige Verbrennungen ab ca. 5–10 % Körperoberfläche, Verbrennungen an Gesicht, Händen, Gelenken oder im Genitalbereich sowie strom- oder inhalationsbedingte Verletzungen.