Prim. Priv.-Doz. Dr. Christoph Ausch, Chirurg und Gefäßmediziner, machte deutlich: Nicht die Wahl des Verbands entscheidet über den Heilungserfolg, sondern die korrekte Diagnose und die Behandlung der Grundursache. Als erste Anlaufstelle für betroffene Patient:innen tragen Apotheker:innen dabei eine wichtige Lotsenfunktion.
Evidenz statt Produktvielfalt
Rund 7.000 Verbandprodukte sind auf dem Markt – für die meisten fehlt belastbare klinische Evidenz. Auch für Silber, eines der am häufigsten eingesetzten Wundtherapeutika, existiert laut aktuellen Leitlinien keine gesicherte Studienbasis. Beim Ulcus cruris venosum etwa ist Kompression die entscheidende Maßnahme; welche Auflage dabei gewählt wird, ist zweitrangig. Persistiert eine Wunde trotz mehrwöchiger Behandlung, sollte konsequent auf eine ärztliche Abklärung der Grundursache hingewiesen werden – noch bevor ein neues Produkt zum Einsatz kommt.
Biofilm als zentraler Therapiefaktor
Chronische Wunden sind dynamisch, und Biofilm kann sich im Verlauf wiederholt neu bilden. Eine einmalige Entfernung genügt daher nicht – die Wunde muss regelmäßig neu evaluiert werden. Ohne korrekte Biofilm-Behandlung, betonte Ausch, werde es zu keiner vernünftigen Abheilung kommen. Alarmsignale wie plötzliche Schmerzen, nächtliche Beschwerden, Geruch oder Fieber sollten konsequent weitergeleitet werden. Ausblickend zeigte sich Ausch optimistisch: Biofilm-Diagnostik und Verfahren wie bioprinting-basierte Hauttransplantate werden die Wundversorgung der Zukunft prägen.