Hyaluronsäure, Honig und Silber

Wirkstoffe und Kosmetika

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Mag. pharm. Julia Moesslacher, PhD, Pharmazeutin und Gastprofessorin an der PMU Salzburg © beigestellt
Mag. pharm. Julia Moesslacher, PhD, Pharmazeutin und Gastprofessorin an der PMU Salzburg © beigestellt

Mag. pharm. Julia Moesslacher, PhD, gab einen Überblick darüber, welche Wirkstoffe in der Wundbehandlung wirklich belegt sind und welche Rolle Kosmetika in Prävention und Nachsorge spielen.

Arzneimittel, Medizinprodukt oder Kosmetikum?

Arzneimittel wirken pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch. Medizinprodukte zielen auf Erkennung, Behandlung oder Kompensierung von Verletzungen. Kosmetika haben die Haut zu reinigen, zu schützen oder in gutem Zustand zu erhalten. Fällt ein Produkt in mehrere Kategorien, schlägt das Arzneimittelrecht. Im Apothekenalltag gilt: Arzneimittel und Medizinprodukte überwiegen für den therapeutischen Einsatz, Kosmetika als wirksame Ergänzung vor allem in Prävention und Nachsorge – eine Rolle, die allerdings oft unterschätzt wird.

Wirkstoffe: Studienlage und Praxisempfehlungen

Moesslacher räumt ein, dass die Studienlage bei vielen etablierten Wundwirkstoffen heterogen ist – randomisierte kontrollierte Studien fehlen häufig, weil Hersteller kaum Interesse daran haben, nicht patentierbare Substanzen aufwendig zu untersuchen. Dennoch lassen sich klare Empfehlungen ableiten. 

Hyaluronsäure gilt als gut belegter Wirkstoff. Sie optimiert das feuchte Wundmilieu, unterstützt Zellmigration, Granulationsbildung und Re-Epithelisierung und wirkt antiinflammatorisch. Ein Cochrane-Review 2023 von Roehrs et al. zeigte Verbesserungen bei Heilungsrate, Wundgröße und Schmerzen an verschiedenen chronischen Wunden bei guter Verträglichkeit.1

Medizinischer Honig – nicht zu verwechseln mit Lebensmittelhonig – wirkt antimikrobiell, entzündungshemmend und fördert Granulation und Epithelisierung. Eine Metaanalyse (Tang et al. 2024) belegte verkürzte Heilungszeit und mehr vollständig abheilende Wunden.2

Silber ist nicht gleich Silber. Bei richtiger Indikation – vor allem chronische, infektionsgefährdete Wunden – zeigen silberhaltige Wundauflagen eine signifikant kürzere Heilungszeit und reduzierte Infektionsraten. Da eine Langzeitanwendung in Hinblick auf potenzielle Toxizität kritisch bewertet wird, gilt: kurzfristiger Einsatz bei Infektionsverdacht ja, Dauertherapie nein.

Aus der Phytotherapie empfiehlt sich Ringelblume für kleine Wunden und leichte Hautentzündungen, anerkannt durch HMPC, ESCOP und Kommission E. Als Update präsentierte Moesslacher Betulin aus der Birke: Die EMA hat Betulin-Oleogel 2016 als Arzneimittel zugelassen, mit belegter Wirksamkeit in allen drei Phasen der Wundheilung. Als systemischen Ansatz bei venösen Beinulzera nannte sie Pentoxifyllin: zwei Metaanalysen belegen vollständige Heilung bei 62 % der Behandelten.

Kosmetika in Prävention und Nachsorge

Die zentrale Präventionsstrategie ist der Erhalt der Hautbarriere: Weniger transepidermaler Wasserverlust bedeutet weniger Mikroverletzungen und weniger Infektionsrisiko. Petrolatum wirkt durch schnelle Okklusion sofort; Glycerin, Urea, Niacinamid, Hyaluronsäure sowie Fettsäuren und Ceramide ergänzen die Barrierefunktion. Für die Wundumgebung empfiehlt sich milde Reinigung mit pH ≤ 5,5 und Pflege mit lipophilen Produkten. Bei der Narbenbehandlung liefern Silikonprodukte bei Keloiden laut Cochrane-Datenlage keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis – was laut Moesslacher ein Datenproblem widerspiegelt, keine fehlende Wirksamkeit. Unbedingt empfehlenswert bleiben wenig Belastung des Gewebes und konsequenter UV-Schutz.

„Wir als Apotheker:innen machen den Unterschied in unserer Beratung“, so Moesslacher abschließend – und mit einem pragmatischen Appell: Wer mit einem Produkt an der Tara gute Erfahrungen gemacht hat, soll es weiterempfehlen. Denn nicht alles, was in der Praxis funktioniert, findet sich notwendigerweise in Leitlinien wieder.

“Kosmetika sind eine sehr wirksame Ergänzung – vor allem in der Prävention, wo der Erhalt der Hautbarriere die zentrale Strategie ist.“
Mag. pharm. Julia Moesslacher, PhD Pharmazeutin und Gastprofessorin an der PMU Salzburg

Quellen

  1. Roehrs H, et al.: Dressings and topical agents containing hyaluronic acid for chronic wound healing. Cochrane Database Syst Rev. 2023 DOI: 10.1002/14651858.
  2. Tang Y, Chen L, Ran X: Efficacy and Safety of Honey Dressings in the Management of Chronic Wounds: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients  2024. DOI: 10.3390/nu16152455

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