Tattoos dermatologisch betrachtet

Mehr als ein Lifestyle-Phänomen

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Oliver Kapferer, BScN, MSc, diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, FH Innsbruck © beigestellt
Oliver Kapferer, BScN, MSc, diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, FH Innsbruck © beigestellt

Wunde statt Dekoration

Physiologisch ist ein Tattoo eine Wunde. Die Farbe wird mechanisch in die Dermis eingebracht und muss dabei einen spezifischen Konsistenzwechsel durchlaufen, um dauerhaft zu haften. Die Folge ist eine akute Entzündungsreaktion mit nachfolgenden Veränderungen in Epidermis und Dermis. Die Nachsorge war historisch inkonsistent – klare, evidenzbasierte Standards fehlten bislang.

Komplikationen und Allergierisiko

Zu den häufigsten Komplikationen zählen Kontaktallergien, Infektionen, Granulome und Photoreaktionen – Farben können noch Jahre nach dem Eingriff unter UV-Einwirkung reagieren. Die WHO hat inzwischen eigene Codes für Tattoo-assoziierte Komplikationen eingeführt; epidemiologische Daten bleiben dennoch rar. Da 
die Farbe dauerhaft im Körper verbleibt, ist bei einer Allergie eine längerfristige Behandlung indiziert – mit Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren wie Bioflavonoiden und Quercetin. Kapferer empfiehlt daher, die Tätowierfarbe vorab auf Verträglichkeit zu testen.

Rechtliche Lage

In Österreich schreibt die Ausbildungsverordnung für das reglementierte Gewerbe des Tätowierens eine mindestens 97‑stündige Ausbildung vor. In Deutschland fehlt eine solche gesetzliche Grundlage bislang. Ziel sei es, 
so Kapferer, nicht zu stigmatisieren, sondern zu helfen – eine Schulungsplattform für Tätowierer:innen soll ab Herbst dazu beitragen.

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