oint of Care Diagnostik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Bestandteil moderner medizinischer Versorgung entwickelt. Häufig zitierte Schätzungen gehen davon aus, dass 60–70 % aller klinischen Entscheidungen durch labordiagnostische Befunde unterstützt werden. Auch wenn diese Zahl methodisch schwer exakt zu quantifizieren ist, unterstreicht sie die zentrale Bedeutung schneller und verlässlicher Diagnostik. PoC Tests ergänzen die klassische Labormedizin um eine flexible, patientennahe Komponente und liefern Resultate innerhalb weniger Minuten.
Was PoC Tests auszeichnet
PoC Tests positionieren sich zwischen professionellen Labortests und Selbsttests für die Laienanwendung und schließen damit eine wichtige Lücke in der in vitro Diagnostik. Sie verbinden die hohe Aussagekraft etablierter Laborverfahren mit der unmittelbaren Verfügbarkeit von Ergebnissen. Besonders in zeitkritischen Situationen – Infektionen, Stoffwechselentgleisungen, kardiovaskuläre Risiken – ermöglichen sie schnelle Entscheidungen und erleichtern die Therapieeinleitung.
Ein weiterer Vorteil ist die Niedrigschwelligkeit: geringe Probenmengen, einfache Bedienung, kurze Analysezeiten. Dadurch eignen sich PoC Tests auch für engmaschige Verlaufskontrollen und präventive Strategien, da regelmäßige Messungen Gesundheitsprobleme früh sichtbar machen. So können PoC-Testungen dazu beitragen Folgeerkrankungen potenziell zu vermeiden – etwa durch unerkannte Dyslipidämien, Vitaminmängel oder chronische Entzündungsprozesse – und damit verbundene Kosten für das Gesundheitssystem reduzieren.
Damit PoC Tests ihre Stärken voll ausspielen können, ist eine korrekte Präanalytik unverzichtbar. Faktoren wie Probenvolumen, Temperatur, Lagerung, Gerinnung oder Kontamination beeinflussen die Aussagekraft erheblich. Ebenso wichtig sind Sensitivität und Spezifität, die je nach Testsystem variieren können. Moderne Geräte erreichen für viele Parameter eine Genauigkeit, die für klinische Entscheidungen ausreichend ist, dennoch bleibt die Bestätigung durch Laborwerte in bestimmten Situationen notwendig – etwa bei grenzwertigen Ergebnissen, komplexen Fragestellungen oder wenn therapeutische Konsequenzen weitreichend sind.
Warum Ergebnisse variieren können
Bei der Interpretation von PoC‑Ergebnissen sollten verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Messwerte können von Labor zu Labor oder zwischen unterschiedlichen Geräten variieren, da Kalibrierung, Messprinzip und Referenzbereiche nicht vollständig standardisiert sind. Die Vergleichbarkeit ist daher am höchsten, wenn Messungen mit demselben Gerät, zur gleichen Uhrzeit und unter möglichst identischen Bedingungen erfolgen. Hinzu kommt, dass viele Parameter zirkadianen Schwankungen unterliegen. Glukosewerte variieren im Tagesverlauf und reagieren empfindlich auf Nahrungsaufnahme, Stress oder körperliche Aktivität. Eisen zeigt typischerweise morgendliche Spitzen und fällt im Tagesverlauf ab.
Neben biologischen Schwankungen können auch methodische Unterschiede eine Rolle spielen: Teststreifen altern, Reagenzien reagieren unterschiedlich empfindlich auf Temperatur, und optische oder elektrochemische Messverfahren haben jeweils eigene Toleranzen. Deshalb ist es sinnvoll, auffällige oder unerwartete Ergebnisse durch eine Laboranalyse zu bestätigen.
Zukunftsperspektiven der PoC Diagnostik
Die PoC Diagnostik befindet sich in einer Phase intensiver technologischer Weiterentwicklung. Ein zentraler Trend ist die Miniaturisierung: Analysesysteme werden kleiner, leistungsfähiger und benötigen immer geringere Probenmengen.
Parallel dazu gewinnt die künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung. KI gestützte Algorithmen unterstützen bereits die automatisierte Interpretation von Blutbildern oder Biomarkerprofilen. Zukünftig könnten lernende Systeme Muster erkennen, die menschlichen Betrachter:innen entgehen, und so Sensitivität und Spezifität vieler PoC Tests weiter erhöhen. Cloudbasierte Systeme können Ergebnisse direkt in digitale Patientenakten integrieren und die telemedizinische Versorgung erleichtern. Wearables erlauben die kontinuierlichen Messungen von Vitalparametern oder ausgewählten Biomarkern und können so Prävention und Monitoring neu definieren. PoC Diagnostik wird damit zunehmend zu einem zentralen Baustein einer vernetzten, personalisierten und präventiv orientierten Gesundheitsversorgung.
Quellen
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