Die Arthrose gehört zu den bekanntesten degenerativen Gelenkerkrankungen. Sie ist durch einen fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels gekennzeichnet, der zu Gelenkschmerzen und wiederkehrenden Entzündungsschüben führt. Demgegenüber stehen entzündlich-rheumatische Erkrankungen, von denen manche auf Autoimmunprozessen beruhen: Dabei greift das Immunsystem die eigene Gelenkinnenhaut an. Zu dieser Gruppe zählen die rheumatoide Arthritis als häufigste Form sowie Morbus Bechterew, die Psoriasis-Arthritis und seltenere Kollagenosen wie der Lupus erythematodes.
Relevante Mikronährstoffe
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 gibt einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand zu Spurenelementen und pflanzlichen Polyphenolen. Die Arbeit bestätigt, dass Mikronährstoffe wie Antioxidantien sowie pflanzliche Polyphenole die oxidative und inflammatorische Stressantwort im Körper modulieren können. Sie tragen nachweislich dazu bei, klinische Symptome zu verbessern und Entzündungsmarker (wie CRP) zu senken.1
Antioxidantien
Bei fast allen Formen von rheumatischen Erkrankungen ist eine Milderung der Entzündungsprozesse ein zentraler Aspekt der Therapie. Der veränderte Chondrozyten-Metabolismus bei Osteoarthritis induziert die Entstehung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS). Dieser lokal und systemisch erhöhte oxidative Stress treibt den Gewebeabbau voran und verstärkt Entzündungsreaktionen. Die Zufuhr von Antioxidantien wie Vitamin C und Vitamin E sowie integralen Spurenelementen wie Kupfer, Mangan, Zink und Selen kann weitere oxidative Schäden reduzieren und positiv auf das Entzündungsgeschehen wirken. Die klinische Forschung legt mittlerweile den Fokus auf Kombinationsstrategien und meidet hohe Dosen einzelner Vitamine. Dabei werden moderate Mengen natürlicher Antioxidantien mit einer medikamentösen Basistherapie (z. B. Methotrexat) kombiniert, um deren Wirkung zu unterstützen und Nebenwirkungen zu reduzieren.2
Proteolytische Enzyme
Eiweißspaltende Enzyme stellen einen weiteren Therapieansatz bei akuten und chronischen Entzündungen dar. Es wird vermutet, dass Proteasen den Ablauf des Entzündungsgeschehens durch die Entsorgung von nekrotischen Geweberesten beschleunigen können und dadurch abschwellend und schmerzlindernd wirken. Es gibt jedoch nur wenige Studien zu einzelnen Enzymkombinationen. So bestätigt beispielsweise ein klinischer Review die analgetischen und antientzündlichen Effekte bei der oralen Einnahme von proteolytischen Enzymkombinationen gemeinsam mit Rutin.3 Dennoch können die Enzyme die fortschreitende Zerstörung des Knorpels bei einer rheumatoiden Arthritis nicht aufhalten.
Omega-3-Fettsäuren
Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken stark antientzündlich, indem sie die Bildung von Entzündungsbotenstoffen aus der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure blockieren. Ihr Einsatzbereich umfasst die Arthrose und rheumatoide Arthritis. Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysierte speziell die Effekte einer Omega-3-Ergänzung auf den Fettstoffwechsel, Entzündungen und die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis. Die Auswertung der Studiendaten zeigte, dass eine regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) klinische Symptome wie die Anzahl der schmerzhaften Gelenke sowie die Morgensteifigkeit signifikant reduzieren konnte.4 In einer weiteren Studie konnten Forschende eine signifikante und klinisch relevante Linderung von chronischen Schmerzen nachweisen. Rheumatoide Arthritis und Migräne zählten dabei zu jenen Krankheitsbildern, die am deutlichsten von Omega-3-Fettsäuren profitierten.5 Bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma wird ein höherer Anteil an EPA im Verhältnis zu DHA empfohlen.
Vitamin D3
Das fettlösliche Vitamin reguliert das Immunsystem insbesondere bei autoimmun-rheumatischen Erkrankungen. Ein Mangel korreliert oft mit höherer Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis. Der Status sollte per Blutbild kontrolliert werden. Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte die Verbindung zwischen Ernährung, Mikronährstoffen und der Darmflora bei Rheuma-Betroffenen.6 Es zeigt sich, dass ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel, der bei Rheumatiker:innen auffallend häufig vorkommt, direkt mit einer höheren Krankheitsaktivität und einer gestörten Barrierefunktion des Darms korreliert. Die Supplementierung von Vitamin D, Zink und Selen kann laut dieser Studie zur Immunregulation, zur Senkung der Krankheitsaktivität sowie als Osteoporoseschutz bei Cortisontherapie angewendet werden.
Ein ausreichender Status von Vitamin D, Zink und weiteren Mikronährstoffen ist für Immunfunktion und Barriereintegrität relevant. Insbesondere ein Vitamin-D-Mangel sollte erkannt und gezielt ausgeglichen werden; ob eine Supplementierung darüber hinaus die Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis relevant senkt, ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Dosierungsansatz: (adaptiert nach11)
Vitamin C 1–2 g/d
Vitamin E 100 mg/d
Kupfer 1–2 mg/d
Mangan 2–4 mg/d
Zink 15–20 mg/d
Selen 90–150 µg/d
Proteolytische Enzyme
(Bromelain, Papain, Trypsin,
Chymotrypsin) je 300–1.000 mg/d
Omega-3-Fettsäuren 1–1,5 g/d
Vitamin D 1.000–4.000 I.E./d
Phytotherapeutika bei Arthrose und Arthritis
Arthrose
Bei der innerlichen Anwendung gibt es bei Arthroseschmerzen großer Gelenke positive Studienergebnisse für Teufelskralle, Hagebuttenpulver und Weidenrinde.7
Die Afrikanische Teufelskralle wird vor allem bei chronischen Gelenkschmerzen und Arthrose eingesetzt, da sie knorpelschützende und schmerzlindernde Effekte besitzt. Teufelskrallenextrakte sollten als standardisierte Fertigpräparate in ausreichender Dosierung (≥ 2.400 mg/Tag) eingenommen werden. Die Behandlung wirkt nicht sofort, sondern erfordert im Allgemeinen 2–4 Wochen bis zur optimalen Wirkung.
Hagebuttensamenpulver enthält Galaktolipide, die den Knorpelabbau reduzieren und Entzündungsmarker im Blut senken können. Das Pulver ist in einer Dosierung von 5 g/Tag über 3 Monate zur Linderung von Beschwerden durch Hüft- und Kniearthrose effektiv.8 Präparate, die Brennnessel und Weidenrinde enthalten, sind nach der Erfahrung und weniger aussagekräftigen Studien in hohen Dosierungen ebenfalls effektiv.
Rheumatoide Arthritis
Bei der rheumatoiden Arthritis findet sich aus kontrollierten, randomisierten Studien eine moderate Evidenz, dass die Symptome mit Nachtkerzenöl, Borretschsamenöl oder Öl aus den Kernen der schwarzen Johannisbeere gebessert werden können.9 Für die Wirksamkeit ist der Gehalt an Gamma-Linolensäure entscheidend. Nur bei höheren Dosen (äquivalent 1.400 mg Gamma-Linolensäure) fanden sich therapeutische Effekte.7 Für Präparate, die Brennnessel, Teufelskralle und Boswellia serrata enthalten, besteht nach der Erfahrung und einzelnen Studien ebenfalls eine gewisse Wirksamkeit zur Symptomlinderung.
Weihrauchextrakt (Boswellia serrata) enthält Boswelliasäuren, Triterpensäuren sowie Terpenalkohole und eignet sich besonders zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen, die durch entzündliche Vorgänge in Gelenken, Muskeln und der Wirbelsäule ausgelöst werden. Die enthaltenen Boswelliasäuren hemmen ein bestimmtes Entzündungsenzym (5-LOX) und können Schwellungen sowie Morgensteifigkeit reduzieren.
Curcumin als Wirkstoff im Curcuma-Extrakt zeigt neben dem antioxidativen Effekt auch eine antiinflammatorische Wirkung. Der Wirkstoff hemmt die Cyclooxygenase-2 (COX-2) und die Lipoxygenase (LOX) und moduliert die NO-Synthase (iNOS). Eine klinische Metaanalyse randomisierter, kontrollierter Studien untersuchte die Wirkung von Curcumin (Curcuma longa) bei verschiedenen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen. Die Auswertung zeigte, dass standardisierte Curcumin-Extrakte als potente Immunmodulatoren wirken. Insbesondere bei rheumatoider Arthritis (RA) führte die Einnahme zu einer signifikanten Reduktion der Entzündungsmarker und zu einer Besserung der Gelenkschwellung.10 Wichtig ist die Einnahme von Extrakten mit hoher Bioverfügbarkeit (z. B. mit Mizellen-Technologie oder schwarzem Pfeffer).
Empfohlene Dosierung: (adaptiert nach11)
Weihrauch-Extrakt 1.000–4.000 mg/d
Curcuma-Extrakt 500–1.500 mg/d
Aufbauende Gelenksnährstoffe
• S-Adenosylmethionin (SAM, engl. SAMe) zeigte in Studien vielversprechende analgetische und antiphlogistische Wirkungen bei Osteoarthritis, die mit der schmerzlindernden Wirkung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) vergleichbar sind.
• Methylsulfonylmethan (MSM) eignet sich vor allem zum therapeutischen Einsatz bei Schmerzen, die durch Arthrose, Arthritis oder Sportverletzungen verursacht werden. Als Wirkmechanismus gehen die Forscher von der Hemmung der Cyclo-oxygenase (COX) aus.
• Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure sind die Klassiker in der nutritiv begleitenden Arthrosetherapie. Als natürliche Gelenkbausteine dienen sie zur Bildung der Synovialflüssigkeit. Ihr Wasserbindungsvermögen verleiht dem Knorpel Elastizität und Geschmeidigkeit sowie der Synovialflüssigkeit optimale Viskosität und eine bessere Pufferfunktion. Zudem dienen die in der Synovia enthaltenen Stoffe den Chondrozyten, die regelmäßig neu gebildet werden müssen, als Substrat. Aus der Tatsache, dass bestimmte Moleküle Bestandteile von Knorpel bzw. Extrazellulärmatrix sind, folgt jedoch auch nicht automatisch, dass oral zugeführte Präparate einfach als „Bausteine“ ins Gelenk eingebaut werden. Die Studienlage ist hier momentan noch nicht ausreichend, um einen klinischen Nutzen zu nennen.
• Natives Kollagen (Typ II) ist ein wesentlicher Bestandteil von Knorpelgewebe. Nur natives Kollagen des Typs II besitzt die spezielle Tripelhelix, die für reißfeste Kollagenfasern notwendig ist. Als Strukturprotein stabilisiert natives Typ-II-Kollagen zudem Sehnen und Bindegewebe. Auch Vitamin C spielt eine bedeutende Rolle bei der Aufrechterhaltung von Kollagen.
Dosierungsansatz: (adaptiert nach11)
SAMe 200–1.500 mg/d
MSM 500–2.500 mg/d
Glukosaminsulfat 100–1.500 mg/d
Chondroitinsulfat 800–1.000 mg/d
Hyaluronsäure 50–100 mg/d
Natives Kollagen 3 mg/d
Mediterran und entzündungshemmend
Da es sich bei Arthritis um ein chronisches Entzündungsgeschehen handelt, basieren die ernährungstherapeutischen Ansätze vorrangig auf dem Einsatz von Lebensmitteln mit entzündungshemmenden Eigenschaften. In diesem Zusammenhang ist besonders die mediterrane Diät zu erwähnen: ein hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren wie Olivenöl, regionalem und saisonalem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkorngetreide sowie ein geringer Anteil an Fleisch (vor allem rotem), Joghurt und Käse. Besonders erwähnenswert ist der hohe Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die in fettreichen Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele und Thunfisch, aber auch in Mikroalgen wie Ulkenia oder Schizochytrium enthalten sind.
Quellen
- Banuls-Mirete M et al.: Micronutrients: Essential Treatment for Inflammatory Arthritis? Curr Rheumatol Rep 2020;22(12):87
- Umar M et al.: Natural Bioactive Compounds in Rheumatoid Arthritis: Experimental Evidence from Adjuvant Arthritis Model Supporting Combination Strategies with Methotrexate. Int J Mol Sci 2026; 27(17):7968
- Henrotin YE et al.: Combination of Enzymes and Rutin to Manage Osteoarthritis Symptoms: Lessons from a Narrative Review of the Literature. Rheumatol Ther 2022; ;9(5):1305-1327
- Wang W et al.: Effects of omega-3 supplementation on lipid metabolism, inflammation, and disease activity in rheumatoid arthritis: a meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Rheumatol2024; 43(8):2479-2488
- Xie L et al.: Effects of omega-3 fatty acids on chronic pain: a systematic review and meta-analysis. Front Med 2025;12:1654661
- Reytor-Gonzalez C et al.: The Oral–Gut–Immune–Nutrition Axis in Rheumatoid Arthritis: Molecular Mechanisms and Therapeutic Implications. Int J Sci 2026 Mar 4;27(5):2385
- Cameron M et al.: Evidence of effectiveness of herbal medicinal products in the treatment of arthritis. Part I: Osteoarthritis. Phytother Res 2009; 23(11): 1497–1515
- Winther K et al.: A powder made from seeds and shells of a rose-hip subspecies (Rosa canina) reduces symptoms of knee and hip osteoarthritis: A randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Scand J Rheumatol 2005; 34(4): 302–308
- Cameron M et al.: Herbal therapy for treating rheumatoid arthritis. Cochrane Database. Syst Rev 2011;2:CD002948
- Zeng L et al.: Curcumin and Curcuma longa Extract in the Treatment of 10 Types of Autoimmune Diseases: A Systematic Review and Meta-Analysis of 31 Randomized Controlled Trials. Front Immunol 2022;13:896476
- Schmidbauer C, et al.: Mikronährstoff-Coach. Das große Biogena-Kompendium der Nährstoffe (2020), 4. Auflage, Verlagshaus der Ärzte, Wien