Die Makula, der gelbe Fleck, ist jener Bereich in der Netzhaut, an dem wir am schärfsten sehen. Die genauen Ursachen für die altersabhängige Makuladegeneration sind noch nicht in vollem Umfang geklärt. Nach aktuellem Wissensstand lagern sich im Verlauf des Lebens Stoffwechselprodukte in der Makula ab, die die Sehzellen über die Zeit schädigen. Konkret handelt es sich um Lipofuszine, die vorrangig bei der Oxidation von Fetten und Eiweißen entstehen und aus einer bestimmten Zellschicht im Auge nicht mehr abtransportiert werden können.
Auch sogenannte Drusen, die sich als kugelförmige Ablagerungen in der Netzhaut niederlassen, werden im Zusammenhang mit AMD genannt. Drusen können aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen, u. a. aus Cholesterin, Lipiden, Proteinen, Kohlenhydraten, Spurenelementen und sogar aus Lipofuszin selbst. Interessant ist, dass viele der in Drusen vorkommenden Proteine das Ergebnis von chronischen Entzündungsprozessen sind. Die zentralen Pathomechanismen der AMD sind oxidativer Stress, Inflammation und mitochondriale Dysfunktion.
Empfohlene Tagesdosen
Vitamin C500 mg
Vitamin E 20–50 mg
Zink 10–20 mg
Kupfer 1–1,5 mg
Beta-Carotin 15 mg
Lutein 10 mg
Zeaxanthin 2 mg
DHA 280 mg
Wie verläuft die Erkrankung?
Die Makuladegeneration verläuft in verschiedenen Stadien. Es wird zwischen einer frühen, mittleren (intermediären) und fortgeschrittenen AMD unterschieden. Durchschnittlich dauert es etwa zehn Jahre, bis sich die Erkrankung von der frühen zur späten Verlaufsform entwickelt, wobei sich der Verlauf sehr individuell gestalten kann. Durch den zunehmenden Verlust der Sehkraft im Zentrum des Blickfelds werden Gegenstände im eigentlichen Fokus oft verschwommen oder verzerrt wahrgenommen.
Wie unterscheidet sich die feuchte von der trockenen AMD?
Bei der Makuladegeneration wird zwischen einer feuchten (exsudativen) und einer trockenen (nicht-exsudativen) Form unterschieden. In 85 % der Fälle handelt es sich um eine trockene AMD, in deren Verlauf Sehzellen stellenweise absterben (atrophieren). Ursache dafür sind Ansammlungen von Stoffwechselprodukten unter der Netzhaut, die die Versorgung der Sehzellen immer stärker beeinträchtigen. Der langsame Zellverlust geht meist von der Makula aus, da die Sehzellen hier besonders aktiv sind.
Die feuchte AMD wird fachlich als neovaskuläre AMD bezeichnet, da sich bei dieser Form im geschädigten Bereich des Auges neue Blutgefäße bilden. Dies ist ein Versuch des Auges, der verringerten Sauerstoffversorgung entgegenzuwirken. Die neugebildeten Blutgefäße können Schwellungen oder gar Blutungen in der Makula verursachen. Die feuchte AMD verläuft wesentlich schneller als die trockene Form der Erkrankung.
Welche Mikronährstoffe helfen bei trockener Makuladegeneration?
Die feuchte Form der Makuladegeneration kann mittels regelmäßiger Injektion von VEGF-Hemmern (Vascular Endothelial Growth Factor) über eine längere Zeit aufgehalten und die Sehfähigkeit erhalten werden. Für die trockene Form der AMD stehen speziell abgestimmte Mikronährstoffkombinationen zur Verfügung, die unterstützend die Nährstoffversorgung im Auge erhöhen können. In zwei groß angelegten Studien, AREDS 1 (Age-Related Eye Disease Study) und AREDS 2, wurden Nährstoffkombinationen mit Vitamin C, E, Beta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin, Zink, Kupfer und Omega-3-Fettsäuren untersucht.1,2
Die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin
Die Netzhaut des Auges kann durch Sonnenlicht (UV-Strahlen) und den eigenen Stoffwechsel im Laufe der Zeit Schaden nehmen. Die Folge ist oxidativer Stress, der zu einer AMD beitragen kann. Carotinoide wie Lutein und Zeaxanthin werden bevorzugt im Auge eingelagert. Zeaxanthin kommt im zentralen Bereich der Netzhaut vor, Lutein in den Randbereichen. Ihre Konzentration im Auge kann dabei das 1.000-fache des Blutwertes erreichen. Zusätzlich sind sie für die gelbe Pigmentierung der Makula (gelber Fleck) verantwortlich. Beide Wirkstoffe können neben der Neutralisierung freier Radikale auch direkt UV-Licht absorbieren.
Beta-Carotin durch Lutein und Zeaxanthin austauschbar
In einzelnen Studienarmen der ARED-Untersuchungen wurde neben den oben genannten Mikronährstoffen entweder Beta-Carotin oder eine Kombination aus Lutein und Zeaxanthin untersucht. Beide Varianten schienen in der Wirkung austauschbar zu sein. Dies erleichtert die Empfehlung für (ehemalige) Raucher:innen, die aufgrund des eventuell erhöhten Lungenkrebsrisikos auf Beta-Carotin verzichten sollten und stattdessen Präparate mit Lutein (10 mg/Tag) und Zeaxanthin (2 mg/Tag) einnehmen können.3
Ist Vitamin A bei einer AMD zu empfehlen?
Vitamin A benötigt der Körper für die Bildung von Retinal. Diese Substanz ist wichtig für die Lichtwahrnehmung und muss stetig regeneriert werden. Dabei entstehen Abfallprodukte, die Netzhautveränderungen auslösen können. Beobachtungsstudien lassen vermuten, dass größere Mengen an Vitamin A bei einigen Menschen das AMD-Risiko sogar erhöhen könnte.4 Daher ist es besser, auf Präparate auszuweichen, die Beta-Carotin enthalten. Beta-Carotin ist die bioaktive Vorstufe von Vitamin A. Vitamin A ist ein Baustein des Sehpurpurs (Rhodopsin) und als solcher essenziell am Sehvorgang und der Umwandlung von Photoenergie in neuronale Energie beteiligt.
Vitamin C und Vitamin E als Schutzfaktoren
Vitamin C und Vitamin E sind wichtige Antioxidantien, welche die Netzhaut vor oxidativem Stress schützen. Dabei fangen sie freie Radikale ab, die beispielsweise durch UV-Strahlung entstehen. Die Ergebnisse der ARED-Studien zeigen, dass durch ein Präparat mit Vitamin C, E und Carotinoiden der Sehverlust signifikant verlangsamt werden kann. Die Wirkung ist noch deutlicher, wenn Zink das Präparat ergänzt. Zusätzlich wurde erkannt, dass v. a. Menschen mit einer mittelgradigen bis fortgeschrittenen Makuladegeneration profitieren. Gesunde und Patient:innen mit einer AMD im Frühstadium scheinen hingegen durch die Einnahme der Antioxidantien kaum messbare Vorteile zu haben. Aus diesem Grund sollten AMD-Präparate stets die geprüften Kombinationen mit Vitamin C, E, Carotinoiden und Zink in adäquater Dosierung enthalten. Dies wird auch in den offiziellen Leitlinien empfohlen.
Mit Zink und Kupfer Entzündungen im Auge unterdrücken
In einer Studie von 2009 konnte nachgewiesen werden, dass Patient:innen mit AMD im Auge sehr niedrige Zink- und Kupferspiegel aufwiesen.5 Gleichzeitig weiß man, dass eine Optimierung der Zinkwerte zu einer Verringerung des Risikos für die Entwicklung einer Makuladegeneration führt.1 Zink und Kupfer wirken antioxidativ und schützen die Netzhaut vor einer Schädigung durch freie Radikale. Expert:innen vermuten, dass Zink darüber hinaus chronische Entzündungsreaktionen in der Netzhaut unterdrückt, die wiederum eine Makuladegeneration begünstigen können. Zink wird gerne gemeinsam mit Kupfer verabreicht, um bei langanhaltender Zinkzufuhr einem Kupfermangel vorzubeugen. Laut ARED-Studien ist Zink neben den Carotinoiden die zweite unverzichtbare Komponente für die Verbesserung der Sehschärfe bei einer AMD. Eine tägliche Einnahme senkt außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung in eine Spätform übergeht.
Ungesättigte Fettsäuren – v. a. Docosahexaensäure
Die mehrfach ungesättigte Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) ist ein integraler Bestandteil von Zellmembranen und dient zum Erhalt der Zellmembranintegrität in den Photorezeptoren. Bis zu 93 % der Omega-3-Fettsäuren der Netzhaut bestehen aus DHA. Studien zeigen, dass die Supplementation von DHA das Risiko trockener AMD reduziert und den Sehverlust durch AMD verlangsamt.6
Ergänzende Supplemente
Ginkgo-biloba
Bei der Prävention und begleitenden Therapie der AMD zeigt eine Supplementierung mit Ginkgo-biloba-Extrakt gute Erfolge. Kleine Studien deuten darauf hin, dass Ginkgo durch eine langfristige Verbesserung der Durchblutung der Retina für eine erhöhte Sehschärfe sorgt. Ginkgo ist bekannt für seine durchblutungsfördernde Wirkung, verbessert die Mikrozirkulation im Auge und ermöglicht so eine bessere Versorgung der Netzhaut und auch einen leichteren Abfluss von Abbauprodukten.7 Die empfohlene Dosierung liegt bei 400–500 mg Extrakt pro Tag.
Coenzym Q10
Das Coenzym ist essenziell für die Energiebereitstellung in den Mitochondrien und hat zudem eine antioxidative Wirkung. Auch Mikronährstoffe wie Alpha-Liponsäure, Traubenkernextrakt oder Quercetin werden als effektive Faktoren gegen oxidativen Stress und mitochondriale Dysfunktionen in den Photorezeptoren eingesetzt. Erste Ergebnisse einer Studie an menschlichem Augengewebe zeigen, dass die Menge an Coenzym Q10 in der Netzhaut im Alter um durchschnittlich 40 % sinkt.8 Coenzym Q10 sollte bei einer Makuladegeneration in einer Dosis von 30–150 mg pro Tag supplementiert werden.
Rauchen ist der höchste Risikofaktor
Unabhängig von der Zusammensetzung der Nahrung oder der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gilt die uneingeschränkte Empfehlung für alle Risikopatient:innen, das Rauchen einzustellen. Außerdem sollten geeignete Schutzmaßnahmen gegen Sonnenlichtexposition getroffen werden.
Fazit
Eine gezielte Supplementierung von Mikronährstoffen kann den Fortschritt der altersbedingten Makuladegeneration, spezielle der trockenen Form, verlangsamen. Die Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen der AREDS- und AREDS2-Studien und ersetzen keine Anti-VEGF-Therapie bei feuchter AMD; in diesen Fällen ist eine individuelle augenärztliche Beratung unerlässlich.
Quellen
1 Age-Related Eye Disease Study Research Group: A randomized, placebo-controlled, clinical trial of
high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss: AREDS report no. 8. Arch Ophthalmol 2001 Oct;119(10):1417-36. DOI: 10.1001/archopht.119.10.1417. Erratum in: Arch Ophthalmol 2008 Sep;126(9):1251
2 Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group: Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration: the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial. JAMA 2013 May 15;309(19):2005-15. DOI: 10.1001/jama.2013.4997. Erratum in: JAMA 2013 Jul 10;310(2):208
3 Chew EY, et al.: AREDS2 Research Group. Long-term outcomes of adding Lutein/Zeaxanthin and ω-3 fatty acids to the AREDS supplements on age-related macular degeneration progression: AREDS2 Report 28. JAMA Ophthalmol 2022 Jul 1;140(7):692-698
4 Munch IC, et al.: Precursors of age-related macular degeneration: associations with vitamin A and
interaction with CFHY402H in the Inter99 Eye Study. Acta Ophthalmol 2016 Nov;94(7):657-62
5 Erie JC, et al.: Reduced Zinc and Copper in the Retinal Pigment Epithelium and Choroid in Age-related Macular Degeneration. Am J Opthalmol 2009;147(2):276-282.e1
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