Postgraduelles Studium

Ein historischer Moment für die österreichische Pharmazie


Mag.  Ruth Maria  Streibl, PhD


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Die Absolvent:innen des ersten Jahrgangs des Masterstudiengangs „Klinische Pharmazie“ feierten am 28. April 2026 im Festsaal der Universität Wien ihre Sponsion. © Frank Helmrich
Die Absolvent:innen des ersten Jahrgangs des Masterstudiengangs „Klinische Pharmazie“ feierten am 28. April 2026 im Festsaal der Universität Wien ihre Sponsion. © Frank Helmrich

Am 28. April 2026 schrieb die österreichische Pharmazie im Festsaal der Universität Wien ein neues Kapitel: Mit der feierlichen Sponsion der ersten Absolvent:innen des postgraduellen Masterstudiums Klinische Pharmazie wurde ein Meilenstein für die pharmazeutische Weiterbildung in Österreich gesetzt.

Von der Idee zum Studienabschluss: Wie alles begann

Das Masterstudium Klinische Pharmazie wird vom Postgraduate Center der Universität Wien unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Gerhard Ecker in enger Kooperation mit der Österreichischen Apothekerkammer durchgeführt. Es baut auf den seit Herbst 2020 laufenden Zertifikatskursen in Medikationsanalyse und Medikationsmanagement auf – Kurse, die über Jahre hinweg durchgehend ausgebucht waren und damit unverkennbar signalisierten: Hier besteht ein echter Bedarf.
Das berufsbegleitend organisierte Programm umfasst 120 ECTS über vier Semester und verbindet wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Anwendung. Inhaltlich fokussiert es auf Medikationsanalyse, Medikationsmanagement und Arzneimitteltherapiesicherheit sowie auf Spezialisierungsmöglichkeiten in ausgewählten Bereichen wie etwa der Pharmakogenetik. Abgeschlossen wird das Studium mit dem Verfassen und der Verteidigung einer Masterarbeit. Die einzelnen Module können dabei unabhängig als Zertifikatskurse absolviert und später für den Master angerechnet werden – gerade für berufstätige Apotheker:innen ein wesentlicher Vorteil.

Warum klinische Pharmazie heute unverzichtbar ist 

Wer mehr als fünf Medikamente gleichzeitig einnimmt – und das ist für viele ältere Menschen Alltag – trägt bereits ein Wechselwirkungsrisiko von über 80 % mit sich. Das kann zu 
Hospitalisierungen führen, zu Medi-
kationsfehlern, zu einer massiv reduzierten Lebensqualität. In einer Gesellschaft, die altert, in der Multimorbidität und komplexe Therapieregime zur Norm werden, ist pharmazeutische Expertise in der direkten Patientenversorgung nicht „nice to have“ – sie ist systemrelevant.

Mehr als eine Feier 

Die Sponsionsfeier selbst war mehr als eine formale Zeremonie. 20 Absolvent:innen – zwischen 27 und 57 Jahren, rund zwei Drittel aus der öffentlichen Apotheke, ein Drittel aus dem Krankenhaus – feierten an diesem Abend ihren Abschluss. In seiner Begrüßungsrede erinnerte Prof. Ecker daran, dass die Universität Wien seit 1365 der Ort ist, an dem die richtigen Fragen gestellt werden. Dass der erste Masterlehrgang Klinische Pharmazie nun in diesem Haus seinen Abschluss findet, ist mehr als Symbolik: Es ist Ausdruck des Anspruchs, dem sich alle Beteiligten verschrieben haben.
Das Studium ist berufsbegleitend und mit erheblichem Einsatz verbunden – zeitlich wie finanziell. Ein Aufwand, der den Ernst und die Motivation der Absolvent:innen eindrucksvoll unterstreicht.

Anerkennung für Pioniere

Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, Präsidiumsmitglied und Vizepräsidentin der Landesgeschäftsstelle Wien der Österreichischen Apothekerkammer, richtete in ihrer Festrede bewegende Worte an die Graduierten: „Sie sind nicht einfach Absolventinnen und Absolventen. Sie sind Pioniere der Pharmazie.“ Sie rief die Anwesenden dazu auf, sich diesen Moment nicht nur als Bild oder Urkunde zu merken, sondern das Gefühl, das in diesem Saal herrschte: „Denn was heute hier passiert, ist mehr als ein Abschluss. Es ist der Anfang für eine neue Generation von Apothekerinnen und Apothekern.“ Veränderung, so Ergott-Badawi, beginne selten laut – sie beginne mit Kompetenz, Konsequenz und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen. Prof. Ecker betonte: Klinische Pharmazie sei ein zentraler Baustein einer modernen, patientenorientierten Arzneimitteltherapie – und die erste Sponsion zeige, dass es gelungen sei, genau dafür ein akademisch anspruchsvolles und praxisrelevantes Weiterbildungsangebot zu etablieren.

Die Zukunft hat bereits begonnen

Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Jahrgangs läuft der zweite Zyklus des Masterprogramms bereits seit Oktober 2025, der nächste Start ist für Oktober 2027 geplant. Ergänzend dazu bietet das Postgraduate Center vier Zertifikatsprogramme an, die jährlich starten und für den Master angerechnet werden können: „Klinische Pharmazie – Medikationsanalyse“, „Pharmakogenetik und Medikationsmanagement“, „Medikationsmanagement und Arzneimitteltherapiesicherheit“ sowie „Mikrobiom und Medikationsmanagement“. Zusätzlich werden kompakte Micro-Credentials zu aktuellen Schwerpunktthemen angeboten – das nächste findet im Juni 2026 vollständig online statt, zum Thema Gendermedizin und Medikationsmanagement. Weitere Informationen zum Studium sind über das Postgraduate Center der Universität Wien erhältlich.

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