"Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von CureVac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird", sagte Hoerr der Deutschen Presse-Agentur.
Hoerr: "Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen"
Es war laut Hoerr vereinbart, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet. "Und das wurde jetzt über den Haufen geschmissen. Dadurch sind alle nachweislich getäuscht worden. Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen."
Hoerr vermutet hinter dem Vorgehen, dass BioNTech Patentstreitigkeiten mit CureVac umgehen will. "Die Investoren haben sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte BioNTech Strategie von Anfang an gewesen sein."
Die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hatten im März bekanntgegeben, BioNTech verlassen und eine neue Firma gründen zu wollen. Die Eheleute kündigten an, spätestens Ende 2026 auszuscheiden. In dem neuen Unternehmen möchten sich die beiden Mediziner der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis widmen, hieß es.
Nun will das Management von BioNTech mehrere Standorte schließen – darunter auch Einrichtungen von Curevac. Nach Angaben des Unternehmens sind rund 820 frühere CureVac-Beschäftigte betroffen. Der Tübinger Standort soll bis Ende 2027 aufgegeben werden. Begründet wurden die Pläne mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Auch andere Standorte sollen geschlossen werden.
Weltweiter Erfolg in der Corona-Pandemie
Das Biopharmaunternehmen BioNTech entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Auch CureVac forscht seit Jahren an der mRNA-Technologie. Die Tübinger galten einst neben BioNTech und anderen als einer der Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs.
Doch im Gegensatz zu BioNTech, das erfolgreich war und Milliarden mit seinem Vakzin verdiente, kam es bei den Schwaben zu Problemen: Das Unternehmen zog seinen ersten Impfstoffkandidaten wegen einer vergleichsweise geringen Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurück, in der Folge gab es auch Patentstreitigkeiten zwischen CureVac und BioNTech.
APA