Ausbauziel von 300 Primärversorgungseinheiten bis 2030 in Reichweite

Primärversorgung gewinnt weiter an Dynamik

 

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Im Mittelpunkt standen sowohl der weitere Ausbau der Primärversorgungseinheiten (PVE) als auch deren qualitative Weiterentwicklung. Einig waren sich die Teilnehmer:innen, dass es künftig mehr Primärversorgungseinheiten, starke Einzelordinationen und eine noch engere Zusammenarbeit der Gesundheits- und Sozialberufe braucht, um die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung nachhaltig zu sichern.

Ausbauziel 2030 in Reichweite

Aktuell gibt es österreichweit 116 Primärversorgungseinheiten. Die regionalen Strukturpläne Gesundheit sehen bereits 257 Standorte bis 2030 vor. Das gemeinsame Ziel von Bund, Ländern und Sozialversicherung sind 300 Primärversorgungseinheiten bis zum Ende des Jahrzehnts.

Gesundheitsministerin Korinna Schumann unterstrich die Bedeutung der Primärversorgung für die Gesundheitsreform: „Die Primärversorgung bleibt für mich eine klare Priorität. Sie wirkt dort, wo Menschen Versorgung brauchen – frühzeitig, wohnortnah, verlässlich und im Team.“ Die Ministerin verwies auf die bisherige Unterstützung durch Mittel aus dem europäischen Aufbau- und Resilienzplan sowie die Finanzierung über den Gesundheitsreformfonds: „Die erfolgreich umgesetzten Projekte haben wichtige Impulse gesetzt und den Ausbau entscheidend unterstützt. Darauf können wir jetzt aufbauen. Nun gilt es, diesen Weg konsequent fortzusetzen.“
Auch Jan Pazourek vom Dachverband der Sozialversicherungsträger zeigte sich optimistisch: „Die 300 Primärversorgungseinheiten bis 2030 sind keine Utopie. Die Dynamik der vergangenen Jahre zeigt, dass dieses Ziel erreichbar ist.“ Gleichzeitig betonte er, dass Primärversorgungseinheiten und Einzelordinationen einander ergänzen: „Wir werden auch künftig starke Einzelordinationen brauchen. Primärversorgungseinheiten schaffen durch die Zusammenarbeit mehrerer Gesundheits- und Sozialberufe einen zusätzlichen Mehrwert für Patientinnen und Patienten.“

Versorgung dort, wo Menschen sie brauchen

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich und Moderator der Diskussion, verwies ebenfalls auf die starke Dynamik der vergangenen Jahre: „Wir sehen eine unaufhaltsame Entwicklung der Primärversorgung. Die zentrale Frage ist nun, wie es gelingt, die Primärversorgung sowohl quantitativ als auch qualitativ weiterzuentwickeln und damit die Versorgung der Bevölkerung nachhaltig zu stärken.“

Wie die Primärversorgung in der Praxis funktioniert, schilderte Angelika Grand-Fous, Gründerin des Primärversorgungszentrums St. Pölten Süd. Ihr Zentrum bietet an 365 Tagen im Jahr Versorgung an. „Es geht nicht um Konkurrenz zwischen Einzelordinationen und Primärversorgungseinheiten. Wenn die Einzelordination geschlossen hat, sollte eine Primärversorgungseinheit offen haben. Wenn ein Kind um 18.50 Uhr fiebert, dann sind wir da“, so Grand-Fous. Gerade die kontinuierliche Betreuung und die enge Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen seien wesentliche Stärken der Primärversorgung.

Auch Florian Hengl, Vorsitzender des Landesstellenausschusses der Österreichischen Gesundheitskasse in Niederösterreich, betonte die Bedeutung gemeinsamer Lösungen: „Dem Patienten ist letztlich egal, welche Organisation die Versorgung anbietet. Wichtig ist, dass er rasch und nach bestem Standard versorgt wird. Nur gemeinsam werden wir den Gesundheitsstandort Österreich weiterentwickeln können.“

Ausbildung, Kompetenzen und Teamarbeit stärken

Ein zentrales Thema war die stärkere Zusammenarbeit unterschiedlicher Gesundheits- und Sozialberufe. Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis betonten, dass moderne Primärversorgung nur durch multiprofessionelle Teams gelingen kann. Diese ermöglichen eine umfassende Betreuung – medizinisch, pflegerisch, therapeutisch und psychosozial.

Barbara Wondrasch, Leiterin des Departments Gesundheit an der University of Applied Sciences St. Pölten, hob die Bedeutung von Ausbildung und Qualifizierung hervor: „Wenn wir die Primärversorgung nachhaltig stärken wollen, müssen wir auch die Kompetenzen jener Menschen weiterentwickeln, die dort arbeiten.“ Gute Zusammenarbeit entstehe dort, wo Gesundheitsberufe die Arbeit und Kompetenzen der jeweils anderen Berufsgruppen kennen und verstehen. Interprofessionelle Ausbildungsangebote seien dafür eine wichtige Grundlage.

Aus Sicht der Pflege verwies Karin Enzlmüller, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin im PVE Linz-Süd, auf die Potenziale der Gesundheitsberufe: „Wir müssen nicht immer neue Kompetenzen schaffen. Wir müssen den Mut haben, jene Kompetenzen zu nutzen, die Pflegepersonen bereits besitzen und gesetzlich ausüben dürfen.“ Die Perspektive der jungen Generation brachte Karina Schweiger, Vertreterin der jungen Allgemein- und Familienmedizin, ein. Sie betonte die Bedeutung von Ausbildung und Lehrpraxis: „Wenn wir die Primärversorgung stärken wollen, dann muss die Ausbildung konsequent mitgedacht werden."

Plattform Primärversorgung als Vernetzungsdrehscheibe

Das Mitgliedertreffen der Plattform Primärversorgung brachte rund 200 Interessierte aus Praxis, Wissenschaft, Gesundheitsberufen, Sozialversicherung und Politik zusammen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Plattform Primärversorgung der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) in Kooperation mit dem NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS), der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie der University of Applied Sciences St. Pölten.
Die Plattform Primärversorgung unterstützt den Ausbau und die Weiterentwicklung der Primärversorgung in Österreich durch Vernetzung, Information, Qualifizierung und Wissenstransfer. Das Mitgliedertreffen zeigte einmal mehr: Die Primärversorgung hat sich als zentrale Säule eines modernen Gesundheitssystems etabliert. Nun gilt es, die hohe Dynamik der vergangenen Jahre zu nutzen, um den Ausbau weiter voranzutreiben und gleichzeitig die Zusammenarbeit, Qualität und Attraktivität der Versorgung weiter zu stärken.

Weiterlesen: https://primaerversorgung.gv.at/

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