Bei den Gallenblasen- und Gallengangkarzinomen handelt es sich um seltene, aggressive Krebsarten. Ein Viertel der Erkrankten tragen Zellen mit dem Biomarker HER2. Diese HER2-positiven Patient:innen haben eine schlechtere Prognose als die mit einer HER2-negativen Erkrankung. Mit Ziihera® ist nun eine Monotherapie verfügbar, die bei vorbehandelten Erwachsenen mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positivem biliärem Karzinom eingesetzt werden kann.
Hier gehts zur Fortbildung
Dualer, HER2-gerichteter bispezifischer Antikörper
Zanidatamab ist ein bispezifischer Antikörper, der auf das Protein HER2 auf den Krebszellen abzielt. Der Wirkstoff bindet gleichzeitig an zwei Stellen des Proteins: an die extrazellulären Domänen 2 und 4 auf separaten HER2-Monomeren. Das führt zur Internalisierung der Antikörper-Rezeptor-Komplexe und somit zu einer Reduzierung des HER2-Rezeptors auf der Zelloberfläche. Zanidatamab induziert zudem eine komplementabhängige und eine antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität und eine antikörperabhängige zelluläre Phagozytose. Diese Mechanismen führen zu einer Hemmung des Tumorwachstums und zum Absterben der Tumorzellen.
Die empfohlene Dosis von 20 mg/kg Körpergewicht wird alle zwei Wochen als intravenöse Infusion verabreicht, bis die Krankheit fortschreitet oder inakzeptable Toxizität auftritt. Die ersten beiden Infusionen werden über einen Zeitraum von 120 bis 150 Minuten verabreicht. Wurden diese gut vertragen, können die dritte und vierte Infusion
schneller (90 Minuten) infundiert werden. Nachfolgende Infusionen können dann auf 60 Minuten reduziert werden.
Vor jeder Infusion sollte eine Prämedikation mit einem Corticosteroid, Antihistaminikum und Antipyretikum verabreicht werden, um infusionsbedingte Reaktionen zu vermindern. Die Patient:innen sind während der Verabreichung und nach Abschluss der Infusion auf entsprechende Anzeichen und Symptome zu überwachen.
Lunge und Herz überwachen
Arzneimittel, die die HER2-Aktivität hemmen, führen zu linksventrikulären Funktionsstörungen, so auch Zanidatamab. Die Funktion des linken Herzventrikels muss zu Beginn und in regelmäßigen Abständen während der Behandlung beurteilt werden. Bei linksventrikulärer Funktionsstörung wird die Dosis angepasst. Auch Pneumonitis wurde bei Arzneimitteln berichtet, die die HER2-Aktivität hemmen. Daher sollten die Patient:innen auf Anzeichen und Symptome einer Pneumonitis überwacht werden. Bei einer bestätigten Pneumonitis ab Grad 2 ist die Behandlung dauerhaft abzusetzen.
Sehr häufige Nebenwirkungen sind Diarrhoe, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Appetitmangel, Ausschlag, Anämie, auffällige Leberfunktion. Gelegentliche Nebenwirkungen betreffen vor allem Symptome im Brustbereich, z. B. trockener Husten oder Atemlosigkeit.
Embryotoxisch
Zanidatamab kann den Fötus schädigen, wenn es bei Schwangeren angewendet wird. Patientinnen sollten darauf hingewiesen werden, während der Anwendung von Ziihera® eine Schwangerschaft zu vermeiden. Vor Therapiebeginn sollte eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.
Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ziihera® und für vier Monate nach der letzten Dosis zuverlässig verhüten. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob die Frau das Stillen unterbricht oder ob auf die Behandlung mit dem neuen Antikörper verzichtet wird.
Ziihera®
Wirkstoff
Zanidatamab, HER2-Inhibitor (Antikörper); antineo-plastisch
Darreichungsform
Pulver zur Herst. einer Infusionslösung
Indikation
Monotherapie des inoperablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten HER2-positiven (IHC 3+) biliären Karzinoms nach mindestens einer systemischen Vortherapie
Dosierung und Art der Anwendung
Erwachsene: 20 mg/kg KG i.v. alle 14 Tage bis Progression oder inakzeptabler Toxizität.
Prämedikation mit Corticosteroid, Antihistaminikum und Antipyretikum 30–60 min vor jeder Infusion empfohlen.
Dosisanpassung/-unterbrechung bei schweren NW.
Nur als i.v. Infusion; nicht als Bolus-/Druckinjektion.
Infusionsdauer: 1. und 2. Infusion 120–150 min, bei guter Verträglichkeit 3. und 4. Infusion 90 min bzw. 60 min (ab 5. Infusion).
Warnhinweise
Überwachen auf infusionsbedingte Reaktionen, Kontrollen: Herz (LVEF), Lunge (Pneumonitis)
Schwangerschaft und Stillzeit
Kontraindiziert, weil embryotoxisch. Vor Therapiebeginn Schwangerschaft ausschließen! Bis 4 Monate nach Therapieende zuverlässige Kontrazeption erforderlich. In der Stillzeit bis 4 Monate nach Therapieende nicht anwenden.
Nebenwirkungen
Ermüdung/Fatigue, Magen/Darm, verminderter
Appetit, Herz (LVEF erniedrigt), Anämie, infusionsbedingte Reaktionen, Pneumonitis, Leberenzymanstieg, Ausschlag
Zulassungsstudie
Ziihera® ist bedingt zugelassen aufgrund der offenen, einarmigen Phase-IIb-Studie ZWI-ZW25-203 (Studie 203) an 62 Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem biliären Karzinom. Ihre Erkrankung war nach mindestens einer Chemotherapie mit Gemcitabin fortgeschritten oder sie sprachen auf die Therapie nicht mehr an. Sie erhielten alle zwei Wochen Zanidatamab in einer Dosis von 20 mg/kg intravenös. Primärer Endpunkt war die bestätigte objektive Ansprechrate (cORR).
Die cORR lag nach 34 Monaten bei 52 % (32 Patient:innen), wobei drei (4,8 %) eine vollständige Remission und 46,8 % (29 Patient:innen) partielle Remissionen erreichten. Der sekundäre Endpunkt, die Dauer des Ansprechens (Duration of Response, DoR) lag im Median bei 14,9 Monaten.
Quellen
• Austria Codex Fachinformation Ziihera®
• Europäischer Beurteilungsbericht zu Ziihera®