Die Anfertigung magistraler Rezepturen gehört zu den traditionsreichsten und zugleich verantwortungsvollsten Aufgaben im Berufsbild der Apotheker:innen. Gerade in der Dermatologie zeigt sich der Wert individuell hergestellter Arzneimittel besonders deutlich: Die Nachfrage nach maßgeschneiderten Dermatika steigt kontinuierlich an – vor allem dann, wenn keine geeignete Fertigarzneispezialität zur Verfügung steht. Die optimale Versorgung von Patient:innen mit Hauterkrankungen erfordert dabei nicht nur pharmazeutische Expertise und handwerkliches Können, sondern auch die enge Zusammenarbeit zwischen Apotheker:innen und Dermatolog:innen. Nur im Dialog zwischen beiden Berufsgruppen können ärztliche Diagnose und individuelle Therapiekonzepte optimal in sichere, wirksame Rezepturen umgesetzt werden.
Von A bis Z: Umfassende Wirkstoff- und Grundlagenübersicht
Mit dem neuen Kompendium „Dermatologische Wirkstoffe und Salbengrundlagen der Österreichischen Arzneitaxe“ erhalten Apotheker:innen nun ein fundiertes Nachschlagewerk, das die tägliche Arbeit im Labor erleichtern und die Qualität magistraler Zubereitungen weiter steigern soll. Das Werk gliedert sich in fünf Hauptkapitel: Den ersten Teil bilden Monografien zu 110 dermatologischen Wirkstoffen von Aciclovir bis Zinkoxid. Jede Monografie enthält neben Synonymen und galenischen Eigenschaften vor allem praxisrelevante Informationen wie therapeutische Konzentrationen, kompatible pH-Bereiche, Inkompatibilitäten sowie Hinweise zu Lagerung und Stabilität.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Salbengrundlagen: Nach einer übersichtlichen Gesamtdarstellung aller Grundlagen der Österreichischen Arzneitaxe werden 24 industrielle sowie 43 offizinale und magistrale Grundlagen detailliert beschrieben. Zu jeder Grundlage finden sich Informationen über Zusammensetzung, Inhaltsstoffe, Emulgatoreigenschaften und – besonders wertvoll für die Praxis – umfangreiche Kompatibilitätstabellen, die auf einen Blick zeigen, welche Wirkstoffe in welchen Konzentrationen kombinierbar sind.
Fehlerquellen erkennen und vermeiden
Das Kapitel „Inkompatibilitäten in magistralen Rezepturen“ widmet sich systematisch den häufigsten Fehlerquellen wie ionischen Wechselwirkungen, Interaktionen von Phenolen mit PEG-haltigen Hilfsstoffen und Cellulosederivate sowie problematischen Kombinationen oberflächenaktiver Substanzen mit Emulgatoren und thematisiert die Folgen unsachgemäßer Kombinationen verschiedener Salbengrundlagen. Ergänzt wird das Werk durch detaillierte Herstellungsanweisungen für Hydrogele auf Basis von Carbomeren, Celluloseethern und Poloxameren.
Praktischer Nutzen für den Apothekenalltag
Das Kompendium soll Unsicherheiten bei der Auswahl von Wirkstoffen und Grundlagen minimieren und bietet mit seinen Kompatibilitätstabellen, pH-Bereichen und Konzentrationsvorgaben konkrete Entscheidungshilfen für die tägliche Rezepturarbeit. Ein besonderer Service: Im Anhang findet sich ein umfassendes Synonym-Verzeichnis sowie ein Herstellungsprotokoll, das auch online auf der Website der Apothekerkammer verfügbar ist.
Verfasst wurde das Werk von der Pharmazeutischen Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer in Zusammenarbeit mit dem Expertenteam der ÖGDV (Dr. Manfred Fiebiger und Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger). Feedback und Anregungen nimmt die pharmazeutische Abteilung unter pharmabt@apothekerkammer.at gerne entgegen.