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Herausforderungen bei kindlichen Schlafstörungen

Mag. pharm.

Anna Maria

Schneider

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Kind am einschlafen © iStock
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Schlafprobleme, vor allem Ein- und Durchschlafstörungen, treten bei Kindern aller Altersgruppen auf. Manche Kinder werden jedoch auch von Nachtschreck, Schlafwandeln, Albträumen, Atemaussetzern oder Einnässen geplagt.


Schlechte Gewohnheiten und organische Ursachen

Nicht-organische Schlafstörungen und Störungen des zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus entstehen meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Aufregende Aktivitäten am Abend, unregelmäßige oder späte Mahlzeiten, der Konsum von Energydrinks, zu wenig Bewegung oder tagsüber eingelegte Schlafphasen begünstigen die Schlafprobleme. Bei Schulkindern und Jugendlichen können zusätzliche Belastungen wie schulischer Druck, Spannungen im Elternhaus oder Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen hinzukommen. Dieser emotionale Ballast kann innere Konflikte und Anspannung hervorrufen und dadurch das Ein- und Durchschlafen erschweren.1
Es gibt zudem organische und neurobiologische Ursachen, die häufig schwieriger zu behandeln sind und die Schlafqualität nachhaltig beeinträchtigen können. Unter den möglichen Gründen finden sich unter anderem chronische Schmerzen, obstruktive Schlafapnoe sowie neurologische und gastrointestinale Erkrankungen, wobei noch weitere Faktoren beteiligt sein können. Besonders bei Kindern können verengte Atemwege den Schlaf erheblich stören; eine gezielte Abklärung durch eine HNO-ärztliche Untersuchung ist in solchen Fällen sinnvoll. Darüber hinaus gehen neuroentwicklungsbedingte Auffälligkeiten wie AD(H)S und Autismus-Spektrum-Störungen sowie seltene genetische Erkrankungen, etwa das Smith-Magenis-Syndrom, nicht selten mit ausgeprägten Schlafproblemen einher und sollten im Rahmen einer umfassenden diagnostischen Betrachtung berücksichtigt werden.



Wie findet man die Auslöser?


In der Apotheke steht das Gespräch mit den Betreuungspersonen und eventuell auch den Kindern oder Jugendlichen im Vordergrund. Durch die Analyse von Schlafroutinen und alltäglichen Abläufen können bereits erste Rückschlüsse auf potenzielle Ursachen gezogen werden.



Bildschirmnutzung bei Kindern 

Bereits jedes zweite Kind im Alter von drei Jahren nutzt täglich bis zu eine Stunde digitale Endgeräte, jedes siebte Kind sogar mehr als eine Stunde. Drei von vier Jugendlichen verwenden ihr Smartphone noch in den letzten zehn Minuten vor dem Einschlafen. Diese weit verbreitete Praxis spiegelt einen generellen Trend wider, in dem Bildschirmzeit in nahezu allen Altersgruppen stetig zunimmt.2,3 Es konnte jedoch gezeigt werden, dass eine Reduktion der Bildschirmzeit, vor allem in den Abendstunden, mit einer Verbesserung der Schlafdauer und -qualität assoziiert ist.4

Kind am Handy © Shutterstock
Eine Reduktion der Bildschirmzeit, vor allem in den Abendstunden, führt zu einer Verbesserung der Schlafdauer und Schlafqualität. © Shutterstock



Schlafhygiene


Verhaltenstherapeutische Maßnahmen stellen bei den meisten kindlichen Ein- und Durchschlafstörungen die Therapie der ersten Wahl dar. Feste Abendroutinen und ruhige Aktivitäten stimmen sowohl Kinder als auch Erwachsene auf die Nacht ein. Konsistente Bettzeiten, auch an den Wochenenden, können helfen, die positiven Effekte zu verstärken. Zudem können Einschlafrituale wie Entspannungs- und Atemübungen, Massagen oder beruhigende Geschichten genutzt werden, um den Tag ausklingen zu lassen. 
Tagsüber fördert ausreichende körperliche Aktivität, idealerweise bei Tageslicht, die zirkadiane Rhythmik. Wenn Körper und Geist tagsüber ausgelastet wurden, ist der Grundstein für einen guten Nachtschlaf bei gesunden Kindern bereits gelegt.5



Wenn Schlafhygiene nicht mehr reicht

Es stehen eine Vielzahl an Nahrungsergänzungsmitteln und phytotherapeutischen Präparaten zur Verfügung, um den Schlaf zu beeinflussen. Aus der Pflanzenwelt werden insbesondere Baldrian (Valeriana officinalis), Hopfen (Humulus lupulus), Melisse (Melissa officinalis) und Passionsblume (Passiflora incarnata) aufgrund ihrer potenziell beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften eingesetzt. Zubereitungen aus diesen Pflanzen sind in unterschiedlichen Kombinationen und Darreichungsformen erhältlich. Häufig werden zudem „Gute-Nacht-Tees“ oder ätherische Öle eingesetzt. Die Teemischungen enthalten oft Baldrianwurzel, Melissenblätter, Passionsblumenkraut, Hopfenzapfen oder Kamillenblüten. Ätherische Öle wie Lavendel-, Orangen- oder Melissenöl werden vorwiegend inhalativ oder dermal angewendet und gelten als potenziell anxiolytisch und leicht sedierend. Bei Kindern ist jedoch Vorsicht geboten, da insbesondere Hautirritationen oder bronchiale Reizungen auftreten können. Für viele dieser Präparate fehlen zudem robuste klinische Studien sowie standardisierte, altersgerechte Darreichungsformen. Neben pflanzlichen Ansätzen können auch Mineralstoffe eine unterstützende Rolle beim Einschlafen spielen. So wird Magnesium aufgrund seiner muskelentspannenden und nervenberuhigenden Eigenschaften häufig als förderlich für das nächtliche Einschlafen angesehen.

Melatonin in der pädiatrischen Versorgung


Melatonin ist ein endogenes Hormon, das wesentlich an der Steuerung des zirkadianen Rhythmus beteiligt ist. Kontrollierte Studien zeigen einen Nutzen von exogen zugeführtem Melatonin 
insbesondere bei Kindern mit zirkadianen Rhythmusstörungen (z. B. verzögerte Schlafphasensyndrome) sowie bei bestimmten neuroentwicklungsbedingten Erkrankungen, vor allem bei Autismus-Spektrum-Störungen. Für ausgewählte Indikationen stehen zugelassene, retardierte Formulierungen zur Verfügung.6 
Melatonin-haltige Präparate sind in zahlreichen Darreichungsformen verfügbar, darunter Tabletten, Kapseln, Gummiformulierungen, Säfte und orale Sprays. Für Kinder sind freiverkäufliche Präparate teilweise bereits mit sehr niedrigen Dosierungen (z. B. ab 0,5 mg Melatonin) erhältlich. Die Auswirkungen, insbesondere bei einer längerfristigen Anwendung, sind in dieser Altersgruppe jedoch unzureichend erforscht. Die Gummiformulierungen bergen das Risiko, dass sie verharmlost und wie eine Süßigkeit mit nettem Nebeneffekt (guter Schlaf) betrachtet werden. Ein weiteres Problem betrifft die teilweise unklare Qualität und Dosierung frei verkäuflicher Produkte.
Melatonin hat jedoch durchaus seinen Platz in der pädiatrischen Praxis, es wird in der Regel jedoch erst dann eingesetzt, wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen keine ausreichende Wirksamkeit gezeigt haben oder ein klarer zirkadianer Ursprung der Schlafstörung erkennbar ist.6 In diesem Fall sollte dann zu standardisierten Formulierungen gegriffen werden.7  

Insgesamt zeigt sich, dass ein individuell angepasstes Vorgehen der Schlüssel zu gesunden Schlafgewohnheiten bei Kindern ist. Eine Kombination aus frühzeitiger Erkennung, stabilen Tages- und Schlafroutinen, verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und gezieltem Einsatz von pflanz-lichen oder pharmakologischen Präparaten ermöglicht es, die Schlafqualität nachhaltig zu verbessern.

Quellen
 1   Neurologen und Psychiater im Netz:  https://www.neurologen-
und-psychiater-im-netz.org/; abgerufen am 18. Nov 2025
2   Zu viel Bildschirmzeit bringt Kinder um den Schlaf.  
https://nachrichten.idw-online.de/2025/02/20/zu-viel-bildschirmzeit-bringt-kinder-um-den-schlaf; abgerufen am 18. Nov 2025
3   OECD. How's Life for Children in the Digital Age? (2025); 
OECD Publishing
4   Hale L, Guan S: Screen time and sleep among school-aged children and adolescents: a systematic literature review. 
Sleep Med Rev 2015; 21:50–8
5   Janssen X, et al.: Associations of screen time, sedentary time and physical activity with sleep in under 5s: A systematic review and meta-analysis. Sleep Med Rev 2020; 49:101226

Weitere Literatur auf Anfrage

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