
Die Indikationserweiterung für den Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) basiert auf den Ergebnissen der CABINET-Studie, der bislang einzigen Phase-III-Studie, die keine Einschränkungen beim Einschluss von Primärlokalisationen der NET vornahm.1,2 Damit steht nun erstmals eine evidenzbasierte, zielgerichtete Systemtherapie zur Verfügung, die unabhängig von Primärlokalisation, NET-Grading, Somatostatinrezeptor-(SSTR)-Status, Funktionalität und Art der Vortherapie# bei allen vorbehandelten NET-Patient*innen# eingesetzt werden kann.
CABINET-Studie: Bedeutende Reduktion des Progressionsrisikos und konsistente Verträglichkeit
Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie CABINET wurde in zwei unabhängigen Kohorten durchgeführt und untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cabozantinib im Vergleich zu Placebo bei insgesamt 298 Patient*innen mit fortgeschrittenen pNETund epNET, die einen Progress oder eine Intoleranz gegenüber mindestens einer systemischen Vortherapie# hatten.1,2 In der pNET-Kohorte war das Progressionsrisiko unter Cabozantinib gegenüber Placebo um 77 % reduziert (Hazard Ratio [HR] 0,23; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0,12–0,42; p<0,0001) und das mPFS um rund das Dreifache verlängert (13,8 Monate vs. 4,4 Monate). Auch in der epNET-Kohorte zeigte sich ein bedeutender Unterschied: Das Risiko für einen Progress war im Cabozantinib-Arm um 62 % geringer als im Kontrollarm (HR 0,38; 95 %-KI: 0,25–0,59; p<0,0001). Das mPFS betrug in dieser Subgruppe 8,4 Monate unter Cabozantinib vs. 3,9 Monate unter Placebo. Die Ergebnisse (PFS und objektive Ansprechrate, ORR) wurden durch eine retrospektive unabhängige zentrale radiologische Überprüfung (BICR) bestätigt. Die Tumorkontrollrate° lag bei 80 % in der pNET-Kohorte und bei 70 % in der epNET-Kohorte – bei gleichzeitig sehr niedriger Rate von Patient*innen, die nicht angesprochen haben.
Das Sicherheitsprofil von Cabozantinib entsprach dem aus anderen Indikationen bekannten Muster. Neue Sicherheitssignale wurden nicht beobachtet, was den Einsatz der Therapie zusätzlich unterstützt. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) blieb unter Cabozantinib im Vergleich zu Placebo stabil, zudem zeigte sich in Analysen patientenberichteter Daten eine Verbesserung des Allgemeinzustands.1,3
Zulassung wird durch international führende NET-Expertin begrüßt
„Die CABINET-Studie markiert den nächsten bedeutsamen Meilenstein in der NET-Therapie“, erklärt Prof. Dr. Marianne Pavel, Leiterin des Schwerpunkts Endokrinologie und Diabetologie und des ENETS Center of Excellence am Uniklinikum Erlangen. „Besonders bemerkenswert ist das breite Patientenkollektiv, was den Ursprungsort der NET und die Proliferationsrate angeht. Für Betroffene bedeutet die neue Zulassung eine wertvolle zusätzliche Option – insbesondere in klinisch schwierigen Situationen mit limitierter Therapieauswahl, beispielsweise bei Lungen-NET, höherproliferativer Erkrankung oder Patient*innen mit negativem Somatostatinrezeptor-Status.“
Neue Perspektiven für ein komplexes Krankheitsbild
NET zählen zu den seltenen Tumorerkrankungen mit zunehmender Inzidenz, heterogenem Erscheinungsbild und oft unspezifischer Symptomatik.5-7 Die Diagnose erfolgt häufig verspätet – nicht selten erst im metastasierten Stadium. Die systemische Therapieplanung ist zudem aktuell stark abhängig von biologischen und klinischen Parametern wie Primärlokalisation, Grading, SSTR-Status, Funktionalität oder Art der Vortherapie. Für bestimmte Entitäten wie Lungen-NET, die etwa 27 % aller NET-Fälle ausmachen, existierten bislang nur begrenzte evidenzbasierte Therapieoptionen.8,9 Mit der Zulassung von Cabozantinib steht nun eine flexible und praktikable Systemtherapie zur Verfügung, die viele dieser Einschränkungen überwindet.
„Die Komplexität bei der Wahl der richtigen Therapie und die begrenzten Optionen bei Progress bedeuten für Patient*innen eine enorme Belastung “, wie Dr. Sybill Hessler, Medical Director DACH bei Ipsen, erklärt. „Durch die Zulassung vereinfacht Cabozantinib erstmals die Therapieentscheidung und stellt eine zusätzliche Option mit nachgewiesener Wirksamkeit bei Progression zur Verfügung – insbesondere für herausfordernde Subgruppen, für die bislang kaum oder gar keine Behandlungsalternativen existierten.“
Die orale Gabe, die flexible Dosierbarkeit und die gute Integrierbarkeit in bestehende Therapiestrategien erleichtern den Einsatz von Cabozantinib im klinischen Alltag. Durch das bekannte Sicherheitsprofil – gestützt durch jahrelange Erfahrungen in anderen onkologischen Indikationen§ – lässt sich Cabozantinib rasch in die Versorgung integrieren.
Ziel dieser Behandlungsoption ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verzögern und dabei die Lebensqualität der Patient*innen zu erhalten – eine Anforderung, die angesichts der chronischen Natur fortgeschrittener NET besonders relevant ist.