Sommer, Sonne – Ohrenschmerzen?

Badeotitis

Mag. pharm. Melina Nußbaum

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Badeotitis (Otitis externa) ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs und tritt gehäuft in den Sommermonaten, besonders nach dem Schwimmen auf, weshalb sie auch als „Swimmer’s Ear“ bekannt ist. In der Apotheke spielt sie vor allem bei der Beratung zu leichten Ohrenschmerzen und im Kontext der Reiseapotheke eine wichtige Rolle.

Was ist Badeotitis? 

Typische Symptome bei Badeotitis sind Juckreiz im Gehörgang, Ohrenschmerzen, verstärkt bei Druck oder Bewegung, Rötung und Schwellung des Gehörgangs, Sekretion (klar bis eitrig), in schweren Fällen: Hörminderung.

Es handelt sich um eine Entzündung der Haut des äußeren Gehörgangs, die meist durch Bakterien, wie Pseudomonas aeruginosa oder Staphylococcus aureus, verursacht wird. Seltener können auch Pilze beteiligt sein. Der äußere Gehörgang verfügt über ein leicht saures Milieu mit einem pH-Wert von etwa 5 bis 6. Cerumen dient zusätzlich als natürliche Schutzbarriere gegen Keime. Wiederholter Wasserkontakt, aufgeweichte Haut und Mikroverletzungen, etwa durch Wattestäbchen, stören dieses Gleichgewicht und begünstigen die Entstehung einer Otitis externa.

Abzugrenzen ist die Otitis externa von der Otitis media, der Mittelohrentzündung. Während Letztere meist eine Mischinfektion von Bakterien und Viren ist und im Rahmen von Atemwegsinfekten auftritt, ist die akute unkomplizierte Badeotitis lokal begrenzt.

Warum manche häufiger betroffen sind

Nicht jede Person, die regelmäßig schwimmt, entwickelt eine Badeotitis. Eine zentrale Rolle spielt die Haut­barriere: Menschen mit trockener oder empfindlicher Haut haben häufiger kleine Mikroverletzungen, durch die Keime leichter eindringen können. Darüber hinaus beeinflussen anatomische Faktoren, wie ein enger oder gekrümmter Hörgang, die Neigung zu Feuch­tigkeitsstau. Kinder sind besonders häufig betroffen, da ihr Gehörgang anatomisch enger ist und Wasser schlechter abfließen kann.

Auch Menge und Zusammensetzung des Cerumens variieren individuell. Es wirkt als Schutzschicht leicht sauer und antibakteriell. 

So spielen vor allem die individuelle Anatomie und das Ohrmikrobiom eine entscheidende Rolle dafür, wie gut sich krankmachende Bakterien ansiedeln können.

Risikofaktoren 

Ein wichtiger Risikofaktor, wie der Name Badeotitis erahnen lässt, ist ­häufiges Schwimmen. Insbesondere warmes Wasser bzw. feucht-warmes Klima begünstigt Bakterien- und Pilzwachstum, während Chlorwasser durch Entfettung der Haut die Bar­rierefunktion der Haut beeinträchtigen kann. Weitere Risikofaktoren sind mechanische Reizung, etwa durch Ohrstöpsel oder Wattestäbchen. Auch das Tragen von In-Ear-Kopfhörern kann ein feucht-warmes Milieu fördern und so das Risiko für eine Otitis externa erhöhen.

Symptome richtig einordnen: wann zum Arzt/zur Ärztin? 

Eine ärztliche Abklärung sollte erfolgen bei:
• Starken Schmerzen/Fieber
• Ausgeprägter Schwellung
• Beschwerden über mehrere Tage ohne Besserung
• Risikopatient:innen mit z. B. Diabetes mellitus, Immunsuppression
• Verdacht auf Ausbreitung der Infektion

Therapie der Otitis externa

Bei der unkomplizierten Otitis externa stehen Prävention und die lokale ­Therapie im Vordergrund. Ziel ist es, das feucht-warme Milieu zu reduzieren und die Keimlast zu senken.

Präventiv stehen einfache Maßnahmen im Vordergrund: 
• Ohren nach dem Baden gut ­trocknen, etwa durch vorsichtiges Abtrocknen oder Föhnen auf ­niedriger Stufe mit ausreichend Abstand
• Verzicht auf Wattestäbchen, um mechanische Reizung, Mikroverletzungen und Störungen des Hautschutzes zu vermeiden
• Verwendung von speziell gut sitzenden, wasserdichten Ohrstöpseln, die das Eindringen von Wasser und Keimen verhindern
• Ansäuernde Tropfen, um das natürliche Milieu aufrechtzuerhalten

Ohrentropfen sollten am besten handwarm angewendet werden, da kalte Lösungen kurzfristig eine vestibuläre Reizung im Gehörgang, einhergehend mit Schwindel, verursachen können. Körperwarme Tropfen sind besser verträglich und verteilen sich zudem gleichmäßiger. Am besten legt man sich nach dem Eintropfen drei bis fünf Minuten auf die Seite, damit sich die Tropfen (meist fünf Tropfen) gut im Gehörgang verteilen. Mehr hilft nicht immer mehr; zu häufige Anwendung von Ohrentropfen kann die Haut reizen und den Heilungsprozess verzögern.

Kommt es trotz präventiver Maßnahmen zu Beschwerden, stehen in der Selbstmedikation mehrere Optionen zur Verfügung. Ansäuernde Ohrentropfen mit Essigsäure unterstützen die Stabilisierung des physiologischen pH-Werts. Antiseptische Präparate mit Isopropanol hemmen das bakterielle Wachstum und fördern die Verdunstung verbliebener Feuchtigkeit. Auch pflegende Inhaltsstoffe wie Dexpanthenol oder Glycerin zur Unterstützung der Barrierefunktion werden eingesetzt. Glycerin wirkt hygroskopisch, entzieht der Umgebung Wasser und stabilisiert dadurch das Milieu. Lidocain als Lokalanalgetikum wirkt schnell bei Juckreiz und Schmerzen.

Bei starken Schmerzen und Entzündungen können orale Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol verwendet werden. Treten jedoch zu­nehmende oder ausgeprägte Beschwerden auf, sollte frühzeitig ein Arzt/
eine Ärztin konsultiert werden, um eine ernsthafte Infektion rechtzeitig zu ­erkennen und zu behandeln.
Beratungshinweis: Ohrentropfen sollten nicht angewendet werden, wenn ein Verdacht auf eine Trommelfellperforation besteht – das heißt, falls nach einem stechenden Schmerz plötzlich eine Hörminderung, Ausfluss oder Ohrgeräusche (Tinnitus) auftreten.

Literatur und Leitlinien empfehlen als First-line-Therapie Ohrentropfen mit antimikrobieller oder antiseptischer Wirkung, da sie den Wirkstoff direkt am Entzündungsort hochkonzentriert bereitstellen. Bei 90 % der Patient:innen tritt innerhalb von zehn Tagen eine vollständige Genesung ein, und bereits nach drei Tagen zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Symptome. 

Verschreibungspflichtige antibiotische Ohrentropfen (Fluorchinolone) können sowohl allein als auch mit Kortison eingesetzt werden, wobei Studien keinen signifikanten Vorteil von Kombipräparaten zeigen.
Auf Aminoglykoside soll, wegen bekannter Ototoxizität, verzichtet werden; Fluorchinolone wie Floxacin und Ofloxacin sind hier die bevorzugte Wahl.

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Fazit

Die Badeotitis ist eine häufige, meist gut behandelbare Erkrankung im Kontext von Badeurlauben. Durch gezielte Prävention und frühzeitige symptomatische Behandlung kann in vielen Fällen eine Verschlechterung vermieden werden. Die Apotheke spielt dabei eine ­zentrale Rolle in der niederschwelligen Beratung und Versorgung.

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