ÖAZ Betreute Selbstmedikation, Gesundheitslotsen-Funktion, Stärkung der Patientenkompetenz – 2025 rückte die Präventionsrolle der Apotheken stark in den Fokus. Wie hat sich das im Arbeitsalltag angestellter Apotheker:innen konkret bemerkbar gemacht, und wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial?
Mag. pharm. Raimund Podroschko In der General Assembly der PGEU, der Vertretung der angestellten Apotheker:innen in der EU, wurde vor Kurzem eine Studie aus England vorgestellt, die auch für uns relevant ist, auch weil unsere englischen Kolleg:innen uns diesbezüglich weit voraus sind. In dieser Studie wurden als zukünftige Schwerpunkte Structured Medication Reviews (SMR), Polypharmazie-Einrichtungen, ein Asthma-Aktions-Plan sowie COPD-Betreuung hervorgehoben. Voraussetzung dafür ist eine verstärkte Integration von Apotheker:innen in das Gesundheitssystem sowie eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit einschließlich eines umfassenden Zugangs zu ELGA, in deren Rahmen übrigens gerade ein Medikationsplan entwickelt wird.
Wichtig dabei ist, dass den angestellten Kolleg:innen nicht immer mehr und mehr aufgebürdet wird. Wir müssen darauf schauen, dass die Anforderungen, die an sie gestellt werden, auch gut bewältigbar sind und die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit in der Offizin und im Krankenhaus stimmen. Denn davon hängt letztendlich auch das Bestehen der Apothekenbetriebe ab.
ÖAZ Das Wiener Pilotprojekt zur Medikationsanalyse war ein Erfolg und die gesetzlichen Grundlagen für diese Dienstleistung wurden geschaffen. Welche Schritte sind 2026 nötig, damit die Medikationsanalyse flächendeckend ausgerollt werden kann?
Podroschko Die Medikationsanalyse ist für uns Apotheker:innen sehr wichtig, nicht nur, weil sie per se ein sinnvolles und durchdachtes Angebot unsererseits an die Bevölkerung und die Kostenträger darstellt. Sie macht darüber hinaus als erfolgreiches Pilotprojekt jenen Paradigmenwechsel sicht- und greifbar, den wir auch in den kommenden Jahren konsequent weiterverfolgen werden, nämlich den Ausbau unserer Kompetenzen in Richtung Dienstleistungen für eine bessere, effizientere Versorgung der Menschen in Österreich. Damit sollen die nachfolgenden Stufen in der Versorgungspyramide, sprich Ärzt:innen, Ambulanzen und der stationäre Bereich, entlastet und wir als Gatekeeper mit Triagefunktion und Gesundheitsdrehscheibe noch stärker etabliert werden. Wir haben erreicht, dass sich der Dachverband zur Medikationsanalyse bekennt und wir mit ihm in sehr konkreten Verhandlungen stehen; aber wie so oft hapert es bei der Finanzierung. Nun sind wir gerade dabei, eine Alternative auf die Beine zu stellen. Es muss uns gelingen, unseren Kund:innen und Patient:innen diese Dienstleistung anzubieten; wenn nicht allen sofort, dann zumindest Teilen der Bevölkerung.
ÖAZ Neue Dienstleistungen wie Point-of-Care-Tests, assistierte Telemedizin und künftig vielleicht Impfen erweitern das Berufsbild massiv. Wie muss sich die Aus- und Fortbildung anpassen, damit angestellte Apotheker:innen für diese Transformation gerüstet sind?
Podroschko Die hohen Teilnehmerzahlen und der bereits legendäre „Fortbildungshunger“ der Apothekerschaft sprechen für sich. So haben bis dato etwa 3.000 Kolleg:innen aus ganz Österreich das Impf-Curriculum absolviert, obwohl wir diesen Service noch gar nicht anbieten dürfen. Wir Apothekerinnen und Apotheker sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Und wir sind bereit, unsere Aufgabengebiete an die sich rasant verändernden Anforderungen im Gesundheitssystem und in unserer Gesellschaft anzupassen. Wir können das rasch und pragmatisch, auch, weil wir einen Schwerpunkt darauf setzen, dass wir logistisch und technisch bestens ausgerüstet und gut vernetzt sind. Darüber hinaus spielt sicherlich auch eine Rolle, dass das breite, stets aktuelle Angebot an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten von Apotheker:innen zusammengestellt wird, die selbst an der Tara stehen und wissen, was gebraucht wird, wie z. B. von meiner Stellvertreterin Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, für die dieser ihr Zuständigkeitsbereich in der Apothekerkammer eine Herzensangelegenheit ist. Alles in allem sind wir gut aufgestellt und haben die besten Voraussetzungen, unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Das werden wir auch 2026 tun.