ÖAZ Das Generika-Preisband 2025 verschärfte den Preisdruck, genauso wie das Einfrieren der Rezeptgebühr von 7,55 Euro. Zudem liegen mittlerweile über 50 % der erstattungsfähigen Arzneimittel unter der Rezeptgebühr. Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung für Apothekeninhaber:innen im Jahr 2025 – und wo drückt der Schuh am meisten?
Mag. pharm. Thomas W. Veitschegger Wir befinden uns leider in einer Situation, in der die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe deutlich schwieriger werden – und das auf verschiedenen Ebenen. Vor nicht allzu langer Zeit waren unsere primären Sorgen sinkende Margen und die Konkurrenz durch internationale Konzerne, die in den Online-Handel mit OTC-Produkten eingestiegen sind. Dazu hat sich nun eine anhaltend schlechte Konjunkturlage gesellt, die die gesamte österreichische Wirtschaft trifft. Gleichzeitig müssen wir immens hohe Lasten bei der Vorfinanzierung von hochpreisigen Medikamenten stemmen. Diese Medikamente sind ungeheuer wichtig für die Versorgung schwerkranker Menschen. Weil wir aber bei einzelnen Packungen tausende Euro teilweise wochenlang auslegen müssen, belastet das die Betriebe massiv. In dieser Gemengelage kommen wir immer mehr unter Druck und tun uns natürlich immer schwerer, unverzichtbare Vorsorgeleistungen wie die Nacht- und Bereitschaftsdienste zu finanzieren. Ein echtes Warnsignal sind mehrere Apothekenkonkurse im Jahr 2025.
ÖAZ Der OTC-Wettbewerb verschärft sich 2026: dm drängt in den Versandhandel, Online-Apotheken wachsen, andererseits schützt das Rx-Versandverbot im Regierungsprogramm die Apotheken bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Wie können sich Apotheken 2026 in diesem verschärften Wettbewerb behaupten und welche Alleinstellungsmerkmale sind essenziell?
Veitschegger Wir stehen tatsächlich vor einigen Herausforderungen, auch wenn es Lichtblicke gibt: Das von der Bundesregierung festgeschriebene Versandhandelsverbot für Rx-Präparate war wichtig – zuerst wegen der Patientensicherheit, aber natürlich auch für uns. Mit den Herausforderungen stehen wir allerdings nicht alleine da, wenn man sich im europäischen Ausland umsieht. Das ist zwar nur bedingt tröstlich, gibt uns aber zumindest die Chance, von anderen zu lernen. International geht die Entwicklung in Richtung des Ausbaus neuer Dienstleistungen. Da bewegen wir uns schon hin, müssen aber noch um entsprechende Honorierungen kämpfen. Im Wettbewerb haben wir einige Atouts. Etwa: In der Apotheke bekommt man ohne Termin und lange Wartezeiten Beratung durch akademisch ausgebildetes Personal. Wo gibt es das sonst noch? Wir sind die, die Lieferengpässe unmittelbar lösen – da kann kein internationaler Online-Händler mithalten. Und Stichwort magistrale Zubereitung: Auch hier kann uns niemand das Wasser reichen. Diese Fähigkeiten sollten uns Zuversicht und Selbstbewusstsein geben. Denn ohne uns geht es nicht – und das weiß auch die Politik.
ÖAZ Ihre Personalkampagne „Job in der Apotheke. Passt zu mir.“ läuft seit 2023 mit Erfolg. Welche Maßnahmen plant der Verband für das Jahr 2026?
Veitschegger Unsere Personalkampagne geht jetzt in das vierte Jahr und wir sind sehr zufrieden. Vor wenigen Wochen haben wir unsere Mitglieder befragt, wie sie die Personalsituation wahrnehmen. Mit 455 Antworten hatten wir einen hervorragenden Rücklauf. 70 % sagen, sie haben ausreichend PKA und Lehrlinge in ihrem Betrieb („Ja“- und „Eher ja“-Antworten addiert). 72 % gaben an, dass aus ihrer Sicht ausreichend Lehrlinge in ihrem Bundesland vorhanden sind. Generell war die Rückmeldung, dass wir bei Pharmazeut:innen gut dastehen. Wir haben dabei aber auch gesehen, welche Bundesländer Aufholbedarf haben – auf die werden wir im nächsten Jahr einen Schwerpunkt legen. Unsere Online-Bewerbungstools werden wir weiterentwickeln: etwa mit einem KI-Chatbot, der den Jungen bei der Bewerbung hilft. Wir werden wieder viel Content für die soziale Medien produzieren, mit dem wir unsere Betriebe als Arbeitgebermarke positionieren. Unsere bewährten Schulkooperationen werden fortgeführt und wir werden Influencer:innen für uns sprechen lassen, um nur einige Beispiele zu nennen.