Eine in JAMA Network Open veröffentlichte schwedische Fall-Kontroll-Studie zeigt Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Ausgewertet wurden landesweite Registerdaten von 1983 bis 2024. Die Forschenden verglichen 32.093 Krebsfälle mit 308.507 Kontrollpersonen. Erfasst wurden Tumoren im Anal-, Genital- sowie Kopf-Hals-Bereich, die mit HPV in Zusammenhang stehen können. Nach Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren waren die Odds für eine HPV-assoziierte Krebserkrankung bei Menschen mit HIV etwa 4,5-fach und nach Organtransplantation 2,2-fach höher als bei Personen ohne HIV oder Transplantation. Die Odds-Ratio beschreibt dabei, wie stark ein Risikofaktor mit dem Auftreten eines Ereignisses zusammenhängt, ohne direkt das absolute Erkrankungsrisiko anzugeben. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang zwischen HIV und Analkrebs: Die adjustierte Odds-Ratio betrug 58,8, allerdings bei großer statistischer Unsicherheit.
Ursachen für das höhere Risiko
Bei HIV gingen niedrige CD4-Zellzahlen, eine kürzere Dauer erfolgreicher Virussuppression und eine höhere frühere Viruslast mit höheren Erkrankungsrisiken einher. Nach Transplantation unterschieden sich die Werte je nach Organ und waren bei länger zurückliegendem Eingriff tendenziell höher. Erklären ließe sich dies durch die langjährige Immunsuppression sowie die lange Latenzzeit bis zur Entstehung HPV-bedingter Tumoren. Zu den Einschränkungen zählt, dass unter den Krebsfällen nur 96 Menschen mit HIV und 143 Transplantierte waren. Angaben zu Rauchen, Alkoholkonsum und Sexualverhalten fehlten. Zudem erfolgte die Einordnung als HPV-assoziiert anhand der Tumordiagnose und nicht anhand eines individuellen Virusnachweises.
Quelle
Meglic E, et al.: Human Papillomavirus–Related Cancer in People With HIV and Solid Organ Transplant Recipients. JAMA Netw Open 2026; 9(6): e2620512