Diesmal fiel die Wahl auf den Echten Hopfen (Humulus lupulus L.), der neben seiner Verwendung zur Herstellung von Bier auch eine lange Tradition als Heilpflanze in der Volksmedizin hat. Bereits Hildegard von Bingen erkannte im 12. Jahrhundert seine Wirkung auf Magen und Psyche. Spätere Kräuterbücher beschrieben Hopfen als schmerzlindernd und entzündungshemmend. Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), ist eine Kletterpflanze und in Europa, Westasien und Teilen Nordafrikas heimisch. Arzneilich verwendet werden die weiblichen Blütenstände, die eine Vielzahl von Wirkstoffen enthalten, darunter Bitterstoffe (Alpha- und Betasäuren), ätherische Öle (Myrcen, Humulen, Caryophyllen) sowie Polyphenole (Flavonoide und Prenylflavonoide wie Xanthohumol). Diese Wirkstoffe tragen gemeinsam zu den Effekten bei, die auf das zentrale Nervensystem, den Hormonhaushalt und die Entzündungsmodulation wirken. Einige dieser Bestandteile weisen auch starke antimikrobielle und antivirale Eigenschaften auf.
Bei Schlafstörungen und Unruhe
Der phytotherapeutische Schwerpunkt von Hopfenzapfen liegt bei der Behandlung leichter Schlafstörungen und nervöser Unruhe. Hopfen wirkt beruhigend, schlaffördernd und angstlösend, vermutlich durch die Beeinflussung des GABA-(Anm.: γ-Aminobuttersäure)-Systems und melatoninabhängiger Mechanismen. In standardisierten pflanzlichen Arzneiprodukten werden Hopfenzapfenextrakte häufig in Kombination mit Baldrian und/oder Melisse eingesetzt. Sie gelten als gut verträglich.
Wechseljahresbeschwerden
Ein weiterer relevanter Einsatzbereich ist die Linderung von Wechseljahresbeschwerden. Verantwortlich hierfür ist vor allem die phytoöstrogene Wirkung von 8-Prenylnaringenin, welches an Östrogenrezeptoren bindet und hormonähnliche Effekte vermittelt. Klinische Studien deuten darauf hin, dass standardisierte Hopfenextrakte die Beschwerden während der Menopause, insbesondere Hitzewallungen, leicht verringern und die Knochenmineraldichte des gesamten Körpers erhöhen.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) stuft die weiblichen Blütenstände des Hopfens (Hopfenzapfen) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Es kann zur Linderung leichter Symptome psychischer Belastung und zur Förderung des Schlafs eingesetzt werden. Klinische Studien zur Wirksamkeit bei Unruhe- und Stresszuständen bestätigen die traditionelle Anwendung von Hopfenextrakten. Eine neue Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen: Ein Kombinationspräparat aus Hopfen und Baldrian verlängert die Schlafdauer, ohne die kognitiven oder psychologischen Ergebnisse am Tag zu beeinträchtigen.