Mundgesundheit

Die Schlüsselrolle von Fluorid

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Seit 1996 führt die Kompetenzstelle Mundgesundheit der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ein systematisches Monitoring durch. Ziel der jüngsten Erhebung war es, sowohl die klinische Zahngesundheit als auch das Mundgesundheitsverhalten von Kindern zu analysieren. Die Studie wurde zwischen Oktober 2023 und Juni 2024 an 4.084 Schüler:innen der Geburtsjahrgänge 2016 und 2017 durchgeführt.


Positiver Trend

Die Ergebnisse zeigen Fortschritte, aber auch deutlichen Handlungsbedarf: Aktuell sind 58 % der Kinder kariesfrei – ein positiver Trend, der sich jedoch verlangsamt und weiterhin unter dem WHO-Ziel von 80 % liegt. Gleichzeitig besteht eine relevante Versorgungslücke: 29 % der Kinder benötigen aufgrund unbehandelter Karies eine akute Behandlung, während der Sanierungsgrad mit 28 % niedrig bleibt. Auch strukturelle Zahnschäden wie Hypomineralisation gewinnen an Bedeutung. Positiv ist, dass Eltern die Mundgesundheit ihrer Kinder zunehmend realistisch einschätzen, dennoch erfolgen erste Zahnarztbesuche teilweise zu spät.


Zahnschmelz – ein bedeutender Schutzschild


Vor diesem Hintergrund rückt die Bedeutung präventiver Maßnahmen noch stärker in den Fokus – insbesondere die Stärkung des Zahnschmelzes. Denn im Gegensatz zu anderen Geweben des Körpers ist dieser hochmineralisierte Schutzschild nicht regenerationsfähig und kann im Laufe des Lebens geschwächt werden. Neue Forschungsergebnisse liefern hierzu spannende Einblicke: Mithilfe hochauflösender Atomsonden-Tomografie wurde gezeigt, dass sich Fluorid im Laufe der Zeit im Zahnschmelz anreichert. In der untersuchten Probe eines älteren Zahns fanden sich deutlich höhere Fluoridkonzentrationen als bei einem jüngeren.
Fluorid spielt eine Schlüsselrolle in der Remineralisation, indem es den Einbau von Kalziumphosphaten in den Zahnschmelz fördert und diesen widerstandsfähiger gegenüber Säureangriffen macht. Die beobachtete Anreicherung könnte somit wesentlich zur Kariesresistenz beitragen. Gleichzeitig eröffnen die Erkenntnisse neue Perspektiven für individualisierte Präventionsstrategien und gezielte remineralisierende Therapien.


Fluoridversorgung – ein Leben lang

Für die Apothekenpraxis ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Kontinuierliche Fluoridversorgung bleibt ein zentraler Baustein der Mundgesundheit – nicht nur bei Kindern, sondern über die gesamte Lebensspanne hinweg. Die Apotheke kann hier als niederschwellige Anlaufstelle entscheidend beitragen, indem sie evidenzbasierte Empfehlungen zur Fluoridanwendung, altersgerechte Zahnpflegeprodukte und frühzeitige Präventionsmaßnahmen vermittelt. So lässt sich ein wichtiger Beitrag leisten, um bestehende Versorgungslücken zu schließen und die Mundgesundheit nachhaltig zu verbessern.

Quellen
•   Schwarz T, Kölldorfer B: Österreichische Zahnstatuserhebung 2023/24; 6- bis 7-jährige Kinder (2025). Gesundheit Österreich, Wien
•   Grimm JR, et al.: Stratification of fluoride uptake among enamel crystals with age elucidated by atom probe tomography. Commun Mater 2024; 5, 270

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