Besenreiser (Telangiektasien) sind kleine, dauerhaft erweiterte oberflächliche Blutgefäße, die als feine rote, blaue oder violette Linien sichtbar werden (< 1 mm Durchmesser). Retikuläre Varizen sind etwas größere, subdermal gelegene, bläulich durchscheinende Gefäße mit bis zu 3 mm Durchmesser. Beide Formen sind meist asymptomatisch und primär kosmetisch relevant, können jedoch gelegentlich mit Spannungsgefühl, Juckreiz oder leichten Schmerzen einhergehen.3,5
Die Varikose (Krampfaderleiden) ist eine chronische, häufig progrediente Erkrankung der oberflächlichen Beinvenen, die durch Erweiterung, Schlängelung und funktionelle Einschränkung gekennzeichnet ist. Diese kann asymptomatisch verlaufen oder sich dur
ch Beschwerden wie Brennen, Juckreiz, Schwellungen, Schmerzen, Schweregefühl und nächtliche Wadenkrämpfe bemerkbar machen. Im Verlauf können Hautveränderungen bis hin zum venösen Ulcus cruris auftreten. Zudem sind Komplikationen wie oberflächliche Venenthrombosen, Varikophlebitiden oder Varizenblutungen möglich.2,6
Epidemiologie und Risikofaktoren
Laut einem systematischen Review weisen etwa 21 % der erwachsenen Bevölkerung in Europa klinisch manifeste Krampfadern auf.1 Demgegenüber wurden Besenreiser in einer Studie bei etwa 84 % der untersuchten Personen (16 bis 64 Jahre) gefunden. Es besteht eine asymmetrische Assoziation zwischen beiden Formen: Personen mit Krampfadern weisen in der Regel auch Teleangiektasien auf, während diese häufig auch isoliert auftreten.4
Die Risikofaktoren für Besenreiser und Krampfadern überschneiden sich weitgehend und umfassen genetische Prädisposition, weibliches Geschlecht, Schwangerschaften, hormonelle Faktoren, höheres Alter, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie langes Stehen oder Sitzen im Beruf. Weitere Einflussfaktoren sind Rauchen und vorausgegangene Gefäßereignisse.1,2,3,5,6
Pathophysiologie und klinische Einteilung
Besenreiser entstehen durch Veränderungen des oberflächlichen Gefäßnetzes der Haut und können sowohl venösen als auch arteriellen Ursprungs sein. Sie treten meist an den Beinen auf, kommen jedoch auch im Gesicht oder an anderen Körperregionen vor. Die genaue Ursache ist bislang nicht eindeutig geklärt.3,5
Der Varikose liegt in der Regel eine Klappeninsuffizienz des oberflächlichen Venensystems zugrunde, die einen venösen Reflux mit Blutstau in den Beinvenen und erhöhtem venösen Druck verursacht.2,6 Zusätzlich finden sich strukturelle Veränderungen der Venenwand, insbesondere ein Elastinverlust und Veränderungen des Kollagenstoffwechsels, die zur Schwächung beitragen.7
Die Einteilung erfolgt nach der CEAP-Klassifikation (siehe Tabelle 1, S. 35), die den Schweregrad chronischer Venenerkrankungen standardisiert abbildet. Besenreiser und retikuläre Venen werden C1 zugeordnet, Varizen C2 und ab Klasse C3 spricht man von einer chronisch venösen Insuffizienz. Die Veränderungen können isoliert oder kombiniert auftreten und im Verlauf ineinander übergehen.2
„Besenreiser sind nur ein Schönheitsproblem.“
In der Regel sind sie harmlos, können jedoch auch im Rahmen
chronisch venöser Erkrankungen auftreten und auf eine Funktions-
störung hinweisen.
„Krampfadern betreffen nur übergewichtige und
unsportliche Menschen.“
Übergewicht und Bewegungsmangel sind Risikofaktoren, Varizen können jedoch auch bei schlanken und aktiven Personen auftreten, da genetische und hormonelle Einflüsse eine wichtige Rolle spielen.
„Nach einer Behandlung kommen Besenreiser und
Krampfadern immer wieder.“
Rezidive sind möglich, aber nicht zwangsläufig und hängen von
individuellen Risikofaktoren und dem weiteren Krankheitsverlauf ab.
„Wenn man konsequent Kompressionsstrümpfe trägt, entstehen keine neuen Besenreiser.“
Kompression kann Beschwerden lindern und die venöse Hämodynamik unterstützen, verhindert jedoch die Entstehung neuer Besenreiser nicht nachweislich.
„Besenreiser können durch Salben oder
Cremes verschwinden.“
Topische Präparate können subjektive Beschwerden lindern,
haben jedoch keinen nachweisbaren Einfluss auf bestehende
Gefäßveränderungen.
Diagnostik
Solitäre Besenreiser werden klinisch diagnostiziert. Treten zusätzlich venöse Beschwerden auf, sollte an eine mögliche Grunderkrankung gedacht und eine weiterführende Abklärung eingeleitet werden.3
Bei symptomatischer oder klinisch relevanter Varikose wird eine Abklärung durch Venenspezialist:innen empfohlen. Diese umfasst Anamnese, klinische Untersuchung und die Einordnung nach der CEAP-Klassifikation. Die Duplexsonographie ist die zentrale Methode der weiterführenden Diagnostik, da sie Refluxstrecken, Gefäßanatomie sowie das tiefe Venensystem zuverlässig darstellt. Ergänzend können funktionelle Verfahren eingesetzt werden.2
Therapie
Besenreiser werden überwiegend aus ästhetischen Gründen behandelt. Standardverfahren ist die Sklerotherapie (z. B. mit Polidocanol), bei der es durch eine gezielte Schädigung der Gefäßwand zum Verschluss der betroffenen Gefäße kommt. Alternativ können Laser- oder IPL-Verfahren eingesetzt werden, insbesondere bei sehr feinen Gefäßen oder im Gesicht.3
Die Therapie von Krampfadern richtet sich nach Ausprägung, Lokalisation, hämodynamischer Relevanz und
individuellen Patientenfaktoren. Zur Verfügung stehen konservative, medikamentöse, interventionelle und chirurgische Verfahren, die häufig kombiniert eingesetzt werden.2
Die konservative Therapie bildet in der Regel die Grundlage, wobei die Kompression den zentralen Baustein darstellt. Sie lindert venöse Symptome und verbessert die Hämodynamik, hat jedoch keinen gesicherten Einfluss auf die Krankheitsprogression. Der Einsatz in den Stadien C1 und C2 wird individuell abgewogen, während sie ab C3 fester Bestandteil der Therapie ist. Postinterventionell wird Kompression, je nach Verfahren und klinischer Situation, ebenfalls häufig empfohlen, da sie das Ergebnis verbessern und Nebenwirkungen wie Hämatome oder Hyperpigmentierungen reduzieren kann. Entscheidend ist die konsequente Anwendung, die in der Praxis oft durch mangelnde Adhärenz limitiert ist. Ergänzend sind allgemeine Maßnahmen (siehe Kasten 1, S. 36) sowie die Reduktion von Risikofaktoren sinnvoll.2
Bei entsprechender Indikation stehen invasive Verfahren zur Verfügung, darunter Sklerotherapie und endovenöse Ablation. Chirurgische Verfahren wie Stripping oder Crossektomie werden selektiv eingesetzt und sind vor allem bei bestimmten anatomischen Konstellationen oder ausgeprägten Befunden relevant.2
Selbstmedikation
Venoaktive Arzneimittel können bei Beschwerden unterstützend eingesetzt werden. Sie ersetzen weder die Kompressionstherapie noch erforderliche interventionelle Verfahren und sollten im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts angewandt werden. Die Evidenz für die orale Anwendung zeigt insgesamt eine moderate Symptomlinderung, während ein Einfluss auf den Krankheitsverlauf nicht gesichert ist.
Zu den pflanzlichen Wirkstoffen zählen u. a. Rosskastanienextrakte (Aescin), für die eine Verbesserung von Schmerzen, Schweregefühl und Beinödemen beschrieben wurde.13 Auch Extrakte aus rotem Weinlaub zeigten in Studien eine Linderung von Schwere- und Spannungsgefühl sowie eine Abnahme von Schwellungen.11,12 Für Mäusedorn liegt eine systematische Übersichtsarbeit vor, die Verbesserungen von Schmerzen, Schweregefühl, Müdigkeit, Krämpfen und Parästhesien sowie eine Reduktion des Beinumfangs berichtet.8
Im Bereich der Flavonoide kommen insbesondere mikronisierte, gereinigte Flavonoidfraktionen (v. a. Diosmin, Hesperidin) zum Einsatz, für die eine der besten Evidenzlagen im Bereich der Venenmittel besteht. Beschrieben wurden Verbesserungen venöser Symptome, der funktionellen Einschränkung sowie des Knöchelumfangs.9 Zu den halbsynthetischen Flavonoidderivaten zählen Hydroxyethylrutoside (z. B. Oxerutin), für die eine Reduktion von Schmerzen, Schweregefühl und Krämpfen gezeigt wurde.10
Ergänzend stehen Salben, kühlende Gele oder Sprays zur Verfügung. Diese können subjektiv als angenehm empfunden werden und Beschwerden vorübergehend lindern. Für heparin- und heparinoidhaltige Präparate
deuten Studien auf eine symptomatische Linderung von Schmerzen und Schwellungen hin, die Evidenz
ist jedoch begrenzt. Für O-(β-hydroxyethyl)-Rutosid-haltige Gele wurden ebenfalls Verbesserungen venöser Symptome sowie Effekte auf die Mikrozirkulation beschrieben.14 Insgesamt ist die Evidenz deutlich schwächer als bei systemischen Präparaten.
Venenbeschwerden
• Regelmäßige Bewegung zur Aktivierung der Wadenmuskelpumpe
• Längere Immobilität vermeiden, regelmäßige Unterbrechung von Steh- oder Sitzphasen
• Gezielte Fußgymnastik (z. B. Fußkreisen, Zehenstand)
• Beine regelmäßig hochlagern zur Förderung des venösen Rückflusses
• Kompression konsequent anwenden (sofern verordnet)
• Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht
• Kühlende topische Anwendungen zur Linderung von Spannungs- und Schweregefühl
• Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Fazit
Besenreiser und Krampfadern sind Ausdruck eines Spektrums chronisch venöser Veränderungen und stellen häufig mehr als ein kosmetisches Problem dar. Apotheker:innen übernehmen eine zentrale Beratungsfunktion bei der Empfehlung geeigneter Präparate, nicht-medikamentöser Maßnahmen wie Kompression und Lebensstilinterventionen sowie der Einschätzung, wann eine ärztliche Abklärung erforderlich ist.
Quellen
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- S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Varikose (2019), AWMF Reg.Nr. 037-018l
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Anmerkung zu Quelle 2: Der vorliegende Artikel stützt sich auf die aktuell verfügbare S2k-Leitlinie der AWMF. Eine überarbeitete Fassung wird im Laufe des Jahres 2026 erwartet, ist zum Zeitpunkt der Erstellung jedoch noch nicht publiziert.