Medikamenteneinnahme

Apps ersetzen Gesundheitspersonal nicht

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Nahezu jede zweite Person nimmt ihre Medikamente falsch ein. Apps schaffen Abhilfe, ersetzen das Gesundheitspersonal bei der Beratung jedoch nicht.  © Shutterstock
Nahezu jede zweite Person nimmt ihre Medikamente falsch ein. Apps schaffen Abhilfe, ersetzen das Gesundheitspersonal bei der Beratung jedoch nicht. © Shutterstock

Nach aktuellen Zahlen nehmen 30 bis 50 % der Menschen, die regelmäßig Medikamente benötigen, diese nicht korrekt ein. Diese Non-Adhärenz hat ernste Konsequenzen: reduzierter Therapieerfolg, höhere Sterblichkeit – und erhebliche Kosten. Ein länderübergreifender Review zeigt, dass jährlich zusätzliche Kosten von 950 bis 44.000 US-Dollar pro Person durch Non-Adhärenz entstehen.


Apps als Unterstützung – mit Grenzen

Eine Lösungsstrategie ist der Einsatz von Gesundheits-Apps. Die Gründe für Non-Adhärenz sind jedoch komplex, und nicht für alle Betroffenen sind Apps geeignet. Sie können aber dabei helfen, die Einnahme nicht zu vergessen und den Überblick zu behalten. Ob Apps diesen Erwartungen gerecht werden, hat die Pharmazeutin Dr. Kirstin Messner im Rahmen ihrer Dissertation am Departement Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Basel untersucht. Die im Fachjournal JMIR mHealth uHealth publizierten Ergebnisse zeigen: Adhärenz-Apps sind grundsätzlich ein nützliches ergänzendes Tool – schöpfen ihr Potenzial aber noch nicht voll aus.

Was Nutzer:innen wirklich wollen

Für die Studie analysierte Messner neun kostenlos verfügbare Apps und prüfte, ob sie fünf wünschenswerte Eigenschaften erfüllten: Einnahmehistorie, Diagramme, Statistiken, Belohnungen und Datenexport. In zwei Fokusgruppen erarbeitete sie zudem drei weitere Features, die Nutzer:innen besonders wichtig wären: professionelles Feedback zur Therapie, zusätzliche Empfehlungen sowie die Möglichkeit, die eigenen Daten mit Gesundheitsfachpersonen zu besprechen. Eine ergänzende Online-Umfrage mit 60 Teilnehmenden bestätigte diesen Befund: Die auf fachlichen Kontakt ausgerichteten Funktionen wurden mittel bis hoch bewertet. Wichtigste Eigenschaft war die Einnahmehistorie, am wenigsten relevant: Belohnungen. Messners Fazit ist eindeutig: „Die Angst, dass die digitalen Tools Apotheker:innen oder Ärzt:innen ablösen, ist unbegründet. In der Zukunft sollte beides gemeinsam funktionieren.“ Patient:innen wünschten sich explizit den Kontakt zu Gesundheitsfachpersonen – entsprechende Funktionen sollten daher künftig fester Bestandteil der Apps sein.

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