Gesundheitskommunikation

Autismus-Botschaft befeuert Impfskepsis

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Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Impfungen verursachen keine Autismus-Spektrum-Störungen. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC kommunizierte dies jahrelang klar auf ihrer Website – bis November 2025. Unter Gesundheitsminister Robert Kennedy änderte die Behörde ihre offizielle Aussage und erklärte seither, ein möglicher Zusammenhang sei nicht mit ausreichender wissenschaftlicher Präzision ausgeschlossen worden; weitere Untersuchungen seien nötig.

Welche Folgen dieser Kurswechsel hat, untersuchte ein Forschungsteam um den Psychologen Robert Böhm von der Universität Wien in einer Online-Studie mit 2.989 Teilnehmer:innen in den USA, die nun im Fachjournal Science erschienen ist. Die Proband:innen wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Eine erhielt die frühere, konsensbasierte CDC-Mitteilung, eine zweite die neue, unsicherheitsbetonte Version, eine dritte keine Information.


Vertrauen und Impfbereitschaft sinken

Das Ergebnis ist deutlich: Wer die aktualisierte Mitteilung las, hielt Impfnebenwirkungen für wahrscheinlicher, hatte mehr Sicherheitsbedenken und zeigte eine geringere Impfbereitschaft. „Unsere Studie zeigt, dass die Art der Kommunikation selbst ein Risikofaktor sein kann“, erklärte Psychologin Alina Schneider von der Uni Wien. 
Die Effekte reichten über das Impfthema hinaus: Die geänderte Botschaft förderte wissenschaftsfeindliches Denken – etwa selektives Zitieren, unrealistische Beweisforderungen und verschwörungsnahes Denken – und schwächte das Vertrauen in die Behörde insgesamt. Die Forschenden empfehlen, Änderungen in Gesundheitsbotschaften transparent zu begründen, eng an der Evidenz auszurichten und vorab auf ihre Wirkung zu testen. Böhm betont: Wissenschaftliche Unsicherheit dürfe kommuniziert werden – aber stets eingebettet in den Gesamtforschungsstand und verbunden mit einer klaren Handlungsempfehlung.

Quellen
Böhm, R. et al. Science 2026; 392(6797): 475-477

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