Japanische Delegation zu Gast im Apothekerhaus

Internationaler Erfahrungsaustausch

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Österreichischen Apothekerkammer © Österreichischen Apothekerkammer
Marie-Luise Göschl, Mag. Franz Ferrari, 1. Vizepräsident Mag. pharm. Raimund Podroschko und Präsidentin Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr mit den japanischen Delegierten Hiroya Iijima, Daisuke Kobayashi und Yuzo Tokuyoshi. © Österreichischen Apothekerkammer

ie Präsidentin der österreichischen Apothekerkammer, Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, und Vizepräsident Mag. pharm. Raimund Podroschko begrüßten die Gäste aus Japan zu einem intensiven Gedankenaustausch über die zukünftige Entwicklung der Pharmazie in beiden Ländern. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Rolle öffentlichen Apotheken in einer alternden Gesellschaft künftig zukommt und wie sich Arzneimitteltherapiesicherheit und wohnortnahe Versorgung nachhaltig stärken lassen.  

Den Auftakt bildete die Vorstellung des österreichischen Apothekensystems – speziell der Bereich Selbstmedikation/OTC – durch Marie-Luise Göschl von der Stabsstelle EU und Internationales, bevor Hiroya Iijima, Mitglied des OTC-Arzneimittelrats des japanischen Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales, Funktionär der japanischen Apothekerkammer und Inhaber zweier Apotheken, die Struktur des japanischen Apothekensystems vorstellte. 

Bei rund 120 Millionen Einwohner:innen verfügt Japan über rund 63.000 öffentliche Apotheken. Die hohe Apothekendichte bedeutet allerdings nicht automatisch ein breites pharmazeutisches Leistungsangebot – Ziel ist derzeit v. a. die qualitative Weiterentwicklung der bestehenden Betriebe und weniger der weitere Ausbau der Apothekenzahl. Denn gerade Dienstleistungen, die aus gesundheitspolitischer Sicht sinnvoll wären, werden oftmals nicht flächendeckend angeboten. 

Von den etwa 330.000 Apotheker:innen des Landes sind ca. 62 % Frauen. Rund 60 % arbeiten in öffentlichen Apotheken, während 20 % der Apotheker:innen in Krankenhausapotheken beschäftigt sind.

Zwischen Tradition & Moderne

Während in Österreich die Trennung von Verschreibung und Abgabe von Medikamenten seit über 800 Jahren zu den Grundprinzipien des Apothekerberufs gehört, wurde dies in Japan erst vor rund 50 Jahren konsequent eingeführt. Ziel war, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen und die unabhängige pharmazeutische Kontrolle zu stärken. 

Aufgrund des stark industrialisierten Arzneimittelmarkts und eines sehr großen Angebots an standardisierten Fertigarzneimitteln liegt der Schwerpunkt des japanischen Apothekenwesens auf der Versorgung der Bevölkerung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die magistrale Rezeptur spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.  

Viele Arzneimittel werden als Bulkware geliefert und patientenindividuell in der Apotheke konfektioniert. Pro Tag bearbeitet eine Apothekerin bzw. ein Apotheker durchschnittlich 40 Verschreibungen. Vielerorts hat sich dabei eine enge räumliche Bindung an Facharztordinationen entwickelt, wobei zunächst eine ärztliche Einrichtung und anschließend die benachbarte Apotheke aufgesucht wird. Bereits drei Viertel aller Verschreibungen werden heute über öffentliche Apotheken eingelöst. 

Österreichischen Apothekerkammer © Österreichischen Apothekerkammer
Beim Rundgang durch das Apothekenlabor der Apothekerkammer erhielt die japanische Delegation Einblick in die österreichische Pharmazie. © Österreichischen Apothekerkammer

Eine Besonderheit des japanischen Apothekensystems besteht in der starken funktionellen Differenzierung der Apothekenbetriebe: So gibt es neben Apotheken, die überwiegend bzw. ausschließlich verschreibungspflichtige Arzneimittel abgeben, Betriebe, deren Fokus rein auf rezeptfreien Arzneimitteln liegt. Mischformen aus beidem sind ebenfalls vertreten. OTC-Produkte werden dagegen in erster Linie über Drogeriemärkte vertrieben und sind aufgrund des intensiven Preiswettbewerbs für viele öffentliche Apotheken wirtschaftlich kaum attraktiv.

Eine weitere Besonderheit ist die japanische Kampo-Heilkunde: Diese jahrhundertealte Tradition pflanzlicher Arzneimittel entwickelte sich aus der traditionellen chinesischen Medizin. Verordnet werden aber keine individuell zusammengestellten Teemischungen, sondern standardisierte Rezepturen, die industriell hergestellt werden. Diese Kampo-Arzneimittel besitzen den Status vollwertiger Arzneimittel und unterliegen denselben Qualitätsanforderungen wie synthetische Medikamente. 148 dieser Kampo-Rezepturen sind im japanischen Krankenversicherungssystem erstattungsfähig und werden Patient:innen vielfach neben konventionellen Arzneimitteln verschrieben. Zusätzlich existieren zahlreiche OTC-Kampo-Präparate. 

Verschiedene Systeme, ähnliche Herausforderungen

Im Verlauf der Gespräche wurde deutlich: Beide Länder verfügen über unterschiedliche Versorgungsstrukturen, stehen aber vor nahezu identischen gesundheitspolitischen Herausforderungen. Die demographische Entwicklung führt zu einer stetig wachsenden Zahl multimorbider Patient:innen, die mit komplexeren Arzneimitteltherapien und steigendem Bedarf an pharmazeutischer Begleitung einhergeht. Gleichzeitig wächst der Anspruch, Gesundheitsleistungen sowohl wohnortnah als auch effizient und qualitätsgesichert anzubieten. 

Eine Besichtigung des Apothekenlabors und der Bibliothek der Apothekerkammer rundeten den Besuch der Delegation ab. Hiroya Iijima betonte die traditionsreiche Geschichte der Pharmazie und die Notwendigkeit, diese kontinuierlich weiterzuentwickeln, um den Anforderungen und Bedürfnissen einer modernen Gesundheitsversorgung gerecht zu werden. Daisuke Kobayashi, der mehrere Jahre in Deutschland studierte und Österreich seit langem eng verbunden ist, unterstrich die Bedeutung des internationalen Erfahrungsaustauschs – besonders die berufliche Eigenständigkeit der österreichischen Apothekerschaft sowie deren aktive Rolle bei der Entwicklung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen würden in Japan aufmerksam verfolgt, betonte er. 

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