Ulrike Königsberger-Ludwig im Gespräch

„Apotheker sind unverzichtbare Gesundheitsexperten“

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Bei einem sehr konstruktiven Termin im Gesundheitsministerium sprachen VAAÖ-Präsident Podroschko und VAAÖ-Direktor Valecka mit Staatssekretärin Königsberger-Ludwig über die Anliegen und Angebote der österreichischen Apothekerinnen und Apotheker. © VAAOE

Die Anforderungen an das österreichische Gesundheitssystem verändern sich rasant. Eine älter werdende Bevölkerung, chronische Erkrankungen, Personalmangel und steigende Kosten verlangen nach neuen Versorgungsmodellen und einer optimalen Nutzung aller vorhandenen Gesundheitsberufe. Gerade die öffentlichen Apotheken und die Krankenhausapotheken übernehmen dabei eine immer wichtigere Rolle. Für den Verband Angestellter Apotheker Österreichs, VAAÖ, ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Angestellte Apothekerinnen und Apotheker leisten Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag zur Arzneimittelversorgung, zur Patientensicherheit und zur Gesundheitsberatung. Gleichzeitig wachsen die Erwartungen an den Berufsstand – sei es durch neue pharmazeutische Dienstleistungen, Medikationsmanagement, Präventionsangebote oder künftig vermutlich auch durch das Impfen in Apotheken. Und auch der Aufwand für Logistik, Bürokratie und Verwaltung wird immer größer.

Wie sieht die Politik diese Entwicklung? Welche Rolle sollen Apotheker künftig im Gesundheitssystem übernehmen? Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit sie ihre Kompetenzen noch besser einbringen können?

Darüber sprachen wir mit Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Zur Person
Ulrike Königsberger-Ludwig

• Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und             Konsumentenschutz

• Langjährige Gesundheitspolitikerin mit Schwerpunkt Gesundheitsversorgung und              Pflege

• Von 2018 bis 2025 Abgeordnete zum Nationalrat

• Zuvor viele Jahre Landesrätin und Landtagsabgeordnete in Niederösterreich

• Setzt sich für den Ausbau einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung, Prävention und    die Stärkung der Gesundheitsberufe ein

• Zuständig unter anderem für zentrale Fragen der Gesundheitsversorgung und der              Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems



Wie sehen Sie die Rolle und die Leistungen der Apotheker:innen als Nahversorger:innen im Gesundheitssystem,     z. B. im Rahmen der COVID-Pandemie oder der Lieferengpässe? Haben sich diese in den vergangenen Jahren Ihrer Ansicht nach gewandelt?

Königsberger-Ludwig Die Apotheker:innen spielen eine zentrale Rolle in unserer Gesundheitsversorgung und bieten eine niederschwellige Versorgung. Sie sind hochqualifizierte GesundheitsexpertInnen, die eine Vielzahl an Dienstleistungen durchführen – von der Abgabe von Arzneimitteln über die Beratung bis hin zur Herstellung von Medikamenten. Weiters wird durch die Apotheker:innen sichergestellt, dass die Kund:innen vor der Kaufentscheidung professionelle Informationen erhalten: Sie erklären Medikamente und Nebenwirkungen, verhindern Medikationsfehler und schaffen zugleich auch eine zusätzliche Sicherheitsebene für die Patient:innen.

Die Pandemie hat vieles verändert – manches auch vereinfacht. Die Herausforderungen waren groß, weil sie sowohl die personellen als auch die logistischen Ressourcen betroffen haben. 


Können und sollen Apotheker:innen noch stärker als niederschwellige Gesundheitsdienstleister:innen in die Primärversorgung, Prävention, Betreuung chronisch Kranker und v. a. im Rahmen einer Triagefunktion eingebunden werden, und wenn ja, auf welche Weise?

Königsberger-Ludwig Die fachliche Expertise der Apothekerinnen und Apotheker, die speziell in der sicheren Anwendung von Arzneimitteln geschult sind, stellt schon jetzt sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger niederschwellige und verlässliche persönliche Beratung und Betreuung erhalten – tagsüber und durch die Apothekendienste am Wochenende und in der Nacht. Mit ihrem umfassenden Angebot leisten sie täglich wichtige Arbeit, sind für die Menschen oftmals die erste Anlaufstelle und übernehmen damit gleichsam eine Form der Triage.
 
Die Apothekerschaft arbeitet bereits seit etlichen Jahren an der Ausweitung ihres Serviceangebotes – Mediaktionsanalyse, Impfen, Point-of-Care-Testungen etc. –, u. a. um mitzuwirken, die begrenzten Ressourcen unseres Gesundheitssystems besser zu nutzen und den (teuren) stationären Bereich zu entlasten. Wie sehen Sie diesen Weg?

Königsberger-Ludwig Natürlich muss man über eine Ausweitung des Serviceangebotes in Apotheken nachdenken, schließlich sind sie oftmals der erste Kontakt, den Menschen ansteuern, wenn sie Fragen haben oder Medikamente kaufen. Doch hier müssen klare Vorgaben entwickelt werden – auch hinsichtlich Ausbildung und Schulungen.
Aktuell wird an einer Ausweitung der Kompetenzen gearbeitet – insbesondere, wenn es um das Impfen in Apotheken geht. Wie und ob diese verstärkt ausgebaut werden können, sollte man gemeinsam diskutieren.
 
Wie können sichere Arbeitsplätze und bestmögliche Rahmenbedingungen für die angestellten Apotheker:innen auch für die Zukunft gewährleistet werden, v. a. vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung und der hohen Anforderungen in den Apotheken? Welche Rolle können dabei Arbeitgeber, Interessenvertretung und Gesetzgeber jeweils übernehmen?

Königsberger-Ludwig Sichere Arbeitsplätze und gute Rahmenbedingungen sind in Apotheken – sowie auch in allen anderen Arbeitsbereichen – dann möglich, wenn die hohe Verantwortung der angestellten Apotheker:innen auch gesundheitspolitisch anerkannt wird. Dabei können die Arbeitgeber:innen durch moderne Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung und flexible Arbeitszeitmodelle eine zentrale Rolle spielen. Der Gesetzgeber kann dabei die arbeitsrechtlichen Grundlagen schaffen. 
 
Was ist Ihre Botschaft an die jungen Apothekerinnen und Apotheker, die am Beginn ihrer Berufskarriere stehen?

Königsberger-Ludwig Ich gratuliere zur Entscheidung, im Gesundheitssystem zu arbeiten, denn die Apotheker:innen sind durch höchstes Fachwissen ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung. Danke, dass Sie die Menschen in Österreich bestens beraten und versorgen und dass Sie Verantwortung übernehmen! 

„Gesundheitspolitik braucht die Expertise der Apothekerschaft.“

"Es freut mich, dass die Politik die Leistungen der Apothekerinnen und Apotheker als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung anerkennt, wie Frau Staatssekretärin Königsberger-Ludwig betont hat. Die Herausforderungen unseres Gesundheitssystems können nur bewältigt werden, wenn alle Gesundheitsberufe ihre Kompetenzen bestmöglich einbringen können. Die Apotheke ist längst mehr als eine Arzneimittelabgabestelle – sie ist eine wohnortnahe Gesundheitseinrichtung mit hoher pharmazeutischer Expertise. Nun müssen weitere Schritte gesetzt und die politischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden, dass neue Aufgaben, mehr Verantwortung und eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung auch nachhaltig möglich sind.“

Mag. pharm. Raimund Podroschko, VAAÖ-Präsident


„Politische Entscheidungen prägen unseren Berufsalltag.“
„Die Zukunft der Pharmazie wird wesentlich durch gesundheitspolitische Entscheidungen bestimmt. Ob neue pharmazeutische Dienstleistungen, Digitalisierung, Prävention oder die Einbindung der Apothekerinnen und Apotheker in die Primärversorgung – all das braucht klare gesetzliche Grundlagen und verlässliche Rahmenbedingungen. Gleichzeitig dürfen zusätzliche Aufgaben nicht zulasten der angestellten Kolleginnen und Kollegen gehen. Gute Gesundheitspolitik bedeutet daher auch, faireArbeitsbedingungen, ausreichende personelle Ressourcen, hochwertige Fortbildung und eine angemessene Honorierung sicherzustellen. Denn nur starke Apothekerinnen und Apotheker können dauerhaft eine starke Gesundheitsversorgung gewährleisten.“

Mag. Norbert Valecka, VAAÖ-Direktor

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