Während Priv.-Doz. Dr. Ulrike Famira-Mühlberger vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) die strukturellen Hürden beleuchtet, zeigte Dr. Thomas Cypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) konkrete Ansatzpunkte betreffend Effizienz und Versorgungsqualität auf. Sein Appell: Bestehende Strukturen hinterfragen, Fehlversorgung reduzieren und Mut zu Veränderungen aufbringen.
Der Wunsch nach Veränderung und der Reformdruck im österreichischen Gesundheitssystem sind hoch. Doch hier ergeben sich zahlreiche Hürden, die von den Speakern beim AHF verdeutlicht wurden. In ihrer Keynote „Der große Wurf, der selten gelingt – Österreichs schwieriger Weg zur Gesundheitsreform“ erläuterte Famira-Mühlberger, warum umfassende Reformen so schwierig umzusetzen sind. Aus ihrer Sicht gehören die Steuerung des Systems, die Finanzierung sowie die Verantwortung für die Versorgung zu den größten Herausforderungen. Und, obwohl der politische und gesellschaftliche Druck für eine Reform groß ist, würden die Vorteile eines erfolgreichen Umbaus häufig diffus bleiben, während Kosten und Veränderungen unmittelbar spürbar seien.
Wo im Gesundheitssystem trotzdem viel zu gewinnen ist, obwohl der große Wurf danebengeht, zeigte Cypionka auf. Seine zentrale Botschaft: Es gehe nicht darum, überall gleichermaßen zu sparen. Vielmehr müssten bestehende Leistungen und Strukturen systematisch überprüft werden. Stichwort: Leistungskataloge und gezielterer Einsatz von Ressourcen. Weiters gelte es, Doppelgleisigkeiten in der Versorgung zu vermeiden. Als konkrete Beispiele nannte er etwa MRT-Untersuchungen sowie den niedrigen Anteil an tagesklinischen Behandlungen. Es müsse an wichtigen Hebeln gedreht werden, etwa die frühzeitige Nutzung von Präventionsangeboten, die Reduktion von Über-, Unter- und Fehlversorgung sowie last but not least die verbesserte Abstimmung der Versorgungspfade.
Die beiden Keynotes machten die großen Herausforderungen einer umfassenden Gesundheitsreform deutlich. Einig ist man sich abschließend jedoch, dass die Politik den nötigen Mut aufbringen müsse, um richtige Reformen auf den Weg zu bringen.