Digitale Transformation gestalten

1. Internationale EPhEU-Konferenz in Zagreb


Mag. pharm.  Irene  Senn,  PhD


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Die Premiere hatte Symbolkraft: 14 Jahre lang traf sich die EPhEU (Employed Community Pharmacists in Europe) vor allem intern, bei Generalversammlungen und Board-Meetings. Nun öffnete sich der 2012 in Wien gegründete Verband erstmals einer breiten Fachöffentlichkeit. Gemeinsam mit dem kroatischen Partnerverband Progressus und unter der Schirmherrschaft von Parlament und Gesundheitsministerium brachte die Veranstaltung in Zagreb Vertreter:innen von FIP, PGEU und der Gewerkschaftsföderation EPSU mit Wissenschaft, Industrie und Studierenden zusammen. Organisiert wurde die Konferenz von einem Team um Generalsekretärin Katarina Fehir Šola, dem neben Präsident Andreas May auch Katarina Milošević Kostadinović, Philippe Floquet, Caroline Wehrlé-Willer und Norbert Valecka ange­hörten.

Die Stoßrichtung gab May in seinem Grußwort vor: „Wie wir diesen Wandel gestalten, statt ihn bloß hinzunehmen, wird den Berufsstand für die nächste Generation prägen.“ Schon in der Eröffnung wurde die EU-Verordnung über Künstliche Intelligenz (EU AI Act) thematisiert: KI-Systeme für klinische Entscheidungsunterstützung oder Medikationsmanagement können als Hochrisiko-Systeme gelten. Menschliche Kontrolle muss jedenfalls verpflichtend bleiben – und mit ihr der Aufbau von KI-Kompetenz im Team.

Vertrauensanker im digitalen System

Den inhaltlichen Rahmen setzte FIP-Vizepräsident Robert Moss. Seine Keynote zeichnete das Bild der Apotheker:innen als „Trusted Gatekeepers“: Telemedizin, vernetzte Gesundheits­akten, Wearables und KI verändern die Versorgung grundlegend – doch erst die Apotheke vor Ort macht Techno­logie für Patient:innen sicher und persönlich. Zugleich benannte er eine Schwachstelle, die eine FIP-Erhebung aus 2021 (1.060 Befragte in 91 Ländern) beziffert: 61 % nutzen digitale Werkzeuge täglich, doch nur 25 % haben dafür je eine formale Schulung erhalten. Sein Appell: Apotheker:innen sollen sich dort einbringen, wo über die digitale Zukunft ihres Berufs entschieden wird – statt zu warten, bis andere das für sie tun.

Ana Soldo, Präsidentin der kroatischen Apothekerkammer und designierte PGEU-Vizepräsidentin, übersetzte das in die politische Dimension. Digitalisierung eröffne Chancen für sicherere und besser vernetzte Versorgung, dürfe aber keine Barriere werden, die Menschen von der Versorgung entfernt. Ältere Patient:innen und Menschen mit geringer digitaler Kompetenz brauchen die Apotheke als „Übersetzerin“ zwischen System und Alltag – vor allem abseits der Ballungsräume, wo sie oft die einzige ohne Termin erreichbare Gesundheitseinrichtung ist. Mit Blick auf den European Health Data Space (EHDS), dessen Durchführungsbestimmungen ab März 2027 greifen und der ab März 2029 erste Dienste wie Patientenkurzakte und e-Rezept bringen soll, forderte Soldo die formale Einbindung der Offizinapotheker:innen in die Daten-Governance sowie Infrastruktur, Schulung und Cybersicherheit auch für kleine Apotheken.

KI: Hohes Bewusstsein, zögerliche Anwendung

Wie groß die Kluft zwischen Anspruch und Praxis derzeit ist, illustrierte Frane Pešut (PLIVA/Teva) mit einer US-Erhebung unter praktizierenden Apo­theker:innen aus 2025: 82,5 % kennen KI, aber nur 38,7 % setzen sie beruflich ein. Die nächste KI-Generation werde über Frage-Antwort-Systeme hinausgehen und zunehmend vorhersagen, priorisieren und handeln – etwa bei der Therapietreue chronisch Kranker. Die menschliche Rolle werde dadurch wichtiger, nicht kleiner: 40 % der Patient:innen suchen die Apotheke gezielt für das persönliche Gespräch auf, 44 % wollen den direkten Kontakt nicht missen.

Einen kritischen Aspekt brachte der Medizininformatiker Pero Hrabač von der Universität Zagreb ein: Jedes KI-Modell spiegle das Gesundheitssystem wider, mit dessen Daten es trainiert wurde – samt dessen Verzerrungen. Datenqualität, lokale Validierung und klare Verantwortlichkeiten seien keine technischen Randfragen, sondern Voraussetzung für den klinischen Einsatz.

Ausbildung zieht nach

Dass die Transformation bereits in der Lehre angekommen ist, belegten gleich mehrere Beispiele: Die Universität ­Zagreb hat Digital Pharmacy als Pflichtfach im Pharmaziestudium verankert, in Frankreich wurde die Reform der Pharmazieausbildung im Jänner 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und die Fakultät Strasbourg stellt ihr ­Curriculum auf ein kompetenzbasiertes Modell um. 

Den Abschluss bildete eine hoch­rangig besetzte Podiumsdiskussion zur Frage, wie Digital Health die öffentliche Apotheke bis 2035 verändern wird, ehe der Tag beim Networking-Dinner ausklang. 

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