IT-Lösung zur Verbesserung der Medikamenten-Versorgung

Apothekerkammer entwickelt MediFinder

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Symbolbild: Verschiedene Medikamente © Shutterstock
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Schon seit Jahren stehen die mehr als 6.800 heimischen Apothekerinnen und Apotheker vor einem massiven Problem: Dringend benötigte Medikamente sind nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Rund 600 Arzneimittel betrifft das laut Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) durchschnittlich – darunter Antibiotika, Blutdruckmittel oder Schmerzmittel.

Die Leidtragenden an dieser Situation sind die Patientinnen und Patienten. In den mehr als 1.400 Apotheken wird tagtäglich alles darangesetzt, diese Engpässe zu kompensieren – und zwar in den allermeisten Fällen mit Erfolg. Sehr oft beginnt die Suche nach den benötigten Arzneimitteln mit Naheliegendsten: der Kontaktaufnahme mit Kolleginnen und Kollegen in der näheren – und bei Bedarf auch weiteren – Umgebung. Und genau hier setzt der MediFinder an.

Was ist der MediFinder?

Auf der digitalen Plattform MediFinder, die ausschließlich für Apotheker:innen erstellt wurde, können Suchanfragen nach fehlenden Medikamenten schnell und unkompliziert mittels weniger Klicks eingetragen werden. Weiters besteht die Möglichkeit, die Suche auf ein bzw. mehrere Bundesländer einzugrenzen oder den gesamten österreichischen Raum abzubilden. Genauso einfach erfolgt dann die Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon und die Bereitstellung der Medikamente. „In der Apotheke kümmern wir uns tagtäglich darum, dass es trotz massiver Lieferengpässe nicht zu gravierenden Versorgungsproblemen kommt. Mit dem MediFinder haben wir ein zusätzliches Instrument geschaffen, das es uns Apothekerinnen und Apothekern noch schneller ermöglicht, mit der Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen Engpässe schnell zu schließen. Mein Handy zeigt mir nun zum Beispiel an, dass in der Apotheke im Nachbarort ein Medikament fehlt und ich kann – wenn ich das Arzneimittel lagernd habe – sofort reagieren “, erklärt Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK).

Bevor der MediFinder für alle Apotheken in ganz Österreich ausgerollt wird, startet das Projekt in den 211 Apotheken in Oberösterreich. „Ist ein Medikament nicht verfügbar, ist das gerade für Familien mit Kindern oft eine mittlere Katastrophe. Wichtig ist, hier zu helfen. Gerade, wenn die Lösung oft nahe liegt, in der Apotheke der Nachbargemeinde. Wir sind stolz darauf, in Oberösterreich mit diesem Projekt zu starten. Wir gehen neue Wege und verharren nicht in alten Mustern. Zusammenarbeit und Kooperation sind gerade in dieser Situation die richtige Antwort, um die Versorgung zu sichern.  Danke an die Apothekerkammer für diese Initiative. Gemeinsam schaffen wir einen unmittelbaren Vorteil für die Menschen“, sagt Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag. Christine Haberlander, die erfreut ist, dass Oberösterreich als Pilotbundesland für diese Verbesserung der Versorgung auserkoren wurde

„Medikamenten-Engpässe entstehen, wenn internationale Lieferketten nicht funktionieren. Die Apotheken stehen in dieser Kette am undankbaren vorletzten Platz unmittelbar vor den Patientinnen und Patienten und bekommen den Frust der Betroffenen mitunter deutlich zu spüren. Der MediFinder ist eine zusätzliche Möglichkeit, diese für alle unzufriedenstellende Situation gemeinsam noch effizienter zu lösen“, erklärt Mag. pharm. Thomas W. Veitschegger, Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer.

Weitere Schritte gegen Lieferengpässe sind nötig

Mursch-Edlmayr und Veitschegger weisen in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass Medikamenten-Engpässe bzw. Lieferschwierigkeiten von Arzneimitteln EU-weit gelöst werden müssen. Ein erster wichtiger und von der ÖAK schon lange geforderter Schritt zur Bereitstellung von Rohstoffen in Großlagern in Österreich befindet sich seitens der Politik und der Großhändler inzwischen in Umsetzung. Doch damit ist es nicht getan. Die Produktion von Arzneimitteln muss aus dem asiatischen Raum zurück in europäische Länder geholt werden. „Nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller europäischer Länder können wir dem Mangel an Medikamenten wirkungsvoll entgegentreten. Es muss sichergestellt werden, dass die Menschen die bestmögliche Gesundheitsversorgung erhalten“, sind sich Mursch-Edlmayr und Veitschegger einig.
„Bei der Versorgung mit wesentlichen Gütern, ob Schutzausrüstung in der Corona Pandemie, Gas in der durch Russland verursachten Energiekrise, oder Medikamenten, gilt es einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Die Europäische Union ist dringend gefordert, Schritte zur Re-Europäisierung dieser Industrien zu setzen“, so die oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheitslandesrätin. 

OTS

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