Wenn UV-Strahlen, insbesondere im UV-B-Bereich, in die Oberhaut eindringen, kommt es nach Überschreiten der eigenen Schutzzeit der Haut zu einem Sonnenbrand. Es folgen DNA-Schäden, die akute Entzündungsreaktionen und Zytokine freisetzen (z. B. IL-1, IL-6, TNF-α), wodurch Erytheme, Schmerzen, Schwellung und Juckreiz entstehen. Bei schwerem Sonnenbrand kommt es durch vermehrte Zytokinfreisetzung zur Flüssigkeitsansammlung im Gewebe bis hin zur Bläschenbildung, was einer oberflächlichen Verbrennung zweiten Grades entspricht. Jeder einzelne Sonnenbrand beansprucht den Organismus. Langfristig kann es bei wiederholter UV-Exposition zu Folgen wie Photoaging und einem erhöhten Melanomrisiko kommen. Besonders gefährdet sind helle Hauttypen, Menschen mit einer Immunsuppression oder familiärer Vorgeschichte. Vor allem im Kindesalter ist eine Vermeidung von Sonnenbränden relevant, denn bereits wenige schwere Sonnenbrände im Kindes- oder Jugendalter können das spätere Melanomrisiko signifikant erhöhen.
Der Sonnenstich (Insolation) ist hiervon abzugrenzen und entsteht primär durch direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf- und Nackenbereich. Die genaue Pathophysiologie ist nicht abschließend geklärt; vermutlich spielen lokale Überhitzung und eine Reizung von Hirnhäuten und ZNS eine Rolle. Klinisch manifestiert sich dies durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen sowie eine Nackensteifigkeit; in schweren Fällen kann ein zerebrales Ödem auftreten. Im Gegensatz zur generalisierten Hyperthermie ist die Körperkerntemperatur nicht zwingend erhöht, was die Diagnostik erschweren kann.
Gesundheitsrisiko Hitze
Jedoch birgt nicht nur direkte Sonne ein gesundheitliches Risiko, sondern Hitze im Allgemeinen. Die Überhitzung im Sinne einer Hyperthermie entsteht, wenn die körpereigene Wärmeabgabe die Wärmeproduktion bzw. die externe Wärmezufuhr nicht mehr kompensieren kann. Physiologisch wird die Thermoregulation zentral durch den Hypothalamus gesteuert, der über Vasodilatation und Schweißsekretion eine Wärmeabgabe ermöglicht. Vasodilatation sowie Natrium- und Wasserretention können zu Unterschenkel-/Knöchelödemen führen, welche durch Kühlungsmaßnahmen und Hochlagern leicht behebbar sind. Starke Schweißsekretion kann zu einem sogenannten Hitzeausschlag führen, der häufig bei kleinen Kindern auftritt. Neben der Vermeidung starken Schwitzens kann äußerlich zum Beispiel eine Zinkschüttelmixtur Linderung verschaffen. Ein weiteres Zeichen von Dehydratation und Elektrolytverlust sind Hitzekrämpfe, die häufig nach intensiver körperlicher Anstrengung auftreten und durch orale Elektrolytlösungen gut therapierbar sind.
Notfall Hitzschlag
Bei hoher Umgebungstemperatur, hoher Luftfeuchtigkeit oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr versagt die Thermoregulation zunehmend. Die verstärkte Hautdurchblutung führt zu einer relativen Hypovolämie mit potenzieller Hypotonie und kompensatorischer Tachykardie. Dies äußert sich häufig durch Schwäche, Unwohlsein und Schwindel, während die Körperkerntemperatur noch normal bleibt und keine gravierenden neurologischen Symptome auftreten. Steigt die Körperkerntemperatur auf über 40 °C an, kommt es auf zellulärer Ebene zu Protein-Denaturierung, mitochondrialer Dysfunktion und zur Aktivierung proinflammatorischer Signalwege. In der Folge kann es zu Multiorganschäden kommen, wobei insbesondere das zentrale Nervensystem (ZNS), die Leber und die Nieren betroffen sind. Der Hitzschlag stellt die schwerste Verlaufsform dar und ist durch neurologische Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Sprachstörungen, Bewusstlosigkeit sowie lebensgefährliche Hirnödeme gekennzeichnet. Der Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall, daher sind schnelle Erste-Hilfe-Maßnahmen, Kühlung und Verständigung der Rettung essenziell. Antipyretika sind beim Hitzschlag nicht wirksam, da es sich nicht um ein Fiebergeschehen handelt. Je nach Literatur wird eine Letalität von 10–80 % angegeben.
Wer besonders gefährdet ist
Besonders gefährdet von Hitze sind Populationen mit eingeschränkter Thermoregulation oder reduzierter Anpassungsfähigkeit, wie z. B. Schwangere oder Menschen mit Behinderung. Bei Säuglingen und Kindern ist die Thermoregulation noch nicht vollständig ausgereift; sie verfügen über eine geringere Schweißproduktion und ein ungünstiges Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse, was eine raschere Erwärmung begünstigt. Ältere Menschen hingegen weisen eine reduzierte Schweißsekretion, ein vermindertes Durstempfinden sowie eine verminderte kutane Durchblutung und somit eine verminderte Wärmeabgabe auf. Hinzu kommen häufig Komorbiditäten wie kardiovaskuläre oder metabolische Erkrankungen, die oftmals mit einer Einnahme von Medikamenten wie Diuretika, Anticholinergika oder Betablockern einhergehen, die die Thermoregulation zusätzlich beeinträchtigen können. Die Heidelberger Hitzetabelle listet besonders kritische Medikamente auf, die den Körper bei Hitze zusätzlich belasten oder deren Wirkung durch hohe Temperaturen verändert werden kann. Neu ist die Calor-Liste, die Hinweise zu hitzebedingten Medikationsanpassungen gibt. Bei Hitze kann es bei Atemwegs-, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Diabetes sowie Autoimmunerkrankungen wie z. B. Multiple Sklerose zur Verschlechterung der Symptomatik kommen.
Innenräumen
Der effektivste Schutz vor Hitze besteht darin, die Wärmelast vor dem Eindringen in den Körper zu reduzieren, also Innenräume möglichst kühl zu halten.
Bauliche Maßnahmen wie Rollläden, Sonnensegel, reflektierende Fensterfolien, helle Oberflächen oder Begrünung können die Erwärmung verringern. Bereits aufgeheizte Räume lassen sich durch Klimageräte, Wärmepumpen mit Kühlfunktion sowie nächtliches oder frühmorgendliches Lüften abkühlen. Im betrieblichen Umfeld ist zudem die Arbeitsorganisation entscheidend. Dazu gehören angepasste Arbeitszeiten, etwa die Verlagerung belastender Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten oder Orte. Strukturierte Hitzeschutzpläne mit Maßnahmen wie zusätzlichen Pausen, Trinkvorgaben oder reduzierter Arbeitsintensität sind ebenfalls sinnvoll.
Prävention & Erste-Hilfe-Maßnahmen
Präventionsmaßnahmen sind von zentraler Bedeutung und zielen darauf ab, die persönliche thermische Belastung zu minimieren. Eine ausreichende Hydratation ist essenziell und sollte insbesondere bei Risikogruppen aktiv sichergestellt werden (z. B. mittels strukturierter Trinkpläne älterer Personen), da das Durstgefühl kein verlässlicher Indikator ist. Der Aufenthalt in schattigen bzw. klimatisierten Umgebungen sowie das Tragen atmungsaktiver Kleidung tragen zur Reduktion der Wärmeaufnahme bei. Die Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung während der Mittagsstunden (ab UV-Index 3) ist ebenso wichtig wie das Tragen von geeigneter Kleidung und Kopfbedeckungen und der konsequente UV-Schutz durch gleichmäßiges Auftragen von Sonnenschutzmittel in ausreichender Menge (2 mg/cm2) und mit hohem Lichtschutzfaktor. Die Schutzzeit kann durch wiederholtes Auftragen aufrechterhalten, aber nicht verlängert werden.
Kommt es zu hitzebedingten Gesundheitsstörungen, können allgemeine Kühlungsmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu zählen das Eintauchen in Wasser, das Besprühen der betroffenen Personen mit Wasser und die Kühlung mittels Luftstrom sowie die Applikation von Kühlpacks an Nacken, Leisten und Achseln.
Politische Maßnahmen
Entscheidend ist die frühzeitige Prävention, da die Vermeidung von Überhitzung wesentlich effektiver ist als deren nachträgliche Behandlung. In Österreich dient der nationale Hitzeschutzplan als Orientierung für Behörden sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und enthält unter anderem Hitzewarnsysteme, Notfallpläne für Gesundheitseinrichtungen, Maßnahmen zum Schutz vulnerabler Gruppen sowie Informationskampagnen für die Bevölkerung.
Besonders in Städten sind lange Hitzeperioden mit geringer nächtlicher Abkühlung spürbar. Klimatisierte Aufenthaltsräume, Beschattung und Trinkbrunnen können die Hitzebelastung im urbanen Raum verringern. Öffentliche Institutionen haben zudem eine wichtige Vorbildfunktion, indem sie klimafreundliche Maßnahmen umsetzen und so die Akzeptanz individueller Schutzmaßnahmen fördern. Da viele Hitzeschutzmaßnahmen kostenintensiv sind, können staatliche Förderungen ihre Umsetzung erleichtern. Trotz bestehender Hitzeschutzpläne und Klimaschutzkonzepte reichen die bisherigen Maßnahmen angesichts zunehmender Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen vielerorts noch nicht aus und verbindliche Maßnahmen sind zwingend erforderlich.
Quellen
- Winklmayr C, et al.: Hitze in Deutschland: Gesundheitliche Risiken und Maßnahmen zur Prävention. Gesundheitsberichterstattung des Bundes gemeinsam getragen von RKI und DESTATIS. Journal of Health Monitoring 2023/ 8 (S4). DOI: 10.25646/11645
- Heidelberger HitzeTabelle, abgerufen am 15.06.26
- World Health Organization. Heat and health in the WHO European Region: updated evidence for effective prevention, WHO, 2021
- Nationaler Hitzeschutzplan: Vulnerable Gruppen im Fokus
- Coole Zonen - Stadt Wien