Wie psychosoziale Belastungen den Schlaf stören
Bei Kindern und Jugendlichen können verschiedene Faktoren Stress und Ängste verursachen. Dazu zählen Leistungsdruck in der Schule, anstehende Prüfungen oder familiäre Konflikte wie Trennungen der Eltern. Diese psychische Belastung verzögert das Einschlafen, führt zu häufigerem Aufwachen und verschlechtert die Schlafqualität. Zusätzlich wirkt sich das nächtliche Scrollen in sozialen Netzwerken auf mehreren Ebenden negativ aus: Es hält mental aktiv, fördert Vergleichs- und Angstgefühle und verschiebt die Schlafzeit – sowohl durch Bildschirmlicht als auch durch emotional aufwühlende Inhalte. Mehrere neuere Übersichtsarbeiten dokumentieren den Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und schlechterem Schlaf bei Jugendlichen. MDPI
Früh beginnende Schulzeiten verschärfen das Problem: Biologische Verschiebungen der inneren Uhr in der Pubertät führen zu späterer Einschlafbereitschaft, während der Wecker trotzdem früher klingelt. Studien zeigen, dass spätere Schulanfangszeiten die Schlafdauer verlängern und positive Effekte auf Tagesmüdigkeit, Noten und Verhalten haben können. PMC
Nahrung, Getränke und Zusatzstoffe — Zucker, Koffein und Co.
Koffein ist ein leistungsfähiges Stimulans mit langer Halbwertszeit. Kaffee, Cola, Energydrinks oder auch manche koffeinhaltige Schokolade können die Schlaflatenz verlängern und die Schlafqualität verringern – besonders bei Jugendlichen, die häufig Energy-Drinks konsumieren. Epidemiologische Studien und Übersichtsarbeiten verknüpfen einen erhöhten Konsum koffeinhaltiger Getränke mit einer verkürzten Schlafdauer und einer schlechteren Schlafqualität. PMC
In Beobachtungsstudien wird auch ein Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und einer kürzeren Nachtschlafdauer bzw. einem größeren Schlafdefizit festgestellt. Die Effekte können indirekt über abendliche Aktivierung, Blutzuckerschwankungen oder assoziiertes Nutzungsverhalten (z. B. Nutzung des Handys während des Konsums) erklärt werden. Deshalb sind sowohl koffeinhaltige als auch stark zuckerhaltige Getränke in den Abendstunden problematisch. Frontiers
Hinweis zu Zusatzstoffen: Für die meisten in Lebensmitteln erlaubten Zusatzstoffe gibt es keine eindeutigen Belege dafür, dass sie bei normaler Einnahme Schlafstörungen auslösen. Problematisch sind jedoch hochdosierte, nicht regulierte Nahrungsergänzungsmittel und vor allem Kombinationsprodukte (z. B. manche „Wachmacher“), die Koffein, Taurin und andere stimulierende Substanzen in hoher Konzentration enthalten.
Langfristige Folgen von chronischem Schlafmangel
Chronischer Schlafmangel ist keine vorübergehende Einschränkung, sondern wirkt sich auf Stimmung, Lernen und Körpergewicht aus. Experimentelle und Beobachtungsdaten zeigen, dass bereits eine moderate Reduktiondes Schlafs Gedächtnis- und Lernprozesse (insbesondere die Konsolidierung von Informationen) stört, die emotionale Regulationsfähigkeit verschlechtert und das Risiko für depressive Symptome und erhöhte Reizbarkeit erhöht. PMC
Schlafdefizite verändern darüber hinaus hormonelle Regelkreise (z. B. Ghrelin/Leptin, Cortisol) und das Essverhalten. Dies geht mit einem erhöhten Risiko für Gewichtszunahme und Adipositas einher. Zusammengefasst: Müdigkeit ist also nicht nur ein Symptom, sondern kann auch ein Treiber für weitere gesundheitliche Probleme werden. Siehe dazu auch neuere Übersichten zur somatischen und psychischen Belastung durch Schlafmangel.
Schlafprobleme im Alter — wenn der Schlaf leichter und kürzer wird
Schlafveränderungen sind ein normaler Teil des Alterungsprozesses Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil des Tiefschlafs ab, der Schlaf wird fragmentierter und das frühmorgendliche Erwachen tritt häufiger auf. Hinzu kommen altersassoziierte Faktoren, die den Schlaf stören können: chronische Erkrankungen (z. B. Schmerzen, Herz- oder Lungenerkrankungen), nächtlicher Harndrang, eingeschränkte Mobilität sowie psychosoziale Belastungen wie Einsamkeit oder der Verlust von Partnern. Auch Medikamente können den Schlaf negativ beeinflussen: Diuretika, Kortikosteroide, bestimmte Antidepressiva oder Betablocker verkürzen die Schlafdauer, während sedierende Substanzen das Sturz- und Verwirrtheitsrisiko erhöhen.
Schlafstörungen sind kein Randphänomen einzelner Lebensphasen, sondern spiegeln gesellschaftliche, biologische und psychosoziale Entwicklungen wider – vom überforderten Schulkind bis zum älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen und komplexer Medikation. Leistungsdruck, digitale Dauerpräsenz und ungünstige Ernährungsgewohnheiten rauben ebenso den Schlaf wie Schmerzen, Einsamkeit oder Medikamente. Entscheidend ist dabei die richtige Einordnung: Nicht jede schlaflose Nacht ist behandlungsbedürftig, anhaltender Schlafmangel jedoch ein ernstzunehmender Risikofaktor für Gesundheit, Lernen und Lebensqualität. Gerade hier kommt dem pharmazeutischen Personal eine Schlüsselrolle zu – als sachliche Erstansprechstelle, die aufklärt, unrealistische Erwartungen korrigiert, Selbstmedikation kritisch begrenzt und bei Warnsignalen konsequent zur ärztlichen Abklärung rät.