Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, betrifft vor allem die Wirbelsäule und die Kreuz-Darmbein-Gelenke (ISG) und tritt meist bei jungen Erwachsenen zwischen 20–35 Jahren auf. Typisch ist ein entzündlicher Rückenschmerz, der sich bei Ruhe verschlechtert, bei Bewegung bessert und häufig in der zweiten Nachthälfte auftritt. Betroffene berichten zudem von mehr als 30 Minuten andauernder Morgensteifigkeit, nächtlichen Schmerzen oder Augenentzündungen (Uveitis). Die Erkrankung kann die gesamte Wirbelsäule betreffen, einschließlich der Halswirbelsäule.
Geschlechtsspezifische Unterschiede spielen eine wichtige Rolle: Bei Männern stehen oft starke axiale Beschwerden im Vordergrund, insbesondere im Bereich des ISG. Bei Frauen manifestiert sich die Erkrankung häufiger mit peripheren Schmerzen (z. B. an Gelenken der Extremitäten, Sehnenansätzen), die nicht nur auf das ISG beschränkt sind. Zusätzlich leiden Frauen oft stärker unter psychischen Belastungen wie anhaltendem Stress, Fatigue und Burn-out-Symptomen, bevor die Diagnose gestellt wird.
• Beginn meist zw. 20–35 Jahren
• Entzündlicher Rückenschmerz: Verbesserung
bei Bewegung
• Morgensteifigkeit > 30 Minuten
• Häufig: Uveitis (Augenentzündung), Erschöpfung
• Betroffen: gesamte Wirbelsäule inkl. HWS
Männer
vorwiegend ISG + HWS
Frauen
eher ISG + periphere Gelenk-/Sehnenbeschwerden + psych. Belastung
Diagnoseverzögerung in Österreich:
bis zu 8 Jahre (bei Frauen + 2 Jahre).
Frühzeitige rheumatologische Abklärung entscheidend!
Da die Symptome häufig unspezifisch erscheinen, werden sie leicht mit degenerativen Rückenschmerzen oder anderen Erkrankungen verwechselt. Genau hier können Apotheker:innen eine wichtige Rolle spielen – als erste Ansprechpartner bei chronischen oder wiederkehrenden Rückenschmerzen.
Ein besonderes Augenmerk verdient die Schmerzmittelproblematik. Viele Patient:innen greifen über Jahre hinweg zu nichtsteroidalen Antirheumatika, oft ohne ausreichende ärztliche Begleitung. Apotheker:innen können nicht nur den achtsamen Einsatz dieser Präparate fördern, sondern auch auf eine mögliche entzündliche Ursache aufmerksam machen und zur ärztlichen Abklärung motivieren. „Haben Sie Ihre Rückenschmerzen schon einmal rheumatologisch abklären lassen?“ kann ein entscheidender Anstoß sein.
Apotheker:innen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Patient:innen, Arzt/Ärztin und Alltag. Ihr geschulter Blick und das Vertrauensverhältnis zu den Kund:innen können wesentlich dazu beitragen, dass aus langen Leidenswegen früher erkannte und besser behandelte Krankheitsgeschichten werden.
Die Österreichische Vereinigung Morbus Bechterew (ÖVMB) setzt sich seit 1984 für Betroffene ein – durch Beratung, Bewegung und Begegnung in 9 Landesstellen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern und die Krankheitskompetenz zu steigern.
Weitere Informationen unter: www.bechterew.at