Die zunehmende globale Bedeutung der Augengesundheit und die wachsende Belastung durch veränderte Lebensgewohnheiten werden auch in aktuellen internationalen Analysen hervorgehoben [1]. Für Apotheken ergibt sich daraus eine wichtige Beratungsaufgabe: Kund:innen über präventive Maßnahmen zur Augengesundheit aufzuklären und praktische Tipps für den Alltag zu geben.
1. Zu lange Bildschirmzeiten ohne Pause
Digitale Geräte führen zu einer deutlich reduzierten Lidschlagfrequenz. Während normalerweise etwa 15–20 Mal pro Minute geblinzelt wird, sinkt dieser Wert bei Bildschirmarbeit deutlich, was zur Entwicklung von Beschwerden wie trockenen Augen beitragen, kann [2,3].
2. Falsche Beleuchtung
Zu helles oder zu dunkles Licht sowie Blendungen durch Bildschirme oder Lampen führen zu zusätzlicher Anstrengung der Augenmuskulatur und können visuelle Ermüdung verstärken [3].
3. Unzureichender UV-Schutz
Langfristige UV-Exposition ist ein Risikofaktor für verschiedene Augenerkrankungen, darunter Katarakt und Netzhautschäden [1].
4. Kontaktlinsen-Fehlgebrauch
Fehlerhafte Anwendung und Hygiene bei Kontaktlinsen erhöhen das Risiko für Infektionen und Irritationen der Augenoberfläche [7].
5. Schlechte Ernährung
Ein Mangel an wichtigen Mikronährstoffen wie antioxidativen Vitaminen und Carotinoiden kann die Augengesundheit negativ beeinflussen und ist mit degenerativen Erkrankungen assoziiert [5,8]
Wie lassen sich die Augen fit halten?
Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen zur Erhaltung der Augengesundheit sind einfach umzusetzen und lassen sich gut in den Alltag integrieren.
1. Die 20-20-20-Regel
Die 20-20-20-Regel ist eine einfache Methode, um deine Augen bei Bildschirmarbeit zu entlasten. Regelmäßige Blickwechsel, am besten alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne können die Augenmuskulatur entlasten und Symptome digitaler Augenbelastung reduzieren [2].
2. Bewusstes Blinzeln
Ein bewusstes Erhöhen der Lidschlagfrequenz stabilisiert den Tränenfilm und beugt trockenen Augen vor [7].
3. Optimale Arbeitsplatzgestaltung
Bildschirm leicht unter Augenhöhe positionieren
Abstand: etwa 50–70 cm
Blendungen vermeiden
Ergonomische Maßnahmen tragen wesentlich zur Reduktion visueller Belastung bei [3].
4. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
Eine gute Hydrierung unterstützt die Funktion des Tränenfilms und die Stabilität der Augenoberfläche [7].
5. Gesunde Ernährung
Lebensmittel mit augenfreundlichen Nährstoffen sind z. B.:
Karotten (Beta-Carotin)
Grünes Blattgemüse wie Spinat (Lutein, Zeaxanthin)
Fisch wie Lachs (Omega-3-Fettsäuren)
Insbesondere Carotinoide und Omega-3-Fettsäuren zeigen in Studien einen protektiven Effekt auf die Netzhaut und können das Risiko für altersbedingte Augenerkrankungen senken [5,6].
6. UV-Schutz nicht vergessen
Ein konsequenter UV-Schutz trägt zur Prävention langfristiger Augenschäden bei [1].
Augentraining: Sinnvolle Übungen für zwischendurch
Auch wenn Augentraining keine Fehlsichtigkeiten heilen kann, können bestimmte Übungen die Augen entspannen und Beschwerden reduzieren. Insbesondere Maßnahmen zur Entlastung der Akkommodation und zur Stabilisierung des Tränenfilms sind sinnvoll [2,7].
1. Palmieren
Die Hände werden aneinander gerieben und anschließend locker auf die geschlossenen Augen gelegt.
2. Fokuswechsel
Abwechselnd einen nahen und einen weit entfernten Punkt fixieren.
3. Augenbewegungen
Die Augen langsam nach oben, unten, rechts und links bewegen – ohne den Kopf zu bewegen.
4. Blinzelübungen
Mehrfach hintereinander bewusst blinzeln, anschließend die Augen kurz schließen.
Rolle der Apotheke in der Beratung
Apotheken können eine zentrale Rolle in der Prävention spielen. Neben der Empfehlung geeigneter Tränenersatzmittel können auch evidenzbasierte Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Besonders bei trockenen Augen ist eine leitlinienbasierte Beratung wichtig [7].
Zudem sollte bei anhaltenden Beschwerden stets eine augenärztliche Abklärung erfolgen, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen [1].
Quellen
- Burton MJ, Ramke J, Marques AP, et al. The Lancet Global Health Commission on Global Eye Health: vision beyond 2020. Lancet Glob Health. 2021;9(4)–e551. https://doi.org/10.1016/S2214-109X(20)30488-5
- Sheppard AL, Wolffsohn JS. Digital eye strain: prevalence, measurement and amelioration. BMJ Open Ophthalmol. 2018;3. https://doi.org/10.1136/bmjophth-2018-000146
- Rosenfield M. Computer vision syndrome: a review of ocular causes and potential treatments. Ophthalmic Physiol Opt. 2016;36(5):502–515. https://doi.org/10.1111/opo.12307
- Yam JC, Jiang Y, Tang SM, et al. Low-concentration atropine for myopia progression (LAMP study). Ophthalmology. 2019;126(1):113–124. https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2018.05.029
- Seddon JM, Ajani UA, Sperduto RD, et al. Dietary carotenoids, vitamins A, C, and E, and advanced age-related macular degeneration. JAMA. 1994;272(18):1413–1420. https://doi.org/10.1001/jama.272.18.1413
- SanGiovanni JP, Chew EY. The role of omega-3 fatty acids in the prevention of age-related macular degeneration. Prog Retin Eye Res. 2005;24(1):87–138. https://doi.org/10.1016/j.preteyeres.2004.06.002
- Craig JP, Nichols KK, Akpek EK, et al. TFOS DEWS II Definition and Classification Report. Ocul Surf. 2017;15(3):276–283. https://doi.org/10.1016/j.jtos.2017.05.008
- Downie LE, Keller PR. Nutrition and the eye. Clin Exp Optom. 2015;98(6):500–515. https://doi.org/10.1111/cxo.12307