therische Öle sind längst mehr als nur Duftstoffe: In der Aromatherapie rücken sie zunehmend als ergänzende Option bei psychischen und körperlichen Beschwerden in den Fokus. Besonders Citrusöle zeigen in verschiedenen Lebensphasen von Frauen interessante Potenziale – von PMS über Schwangerschaft bis zur Postmenopause.
Die Verwendung ätherischer Öle für unsere Gesundheit hat eine lange Tradition. Schon in den antiken Hochkulturen wurden Salben und Balsame mit den Duftstoffen verschiedener Pflanzen wie Myrten, Zedern und Zypressen angereichert. Dabei wirken diese nicht nur auf unsere körperliche Gesundheit, sondern können durch ihren Geruch auch unsere Gefühle beeinflussen und sogar bei der Partnerwahl mitmischen. In der wissenschaftlichen Aromatherapie als Teilgebiet der Phytotherapie werden ätherische Öle sowohl bei physischen als auch bei psychischen Beschwerden eingesetzt. Zahlreiche Studien liefern Hinweise auf die Wirksamkeit dieser Pflanzeninhaltsstoffe.
Die ätherischen Öle der verschiedenen Citrusarten werden vor allem bei unterschiedlichen psychischen Problemen wie Depressionen, Angststörungen und Stress angewandt. Ihre Wirkungen reichen von ausgleichend, belebend, stimmungsaufhellend bis zu konzentrationsfördernd und erfrischend. Der sonnige Charakter des Zitronenschalenöls unterstützt etwa bei depressiver Verstimmung.1 Eine Verbesserung von Angst und Anspannung konnte durch die Verwendung von Neroliöl bei Mäusen beobachtet werden.2 Auch weiterführende Studien über die Wirkung ätherischer Citrusöle bestätigen frühere Ergebnisse.
Neroliöl in der Schwangerschaft
Eine weitere Studie befasste sich mit der Wirkung von Neroliöl (Citrus aurantium flos) auf die Psyche von schwangeren Frauen.4 Die Wahrscheinlichkeit einer antenatalen Depression und/oder Angststörung liegt bei 15–20 % – vor allem bei entsprechender Vorgeschichte der schwangeren Frau, z. B. bei ungewollter Schwangerschaft, häuslicher Gewalt, Erfahrung einer stillen Geburt, u. v. m.5
Die Bewertung des Zustandes wurde mittels Selbstreport mit einer DASS-21-Skala durchgeführt. Außerdem wurde vorher bei allen Teilnehmerinnen ein Pusswald-Test zur Riechfunktion durchgeführt.
Das Probenmaterial war ein angereichertes Mazerat aus den pulverisierten Neroliblüten in süßem Mandelöl, das einen Gehalt von 47,2 % Linalool aufwies. Placebo war reines süßes Mandelöl. Ein Monat lang wurden zweimal täglich 5 Tropfen auf eine Gesichtsmaske von Frauen in der 27.–28. SSW getropft und 20 min eingeatmet.
Die Ergebnisse der Studie zeigten eine Reduktion von depressiven Verstimmungen und Angststörungen. Diese stimmen überein mit Resultaten vorangegangener Studien, die zum Beispiel eine Reduktion der Angst bei Frauen nach einem Kaiserschnitt oder beim Einsetzen der Wehen fanden. Eine Reduktion von Stress konnte nicht signifikant nachgewiesen werden.
Obwohl die Anwendungen von SSRI in der Schwangerschaft gut erforscht sind, zögern viele Patientinnen vor der Einnahme. Stattdessen greifen sie vermehrt zu Komplementär- bzw. Alternativmedizin (CAM). In einer Studie mit 2.000 Frauen gaben 48 % an, eine alternativmedizinische Beratung aufgesucht zu haben, und 52 % der Befragten verwendeten CAM in der Schwangerschaft. Frauen, die Aromatherapie anwendeten (17,4 %), gaben an, mehr Kontrolle über ihren Körper haben zu wollen.6
Bergamotte, Lavendel und Achtsamkeitsübungen in der Postmenopause
Eine weitere Studie befasste sich mit den Auswirkungen von ätherischem Bergamotte- und Lavendelöl sowie von Achtsamkeitsübungen (Mindfulness-based therapy, MBT) auf Symptome betreffend die Postmenopause.7 Diese Phase zeichnet sich unter anderem durch Probleme wie Schlaflosigkeit, Depressionen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Energielosigkeit bis hin zu Angstzuständen aus. Die teilnehmenden Frauen waren in ihrem Alter und ihrer psychischen Verfassung vergleichbar. Die Einstufung wurde mittels spezifischer Fragebögen durchgeführt: die Beck Anxiety Scale, die Greene Climacteric Scale of Symptoms und The Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI). Diese wurden jeweils zu Beginn, nach acht Wochen Intervention und nochmals zwei Monate danach als Follow-up ausgewertet.
Bergamotte und Grapefruit bei PMS
In einer randomisierten Studie wurden der Effekt von Bergamotte- und Grapefruitöl auf Beschwerden im Rahmen des Prämenstruellen Syndroms (PMS) untersucht.3
PMS beeinträchtigt die Lebensqualität von über 250 Mio. Frauen weltweit und ist durch Symptome wie Appetitlosigkeit, Gewichtszunahme, Übelkeit, Stimmungsschwankungen, Brustveränderungen, um nur einige zu nennen, gekennzeichnet.
Diese treten Tage bis zwei Wochen vor der Regelblutung auf und können schwerwiegende Auswirkungen auf den Alltag und die Beziehungen der betroffenen Frauen haben. Zusätzlich sollte in dieser Studie die Wirkung der Öle auf menstruelle Beschwerden untersucht werden.
Die Einstufung wurde mittels PMS-Skala durchgeführt, die die Schweregrade der Beschwerden misst. Zudem wurden mithilfe eines Menstrual Health Symptom Questionnaires unter anderem körperliche Beschwerden, menstruelle Schmerzen und normale Bewältigungsstrategien erfasst und eingestuft. Die Probandinnen, die zu Beginn einen vergleichbaren PMS-Wert aufwiesen, inhalierten dreimal täglich an vier aufeinanderfolgenden Tagen in der lutealen Phase (innerhalb 7 Tage vor der Periode) Bergamotteöl oder Grapefruitöl oder (geruchloses) Mandelöl. Dieser Vorgang wurde drei Monate hintereinander durchgeführt.
Es zeigte sich, dass sowohl das Bergamotte- als auch das Grapefruitöl die Gesamtpunkteanzahl von PMS-Werten signifikant reduzieren konnte. Dabei wirkte Bergamotte vor allem bei Depression, Nervosität und Schmerz, Grapefruit bei Depression, Angst, Appetitlosigkeit, Nervosität, Schlaf und Blähungen. Die Placebogruppe wies dagegen sogar eine Steigerung der Punkteanzahl auf. In Bezug auf menstruelle Beschwerden konnte nur in der Grapefruitgruppe in den Bereichen „Schmerz“ und „Bewältigungsstrategien“ eine signifikante Besserung erzielt werden.
Die Teilnehmerinnen wurden in vier Gruppen geteilt: herkömmliche Pflege plus Placebo (Propylenglykol), MBT plus Placebo, herkömmliche Pflege plus Aromatherapie und MBT plus Aromatherapie. Die Aromatherapieanwendung bestand aus einer Mischung von Bergamotte- und Lavendelöl 5 %ig in 60 %igem Ethanol. Acht Wochen lang wurden dreimal täglich zwei bis drei Tropfen ätherisches Öl oder Placebo respektive auf den Unterarm einmassiert und so inhaliert. Ebenso wurden jeweils Blutproben zur Messung des Serumcortisolspiegels genommen. Bei der Mindfulness-based therapy handelt es sich um Übungen zur bewussten Wahrnehmung des „Hier und Jetzt“ für besseren Fokus und Selbstannahme. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Reduktion der menopausalen Symptome und bei der Angstskala in der Aromatherapiegruppe. Eine Verbesserung der Schlafqualität (PSQI) wurde in der Gruppe MBT und der Gruppe Aromatherapie erzielt. Die Cortisolwerte zeigten keine signifikante Änderung. Diese Resultate werden unterstützt von ähnlichen Ergebnissen nach einer Applikation von Lavendel in Kapselform, welche bei Frauen in der Postmenopause ebenso eine signifikante Verbesserung des depressiven Zustandes bewirken konnte.8
Der Einsatz von ätherischen Ölen in den verschiedenen Lebensabschnitten von Frauen stellt eine große Bereicherung dar und kann vor allem bei psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen sehr hilfreich sein. Die Tatsache, dass Frauen gerne selbst die Kontrolle über ihren Körper behalten wollen, rückt die Naturheilkunde in die engere Wahl bei leichteren Symptomen oder als unterstützende Therapie. Dennoch wird bei bestehenden Beschwerden oder Vorerkrankungen eine ärztliche Konsultation empfohlen.
Quellen
1 Knasko, S: Ambient odor’s effect on creativity, mood, and perceived health. Chemical Senses 1992; 17 (1): 27-35
2 Jäger W, et al.: Evidence of the sedative effects of neroli oil, citronella and phenylethyl acetate on mice. Journal of Essential Oil Research 1992; 4: 387-394
3 Özer E, et al.: The effect of aromatherapy intervention with Bergamot and Grapefruit essential oils on premenstrual syndrome and menstrual symptoms:
a randomized controlled trial. BMC Complementary Medicine and Therapies 2025
4 Moradi M, et al.: The effect of aromatherapy with Citrus Aurantium essential oil on depression, stress and anxiety in pregnant women:
a randomized controlled clinical trial. Taiwanese Journal of Obstetrics & Gynecology 2025; 64
5 Biaggi A, et al: Identifying the women at risk of antenatal anxiety and depression: A systematic review. Journal of Affective Disorders 2016; 191: 62-77
Weitere Literatur auf Anfrage
Text: Mag. pharm. Dr. Barbara Našel, BEd