
Taurin kommt nicht nur in Getränken oder Lebensmitteln vor, sondern wird auch vom menschlichen Körper selbst produziert. Lange ging man davon aus, dass die Blutkonzentration von Taurin mit dem Alter zusammenhängt – und dass die Substanz das Altern möglicherweise sogar direkt beeinflusst oder verlangsamt. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat diese Annahme nun kritisch hinterfragt. Neue Daten legen nahe: Der Einfluss von Taurin auf den Alterungsprozess ist deutlich geringer als bislang vermutet.
Altersindikator
Seinen Ruf als Altersmarker verdankt Taurin früheren Studien: Bei Mäusen, Fadenwürmern und Affen nahm der Taurinspiegel mit dem Alter ab. Bekamen die Tiere zusätzlich Taurin, lebten sie länger. Daraus entstand die Vermutung, dass ein niedriger Taurinspiegel auch bei Menschen ein Zeichen fortgeschrittener Alterung sein könnte – und dass eine Supplementierung den Alterungsprozess verlangsamen würde. Forschende des US-amerikanischen National Institute of Health (NIH) in Baltimore zeigen nun im Fachjournal Science, dass diese Schlussfolgerung zu kurz greift. Die Auswertung umfangreicher Langzeitstudien mit gesunden Proband:innen, Mäusen und Affen ergab: Taurinwerte im Blut verändern sich zwar über die Zeit – diese Schwankungen hängen jedoch nicht zwingend mit dem Alter zusammen. Der Unterschied zu früheren Studien lag darin, dass das NIH-Team nicht nur Querschnittsdaten untersuchte, also Momentaufnahmen, sondern auch Längsschnittdaten – wiederholte Messungen bei denselben Individuen über längere Zeiträume. Dabei zeigte sich, dass Faktoren wie Ernährung oder Geschlecht oft stärkere Zusammenhänge mit den Taurinwerten aufwiesen als das Alter.
Erhöhte Krebsgefahr
Taurin ist nicht nur in der Anti-Aging-Debatte umstritten – es kann in bestimmten Fällen auch gefährlich werden. Eine weitere Studie, „Taurine from tumour niche drives glycolysis to promote leukaemogenesis“, durchgeführt in den USA, entdeckte in der Mikroumgebung von Blutkrebszellen ungewöhnlich hohe Taurinkonzentrationen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rät, täglich nicht mehr als 100 Milligramm Taurin pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen.