
Über 70 % der bekannten Resistenzgene konnten in den untersuchten Lebensmittelsystemen nachgewiesen werden. „Das ist nicht unbedingt besorgniserregend, sollte uns aber zum Nachdenken über Hygienemaßnahmen in Betrieben und zu Hause anregen“, erklärt der Studien-Co-Autor Prof. Dr. Martin Wagner. Die umfangreiche Untersuchung analysierte knapp 2.000 Proben aus 113 Lebensmittelverarbeitungsbetrieben. Federführend beteiligt waren das Austrian Competence Centre for Feed and Food Quality, Safety & Innovation der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie die Universität León in Spanien. Das Forschungsteam suchte nach „allen heute bekannten Genen, die mit Antibiotikaresistenz in Verbindung stehen“, so Wagner. Während solche Testungen normalerweise gezielt in Veterinär- oder Krankenhausbereichen durchgeführt werden, wo multiresistente Bakterien ein wachsendes Problem darstellen, wählte diese Studie einen breiten Ansatz.
Doch warum sind Resistenzen in unserer Nahrungskette so weit verbreitet? Die Entstehung solcher Resistenzen hat zwei Hauptursachen: Einerseits den natürlichen Überlebenskampf der Keime, etwa gegenüber Pilzen im Boden, andererseits den medizinischen Einsatz von Antibiotika in der Tier- und Humanmedizin. Dieser Selektionsdruck zwingt die Mikroorganismen dazu, Abwehrmechanismen zu entwickeln. Die gefundenen Resistenzgene stehen großteils mit Antibiotikaklassen in Verbindung, die für die Behandlung von Infektionen bei Mensch und Tier unverzichtbar sind.