Bixonimania

Die Krankheit, die es nie gab

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Künstlich generiert © Künstlich generiert
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Bixonimania existiert nicht. Die Erkrankung – angeblich eine durch Blaulicht ausgelöste Lidverfärbung – ist die Erfindung von Almira Osmanovic Thun-ström, Medizinforscherin an der Universität Göteborg. Im Frühjahr 2024 lud sie zwei gefälschte Preprints auf einen akademischen Server hoch, um zu testen, ob große Sprachmodelle (LLMs) falsche Gesundheitsinformationen als seriöse Fakten weitergeben. Die Papers waren mit offensichtlichen Warnsignalen gespickt: Der Erstautor, ein gewisser Lazljiv Izgubljenovic, stammte von der fiktiven „Asteria Horizon University“ in der nicht minder fiktiven „Nova City, California“. Die Danksagung galt „Professor Maria Bohm von der Starfleet Academy, an Bord der USS Enterprise“; finanziert wurde die Studie von der „Professor Sideshow Bob Foundation for its work in advanced trickery“. Im Methodenteil war zu lesen: „Fifty made-up individuals aged between 20 and 50 years were recruited.“ Ein Satz lautete schlicht: „This entire paper is made up.“

Chatbots ignorierten Warnsignale

Das Experiment funktionierte erschreckend gut. Bereits am 13. April 2024 beschrieb Microsoft Copilot Bixonimania als „intriguing and relatively rare condition“; Googles Gemini empfahl am selben Tag, bei Symptomen eine/n Augenärzt:in aufzusuchen. Perplexity AI bezifferte die Prävalenz auf einen von 90.000 Menschen – eine vollständig halluzinierte Zahl. ChatGPT half Nutzer:innen dabei, einzuschätzen, ob ihre Beschwerden zur Erkrankung passen könnten. Dass solche Signale nicht ausreichten, zeigte sich auch im Wissenschaftsbetrieb selbst: Ein Forschungsteam aus Indien zitierte einen der Fake-Preprints in einem Peer-Review-Artikel und behandelte Bixonimania als aufkommende wissenschaftliche Kategorie. Das Paper wurde retrahiert.

Halluzinationsrate steigt mit Fachsprache

Warum LLMs so anfällig für medizinische Fehlinformationen sind, zeigt eine andere Studie von Mahmud Omar, Arzt und KI-Forscher an der Harvard Medical School. In einer Untersuchung von 20 Sprachmodellen fand er, dass diese deutlich häufiger Falschinformationen aufgreifen und ausbauen, wenn der zugrundeliegende Text professionell-medizinisch formatiert ist. „Wenn der Text professionell wirkt und so verfasst ist, wie es ein/e Ärzt:in schreiben würde, steigen die Halluzinationsraten“, so Omar. Nach Erscheinen des Nature-Artikels wurden die beiden Preprints am 10. April 2026 vom Server Preprints.org gelöscht.

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