Wenn freitagnachmittags und am Wochenende kaum Ordinationen offen haben, bleibt bei akuten Beschwerden oft nur die Spitalsambulanz. Die assistierte Telemedizin in der Apotheke bietet eine Alternative: ärztliche Versorgung per Video, begleitet von Apotheker:innen. Wie gut das funktioniert, zeigt das Pilotprojekt der Österreichischen Apothekerkammer, dessen Ergebnisse am 24. September in Wien präsentiert wurden. Ausgewertet wurden 481 Telekonsultationen in 15 öffentlichen Apotheken, von Februar bis Juni 2026 jeweils freitags von 14 bis 18 und samstags von 8 bis 12 Uhr. Die häufigsten Anliegen reichten von Atemwegserkrankungen, Bindehautentzündungen und Migräne über Ausschläge und Magen-Darm-Beschwerden bis zu Weiterverordnungen und der Versorgung nach Spitalsentlassungen.
Ambulanzen spürbar entlastet
Die Bilanz: 96 % der Patient:innen waren zufrieden, alle Altersgruppen wurden erreicht – die größte Altersgruppe waren Kinder. In 94 % der Fälle wurde Medikation per e-Rezept verordnet oder angepasst. 89 % der Anliegen konnten direkt in der Apotheke abschließend gelöst werden. Bei 10 % wurde ein Folgetermin bei Haus- oder Fachärzt:innen empfohlen. Besonders deutlich ist der Effekt auf die Ambulanzen: 24 % hatten ursprünglich einen Ambulanzbesuch geplant, tatsächlich weiterverwiesen wurden nur 0,8 %. Das ist ein Rückgang um rund 97 %. Ein Ambulanzkontakt kostet im Schnitt 364 Euro. Die Konsultation in der Apotheke ist laut Studie je nach Umsetzung um 20 bis 70 Euro günstiger als andere Anlaufstellen. „Das Projekt bestätigt eindrucksvoll, wie mit der Apothekerschaft Kosteneffizienz und Behandlungsqualität im Gesundheitssystem zusammenfinden können“, sagt Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.
Apotheken bereit für die Regelversorgung
Die Apotheker:innen übernehmen die Ersteinschätzung und vermitteln jene weiter, die eine akute ärztliche Diagnose brauchen. Für Befunde können sie teils auch Tests direkt vor Ort durchführen. Trotz Mehraufwand würden 90 % von ihnen das Angebot dauerhaft umsetzen. Für die Wiener Apothekerin Mag. pharm. Caroline Frauendorfer liegt der entscheidende Vorteil in der Zusammenarbeit von Ärzt:in und Apotheker:in an einem Ort: „Wenn medizinische Fragen sofort, gemeinsam und im gewohnten Umfeld geklärt werden, schafft das enormes Vertrauen.“
Mursch-Edlmayr sieht nun Politik und Sozialversicherung am Zug, das Angebot österreichweit in die Regelversorgung zu übernehmen: „Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. (…) Wir haben gezeigt, was möglich ist, jetzt müssen die Verantwortlichen nur noch den Mut haben, neue Wege zu beschreiten.“