Im heurigen Juni starben laut AGES-Schätzung 395 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze – der höchste Juni-Wert seit Beginn der Auswertungen 2017, der bisherige Rekord stammte aus 2019 mit 335 Fällen. Grundlage ist das Hitze-Mortalitätsmonitoring (HitzeMOMO) der AGES, das gemeinsam mit Statistik Austria, der Gesundheit Österreich GmbH und GeoSphere Austria die mit Hitze verbundene Übersterblichkeit statistisch modelliert. Grund für den Rekordwert waren die Temperaturen des Monats: Wien verzeichnete am 28. Juni mit 40,0 °C einen neuen Stadtrekord, tags darauf erreichte Bad Deutsch-Altenburg mit 40,1 °C einen österreichweiten Rekord für einen Juni-Tag. „Die Zahl von 395 hitzeassoziierten Todesfällen ist erschütternd“, betonte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ).
Nationaler Hitzeschutzplan
Der Hitzeschutzplan verweist auf Schätzungen, wonach unter einem moderaten Klimawandel künftig mit rund 400 hitzebedingten Todesfällen pro Jahr zu rechnen sei – eine Größenordnung, die der heurige Juni allein bereits erreichte. Vor dem Hintergrund einer seit Jahren zunehmenden Hitzebelastung hatte das Sozialministerium (BMASGPK) bereits im Mai den überarbeiteten Plan vorgelegt, eine Aktualisierung des bisherigen Plans aus 2017. Er orientiert sich an WHO-Empfehlungen und entstand unter Einbindung der Landessanitätsdirektionen, der AGES, der GÖG und der GeoSphere Austria. Der Plan reicht vom Hitzewarnsystem über Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen bis zu Vorgaben für Gesundheitseinrichtungen, Sozialorganisationen und Arbeitsplätze, gestaffelt nach Warnstufen von „Vorsicht“ bis „Gefahr“. Auch die Bundesländer haben mittlerweile eigene Hitzeschutzaktivitäten entwickelt.
Gesundheitsberufe in der Kommunikation
Eine wichtige Rolle kommt dabei den Gesundheitsberufen zu: Sie sollen Hitzerisiken sowie gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit bestimmten Arzneimitteln an betroffene Gruppen kommunizieren. Das betrifft etwa Antipsychotika, Antidepressiva oder Anxiolytika, die die Temperaturregulation beeinträchtigen können – hier brauche es ein abgestimmtes Vorgehen von Ärzteschaft und Apothekerschaft.
Praktische Unterstützung bietet weiterhin das Hitzetelefon (0800-880-800): Das Ministerium beauftragt die AGES jährlich bei der ersten Hitzewelle mit dessen Einrichtung, danach bleibt es bis Saisonende kostenlos erreichbar.