Eucerinum anhydricum ist hierfür ein aktuelles Beispiel. Als Alternative steht die idente Wollwachsalkoholsalbe ÖAB zur Verfügung. Für Eucerinum cum aqua kann auf die Wollwachsalkoholcreme/wasserhaltige ÖAB ausgewichen werden. Beide Alternativen sind in der Österreichischen Arzneitaxe gelistet.
Komplexer ist die Situation bei industriellen dermatologischen Grundlagen wie Excipial Hydrocreme und Excipial Lipocreme, die aufgelassen wurden. Hier ist ein direkter Austausch meist nicht möglich. Entscheidend ist, welcher Grundlagentyp ursprünglich verordnet wurde: hydrophile Creme (O/W) oder lipophile Creme (W/O).
Darüber hinaus sollten folgende Kriterien geprüft werden:
• Enthält die Grundlage Wollwachs?
• Sind Mineralöle enthalten?
• Sind Duftstoffe vorhanden?
• Welche Emulgatoren bzw. Gelbildner werden eingesetzt?
• Wie erfolgt die Konservierung?
Hier können etwaige Unterschiede für die Verträglichkeit, Stabilität und Wirkstofffreisetzung relevant sein. Vor jeder Substitution muss auch die Kompatibilität mit dem einzuarbeitenden Wirkstoff beurteilt werden.
Für genau solche Fragestellungen steht seit Kurzem ein neues, praxisnahes Nachschlagewerk zur Verfügung: Das Kompendium „Dermatologische Wirkstoffe und Salbengrundlagen der Österreichischen Arzneitaxe – Ihr Begleiter durch die magistrale Rezeptur“ wurde von der Österreichischen Apothekerkammer gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie erstellt. Neben dem Druckwerk steht das Kompendium als PDF-Version auf der Homepage der ÖAK im Mitgliederbereich unter Pharmazeutische Informationen → Rezeptur zur Verfügung. Kammermitglieder haben hier außerdem direkten Zugriff auf über 550 DAC/NRF-Rezepturhinweise, diese ergänzen standardisierte Vorschriften mit wertvollen Zusatzinformationen.
Fazit für die Praxis
Lieferschwierigkeiten bei Salbengrundlagen betreffen die tägliche Versorgung. Bei Auflassungen oder Nichtverfügbarkeit ist es daher wichtig, strukturiert vorzugehen:
1 Grundlagentyp bestimmen (O/W, W/O, wasserfrei etc.)
2 Zusammensetzung vergleichen
3 Hilfsstoffe und Konservierung beachten
4 Wirkstoff-Kompatibilität prüfen
5 Nach Möglichkeit auf offizinelle bzw. taxierbare Alternativen zurückgreifen
6 Bei Unsicherheiten das Dermatika-Kompendium und die DAC/NRF-Rezepturhinweise heranziehen