Was hilft wirklich?

Schmerz lindern ohne Pille

Artikel drucken
Genick schmerzen © Shutterstock
© Shutterstock

Warum nicht-medikamentöse Therapien?

Nicht-medikamentöse Schmerztherapien umfassen Maßnahmen wie Bewegungstherapien, Entspannungsverfahren, physikalische Anwendungen, Akupunktur oder kognitive Strategien. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, körperliche Funktionen zu verbessern und den Umgang mit Schmerzen positiv zu beeinflussen. Studien zeigen, dass solche Interventionen – insbesondere bei chronischen Schmerzen – zu einer messbaren Reduktion der Schmerzintensität und zu mehr Lebensqualität beitragen können.

Welche Möglichkeiten gibt es ?

Bewegungstherapien gelten als zentrale Säule der nicht-medikamentösen Schmerzbehandlung. Gezielte Bewegung verbessert Muskelkraft und Gelenkfunktion, löst Verspannungen und aktiviert körpereigene schmerzlindernde Mechanismen. Regelmäßige körperliche Aktivität kann so helfen, einen Kreislauf aus Schonhaltung und zunehmenden Schmerzen zu durchbrechen und funktionelle Einschränkungen zu reduzieren.¹

Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Atemtechniken oder Achtsamkeit setzen an der Wechselwirkung zwischen Schmerz und Stress an. Sie können das Schmerzempfinden positiv beeinflussen, indem sie Anspannung reduzieren und die individuelle Schmerzverarbeitung verbessern. Besonders bei chronischen Schmerzsyndromen zeigen psychologische Verfahren eine nachweisbare Wirkung auf Schmerzintensität und Lebensqualität.²

Physikalische Anwendungen wie Wärme- und Kältebehandlungen oder TENS nutzen gezielte äußere Reize zur Schmerzlinderung. Während Wärme die Durchblutung fördert und Muskulatur entspannt, wirkt Kälte schmerzdämpfend und entzündungshemmend. Diese Verfahren eignen sich häufig als unterstützende Maßnahmen zur kurzfristigen Linderung.

Akupunktur wird zunehmend auch in westlichen Gesundheitssystemen eingesetzt. Durch die Stimulation definierter Punkte sollen schmerzlindernde Prozesse im Körper aktiviert werden. Meta-Analysen zeigen, dass Akupunktur bei bestimmten chronischen Schmerzen – etwa Rücken- oder Knieschmerzen – wirksamer sein kann als keine oder alleinige Standardbehandlung.³

Kognitive Strategien, etwa im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie, helfen Betroffenen, schmerzverstärkende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Ziel ist es, die emotionale Belastung zu verringern und den aktiven Umgang mit chronischen Schmerzen zu stärken.²

Wissenschaftliche Evidenz – Chancen und Grenzen Trotz des breiten Spektrums und der guten Akzeptanz ist die wissenschaftliche Evidenz für viele dieser Methoden unterschiedlich stark: Einige Ansätze wie Bewegung und physiotherapeutische Übungen zeigen klare Vorteile bei Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung. Andere, wie Akupunktur, werden zwar häufig genutzt und zeigen in Studien teils positive Ergebnisse, ihre Wirkung ist aber nicht für alle Indikationen gleich gut belegt.

In der medizinischen Literatur wird betont, dass nicht-medikamentöse Verfahren bei chronischen Schmerzen einen wichtigen Baustein darstellen können, oft aber erst in Kombination mit anderen Therapien oder als Teil eines multimodalen Schmerzkonzepts ihre volle Wirkung entfalten.

Apotheken als Anlaufstellen für Schmerzpatient:innen

Bei akuten oder chronischen Schmerzen wenden sich viele Betroffene zunächst an ihre Apotheke. Neben der klassischen Empfehlung rezeptfreier Analgetika rücken dort immer häufiger nicht-medikamentöse Ansätze in den Fokus der Beratung. Ob Wärme- oder Kälteanwendungen, TENS-Geräte oder Tipps zu Bewegung und Entspannung – das Interesse der Patient:innen ist groß. Studien belegen, dass Apotheker:innen diese Entwicklung aufgreifen und eine vertiefte Beratungskompetenz in diesem Bereich als wichtigen Teil ihrer Rolle sehen.⁴

Nicht-medikamentöse Schmerztherapien sind ein wichtiger Bestandteil moderner Schmerzkonzepte, insbesondere bei chronischen Beschwerden. Sie bieten risikoarme, wissenschaftlich fundierte Möglichkeiten zur Linderung und Ergänzung medikamentöser Therapien. Apotheken können durch Information, praktische Empfehlungen und Vernetzung im Gesundheitssystem einen Beitrag zur Versorgung von Schmerzpatient:innen leisten. Trotz der Möglichkeiten nicht‑medikamentöser Schmerztherapien ersetzt Selbstmanagement keine ärztliche Diagnose. Anhaltende, neu auftretende oder sich verschlechternde Schmerzen sollten daher stets ärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte Ursachen auszuschließen und eine passende Therapie zu finden.

Quellen

  1. Geneen LJ et al. Physical activity and exercise for chronic pain in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017.
  2. Häuser W et al. Psychological therapies for chronic pain. Deutsches Ärzteblatt International, 2012.
  3. Vickers AJ et al. Acupuncture for chronic pain: individual patient data meta-analysis. Archives of Internal Medicine, 2012.
  4. Mujtaba, S. H., & Gazerani, P. (2024). Exploring the role of community pharmacists in pain management: Enablers and challenges. Pharmacy, 12(4), 111. https://doi.org/10.3390/pharmacy12040111

Das könnte Sie auch interessieren