S3-Leitlinienupdate 2026

Acetylsalicylsäure als selektive Option zur VTE-Prophylaxe

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Nach größeren orthopädischen Eingriffen steigt das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) deutlich an. © Shutterstock
Nach größeren orthopädischen Eingriffen steigt das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) deutlich an. © Shutterstock

Acetylsalicylsäure ist vor allem für die Prävention arterieller Ereignisse bekannt. Metaanalysen zeigen jedoch auch eine vergleichbare Wirksamkeit bei der VTE-Prophylaxe nach Endoprothesenimplantationen im Vergleich zu niedermolekularen Heparinen oder DOAKs.

Evidenz: Heterogene Datenlage, offene Empfehlung

Während einige Studien keine signifikanten Unterschiede bei VTE-, TVT- oder Lungenembolieraten feststellten, ergab die CRISTAL-Studie mit rund 6.000 Patienten ein höheres Risiko symptomatischer VTE unter ASS (100 mg/Tag) im Vergleich zu Enoxaparin. Die Leitlinie bewertet diese heterogene Evidenz daher als moderat und gibt eine offene Empfehlung (Grad 0).

Einsatzbereich, Dosierung und praktische Vorteile

Die Leitlinie sieht Acetylsalicylsäure nur für Personen ohne zusätzliche Risikofaktoren vor – also ohne Komorbidität, aktive Tumorerkrankung oder bekannte Blutungsneigung. Voraussetzung ist zudem ein Fast‑Track‑Konzept mit Mobilisation bereits am Operationstag. Eine einheitliche Dosierungsempfehlung fehlt in der Leitlinie; internationale Studien sprechen für niedrige Dosen, da höhere Dosierungen mehr Nebenwirkungen verursachen.

ASS bietet praktische Vorteile: Die orale Einnahme ist unkompliziert, Laborkontrollen entfallen, und die Kosten liegen deutlich unter denen etablierter Antikoagulanzien. Offen bleiben die optimale Therapiedauer sowie der quantitative Beitrag der Frühmobilisation; hier bedarf es weiterer Forschung.

Quellen:

S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) (2026) AWMF-Reg.Nr. 003-001

Pressemeldung 19.2.2026: https://www.ae-germany.com/ae-blog/aspirin-zur-thrombose-vorbeugung-bei-hueft-und-knie-ops



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