Das österreichische Gesundheitssystem ist leistungsfähig, steht jedoch vor großen Herausforderungen, wie MMag. Dr. Alexander Degelsegger, Director General for Health System and Digitalisation of Healthcare im Gesundheitsministerium, in seiner Rede zum Thema „Status Gesundheitsreform – Fokus Digitalisierung“ ausführte. Steigende Lebenserwartung, wirtschaftliche Herausforderungen und medizinische Fortschritte erfordern eine nachhaltige Weiterentwicklung des Systems.
Wie die Potenziale der Apotheken optimal genutzt werden können und welche Rolle telemedizinische Angebote dabei spielen, hat Mag. pharm. Andreas Hoyer, 1. Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands, beleuchtet. Gleichzeitig drängt er auf die rasche Umsetzung von Impfen in Apotheken: „Das Thema wurde von der Politik im Februar angekündigt, jetzt fehlt nur die Umsetzung.“
Ausbau des Gesundheitsportals
Degelsegger konstatierte, dass das oberste Ziel sei, die Finanzierbarkeit zu sichern und gleichzeitig die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Dafür brauche es effiziente Patientenpfade und die Abstimmung zwischen Primär- und Sekundärversorgung. Digitale Angebote könnten wesentlich dazu beitragen – etwa die Gesundheitsberatung 1450, telemedizinische Leistungen und der Ausbau des Gesundheitsportals gesundheit.gv.at.
Steigerung der Effizienz
Über Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz diskutierten Dr. Hans Georg Mustafa, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie, Prof. Dr. Reinhard Riedl von der Fachhochschule Bern, Prim. Univ.-Prof. Dr. Herbert Reitsamer, Präsident der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, sowie Angelika Widhalm, Präsidentin des Bundesverbands der Selbsthilfe Österreich.
Riedl betonte das Effizienzpotenzial durch den Einsatz von KI sowie die Beschleunigung der Abläufe um das Zehn- bis Fünfzigfache. Gleichzeitig kritisierte er Verzögerungen bei der Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS). Mustafa verwies auf die Erkennung chronischer Nierenerkrankungen als Anwendungsfeld. Reitsamer zeigte, wie KI die Analyse von Netzhautbildern und das Screening auf Erkrankungen wie den Grünen Star unterstützen kann. Dadurch würden Risikopatientinnen und -patienten gezielter identifiziert und Ambulanzen entlastet werden. Widhalm unterstrich die Bedeutung digitaler Innovationen, mahnte jedoch, niemanden zurückzulassen. Digitale Angebote müssten barrierefrei und verständlich sein; analoge Zugangswege sollten weiterhin bestehen bleiben.