Zeigen US-Forscher und Kollegen aus Wien im Fachmagazin "Science"

Wie menschliche Zellen virale Sabotage an ihrem Abwehrsystem erkennen

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Der eigentlich von Pflanzen bekannte Prozess sorgt dafür, dass den Viren ein Versuch des Ausschaltens von zellulären Abwehrmechanismen selbst zum Verhängnis wird: Wird der virale Eindringling auf diese Weise aktiv, reagiert die Zelle mit einer Entzündung, heißt es im Fachblatt "Science".


Viren können die Abwehr des Körpers auf verschiedenste Weise in die Irre führen. So etwa, indem sie nach dem Entern einer Zelle Eiweißstoffe (Proteine) ausschicken, die das zelleigene Schutzsystem aushebeln sollen. Bei Pflanzen sind Mechanismen bekannt, bei denen allerdings die infizierten Zellen quasi automatisch Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn sie einschlägige Proteine detektieren.


Blinder Fleck in Immunsystemforschung


Ob solche Abläufe auch zum Repertoire der angeborenen Immunantwort des Menschen zählen, konnte man bisher schwer festmachen, wie es in einer Aussendung des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien heißt. Die wissenschaftliche Analyse der humanen Krankheitserreger-Erkennung hat sich bisher nämlich stark darauf konzentriert, wie das Abwehrsystem Viren und Bakterien oder deren Erbgut selbst entdeckt und bekämpft. Zusammen mit Forschenden von der University of California in Berkeley hat sich die Forschungsgruppe von Moritz Gaidt am IMP nun mit der von Pflanzen bekannten Strategie genauer auseinandergesetzt.


In Kleinarbeit setzten sie menschliche Zellen einem Protein nach dem anderen aus, die ein für Menschen ungefährliches Virus absondern kann, nachdem es in der Zelle angekommen ist. Bei einem davon reagierten die Zellen mit einer starken Entzündungsreaktion. Es stellte sich heraus, dass der Erreger mit der Verbindung zwei wichtige Zell-Abwehrsysteme auszuhebeln versucht: "Das Ausschalten antiviraler Sensoren und Abwehrmechanismen ermöglicht Viren normalerweise, sich unentdeckt zu vermehren. Doch in diesem Fall führt das Abschalten dieser Wege zu einem sekundären Alarmsignal", wird Gaidt zitiert.


Viren im Dilemma


Die Zelle nimmt über diesen Signalweg also wahr, dass ein Eindringling versucht, sie zu sabotieren. Für das Virus entstehe demnach ein Dilemma: "Entweder es lässt die Abwehrmechanismen der Zelle intakt und wird geblockt oder es deaktiviert sie und löst einen Immunalarm aus." Für die Wissenschafterinnen und Wissenschafter sind die Erkenntnisse mit dem neuen Forschungsansatz ermutigend, denn über derartige Fähigkeiten des menschlichen Immunsystems sei noch sehr wenig bekannt.

https://dx.doi.org/10.1126/science.adw4937 

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