Mariendistel
(Silybum marianum (L.) Gaertn.), ÖAZ 03/21
Mariendistel ist bei der Behandlung von Leber- und Galleerkrankungen bei vielen Tierarten nicht mehr wegzudenken. Zu den Hauptinhaltsstoffen der Früchte zählen der Wirkstoffkomplex Silymarin (ein Gemisch aus Silybin(in), Silychristin und Silydianin), Flavonoide und Triterpene. Die antihepatotoxischen und hepatoprotektiven Wirkungen sind inzwischen bei trächtigen Muttertieren (Schweine, Rinder, aber auch Pferde und Hunde) gut untersucht. In der Fütterung spielt Mariendistel zur Prävention gegen Schimmelpilzvergiftungen und in der Therapie bei toxisch bedingten, aber auch entzündlichen oder zirrhotischen Lebererkrankungen eine wichtige Rolle.1,2
Es kommen Presskuchen, Pulver, Tinkturen (1:5) oder Trockenextrakte zum Einsatz, die mindestens über zwei Monate verfüttert/verabreicht werden sollten. Am Markt befinden sich einige Ergänzungsfuttermittel für verschiedene Tierarten, oft auch in Mischungen mit anderen „Verdauungs-Drogen“ wie Artischocke. Katzen vertragen Mariendistelfrüchte gut.
Meerrettich/Kren
(Armoracia rusticana Gaertn., Mey. & Scherb.), ÖAZ 05/23
Bereits in einigen alten Pferde- bzw. Tierarzneibüchern ab dem 18. Jahrhundert wurde Kren erwähnt und seit jeher bei Husten und Entzündungen im oberen Respirationstrakt sowie bei Problemen im Verdauungstrakt eingesetzt. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen zählen Senfölglykoside (Glucosinolate), des Weiteren sind noch Vitamin C, Vitamin B1 sowie Flavonoide enthalten. Meerrettich wirkt antimikrobiell, antiparasitär, hyperämisierend und verdauungsfördernd. Demnach ergeben sich die heutigen veterinärmedizinischen Indikationsgebiete: innerlich bei Katarrhen der Atemwege, bei Harnwegsinfekten und äußerlich bei Myalgien. Ethno-veterinärmedizinisch kommen noch Anwendungen bei chronischen Verdauungsbeschwerden, Sinusitiden oder Wurmbefall dazu.3 Bei Ulzera im Magen-Darm-Trakt oder Nierenerkrankungen sollen Krenzubereitungen nicht eingesetzt werden, da die scharf schmeckenden Inhaltsstoffe Schleimhäute stark reizen können.
Kren kann als verdünnter Frischpflanzenpresssaft (1:5), als Tinktur (1:5) sowie frisch gerieben oder getrocknet zum Einsatz kommen. Innerlich wird er dem Futter zugesetzt oder als Pillen oder Bissen mit Honig vermischt verabreicht. Äußerlich kommen Salben, Kompressen oder Umschläge auf intakter Haut zur Anwendung. Bei Kleintieren gibt es eine schlechte Akzeptanz und für Katzen ist Kren nicht geeignet*.
Passionsblume
(Passiflora incarnata L.), ÖAZ 21/23
In der Veterinärmedizin stehen die sedierende, anxiolytische, antikonvulsive sowie relaxierende Wirkung des Passionsblumenkrauts, hauptsächlich auf Flavonoiden wie z. B. Isovitexin beruhend, im Vordergrund. Zubereitungen kommen folglich bei nervösen Verhaltensstörungen wie Ängsten, Stress und Nervosität zur Anwendung.5 Hierzu zählen u. a. Tiertransport oder Huf-/Klauenpflege.
Meist werden Tees oder homöopathische Urtinkturen eingesetzt. Am Markt befinden sich einige Ergänzungsfuttermittel für mehrere Tierarten, oft in Mischungen mit anderen beruhigend wirkenden Arzneidrogen.
(Vitex Agnus-Catus L.), ÖAZ 05/22
Früher wurden Mönchspfefferfrüchte bei Fruchtbarkeitsproblemen von Kühen und
Stuten eingesetzt. Heute kommt die Droge zur Östrus-Induktion bei Hündinnen4 sowie beim equinen Cushing-Syndrom (ECS)/Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID) zum Einsatz. Zu den Inhaltsstoffen zählen Iridoidglykoside, Flavonoide, ätherisches Öl sowie verschiedene Terpene, Phenolcarbonsäuren und Polyphenole. Bekannt ist die prolaktinhemmende Wirkung.
Häufige Arzneiformen sind Pulver, Tees (Infuse oder Dekokte) sowie Tinkturen (1:5). Vitex-Zubereitungen sind für Katzen nicht geeignet*. In Deutschland gibt es ein Diät-Ergänzungsfuttermittel für Stuten mit Dysbalancen der Fortpflanzungshormone und zum Stressabbau, in dem u. a. Mönchspfeffer enthalten ist.
Sägepalme
(Serenoa repens (W. Bartram) Small), ÖAZ 13/21
Historisch ist keine Anwendung von Sägepalme in der Tierheilkunde bekannt. Sägepalmenfrüchte enthalten sehr viel fettes Öl, weiters Sterole, Triterpene, Carotinoide, Lektine, Polysaccharide und Flavonoide. Die bekannte antihyperplasive, antiphlogistische sowie antioxidative Wirkung macht man sich medizinisch bei der Behandlung von Miktionsbeschwerden (z. B. bei benigner Prostatahyperplasie des Hundes) zunutze, ebenso bei Harnverhalten, häufiger Blasenentleerung, nächtlichem Harndrang und Restharnbildung. Volksheilkundlich werden die Früchte auch bei Hodenentzündungen, Blasen- (z. B. feline interstitielle Zystitis) oder Bronchialkatarrhen sowie Euterentzündungen eingesetzt. Es kommen Pulver, Extrakte und Tinkturen zur Anwendung, oft in Kombination mit Kürbissamen.
Sonnenhut
(Echinacea spp.), ÖAZ 21/21
Erste Erwähnungen zur Anwendung von Sonnenhut bei Tieren finden sich schon im frühen 18. Jahrhundert als Therapie von Satteldruck bei Pferden. Später sollen Zubereitungen zur Behandlung von Druse bei Pferden, Staupe bei Hunden, bei Septikämien, Pyämien, Furunkulose oder Phlebitiden eingesetzt worden sein. Vom Purpur-Sonnenhut (E. purpurea L.) werden das Kraut sowie die Wurzeln verwendet, vom Schmalblättrigen (E. angustifolia DC.) und Blassen Sonnenhut (E. pallida Nutt.) nur die Wurzeln. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Polyine, Alkamide, Kaffeesäurederivate, Flavonoide, Polysaccharide, Glykoproteine und ätherisches Öl. Die Wirkungen aller Sonnenhutdrogen sind immunmodulierend, Makrophagen aktivierend sowie wundheilungsfördernd. Purpursonnenhutkraut wirkt äußerlich weiters keimhemmend, antiphlogistisch, granulations- und epithelisierungsfördernd. Demnach ergeben sich heute die veterinärmedizinischen innerlichen Anwendungen in der unterstützenden Therapie zur Förderung der Abwehrkräfte bei Atemwegs- und Harnwegsinfekten, bei Immunstörungen und Tumoren sowie äußerlich in der Behandlung von Wundheilungsstörungen.6,7
Als Arzneiformen kommen Pulver, Tinkturen, Presssäfte, Extrakte und Injektionslösungen zur Anwendung, auch können daraus Salben, Cremen, Umschläge oder Kompressen hergestellt werden. Sonnenhutzubereitungen sollen nicht als Dauertherapie, sondern als Kur (über 5–10 Tage) eingesetzt werden, um einer Toleranzentwicklung bzw. Erschöpfung des Immunsystems entgegenzuwirken. Sie eignen sich nur bedingt für Katzen (niedrig und einschleichend dosieren). Am Ergänzungsfuttermittel-Markt finden sich zahlreiche Produkte mit Sonnenhut, teilweise in Kombination mit anderen Arzneidrogen.
Süßholzwurzel
(Glycyrrhiza glabra L. u.a.), ÖAZ 25/21
Süßholzwurzel wurde in der traditionellen Tiermedizin nicht nur als süßes Geschmackskorrigens eingesetzt, sondern auch bereits als auswurfförderndes Mittel bei Entzündungen der oberen Luftwege. Die positive Wirkung auf den Magen und den Darmtrakt ist allerdings erst in neuerer Zeit erkannt worden. Triterpensaponine, Flavonoide, Cumarine und Polysaccharide gehören zu den Inhaltsstoffen, welche für die antiphlogistische, sekretolytische, expektorierende, antivirale, antimikrobielle, schleimhautprotektive, antiulzerogene, antioxidative und antiallergische Wirkung verantwortlich sind. Süßholzwurzel wird heute innerlich bei entzündlichen Erkrankungen des Respirationstrakts (Husten, Bronchitis) sowie des Gastrointestinaltrakts (Gastritis, Ulcus ventriculi) eingesetzt.8 Bedingt durch eine mineralokortikoide Wirkung bei Langzeitanwendung sollte keine Dauertherapie mit Süßholzwurzel durchgeführt werden.
Neben Lakritz-Pastillen (Lakritz: ausgepresste/ausgekochte Süßholzwurzeln) kommen Pulver, Tees oder Säfte/Extrakte zur Anwendung. Für Katzen ist Süßholzwurzel nur bedingt geeignet* (niedrig dosieren, max. jeden 2. Tag). Am Markt befinden sich für mehrere Tierarten Ergänzungsfuttermittel in verschiedenen Kombinationen mit anderen Arzneidrogen.
(Achillea millefolium L. s.l.), ÖAZ 07/21
Das Kraut der Schafgarbe wurde schon seit jeher in der Tierheilkunde bei Problemen im Darmtrakt, bei Leberleiden, Krampfkoliken und zur Wundspülung bei Geschwüren und Fisteln sowie zur Blutstillung eingesetzt. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen das ätherische Öl, Sesquiterpenlactone, Flavonoide und Cumarine. Aufgrund des breiten antiphlogistischen, spasmolytischen, appetitanregenden, choleretischen, adstringierenden und antimikrobiellen Wirkungsspektrums verwendet man das leicht bittere Schafgarbenkraut heute innerlich bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden, Magen-Darm-Krämpfen/Koliken, Entzündungen im weiblichen Genitalbereich und äußerlich bei (Schürf-)Wunden, Haut- oder Schleimhautentzündungen.
Es kommen frische oder getrocknete Pflanzenteile, Pulver, Frischpflanzensäfte oder Teezubereitungen (Infuse) zur Anwendung. Für Katzen ist Schafgarbe nur bedingt geeignet* (niedrig dosieren, max. jeden 2. Tag). Am Markt befinden sich verschiedenste Ergänzungsfuttermittel, die Schafgarbe meist in Mischungen mit anderen Drogen enthalten.
Thymian
(Thymus vulgaris L., T. zygis L.), ÖAZ 25/22
Tiermedizinisch wurde Thymian früher als Karminativum verwendet, auch waren antiseptische und krampfstillende Wirkungen bekannt, so setzte man ihn u. a. bei Verdauungsbeschwerden, Wunden oder sogar Maul- und Klauenseuche ein. Die desinfizierenden Eigenschaften des Bestandteils Thymol aus dem ätherischen Thymian-Öl kennt man seit über 100 Jahren und Thymol wird z. B. heute noch in der Bienenhaltung gegen die Varroa-Milbe eingesetzt. Hauptinhaltsstoff des Krauts bzw. der Blätter ist das ätherische Öl, von dem es verschiedene Chemotypen gibt (Thymol, Carvacrol, Linalool, p-Cymen, γ-Terpinen, Cineol, Geraniol u. a.). Weiters zählen Phenole, Lamiaceengerbstoffe, Flavonoide und Triterpene zu den wichtigsten Inhaltsstoffen. Thymiandroge bzw. -öl wirkt antimikrobiell, antiviral, antiphlogistisch, bronchospasmolytisch und expektorierend. In der Veterinärmedizin wird Thymian heute als auswurfförderndes Mittel bei Katarrhen der oberen Luftwege (Bronchitis, Husten, RAO9, 10), bei Entzündungen im Maulbereich, bei Wundheilungsstörungen, Hautinfektionen und Otitis externa sowie zur Parasitenabwehr (Varroa- und Rote Vogelmilbe) angewendet. Bei Trächtigkeit, Gastroenteritis, Nieren-, Leber- oder Herzerkrankungen sollte kein Thymol und kein reines ätherisches Öl eingesetzt werden.
Meistens kommen Infuse zum Einsatz bzw. es wird das getrocknete Kraut zugefüttert. Ebenso ist aber der Einsatz des ätherischen Öls (innerlich, inhalativ oder äußerlich als Waschung, Umschlag bzw. Einreibung) und innerlich von Tinkturen oder Sirupen möglich. Nur Thymian vom Linalool-Chemotyp als Inhalation ist für Katzen geeignet. Es sind zahlreiche Ergänzungsfuttermittel für verschiedene Tierarten am Markt, oft in Mischungen mit anderen „Atemwegs-“ bzw. „Verdauungsdrogen“. Thymol- bzw. Carvacrol-reiche ätherische Öle spielen auch eine große Rolle als Alternativen zu synthetischen Antibiotika in der (Bio-)Tierhaltung.11
(Harpagophytum procumbens DC., H. zeyheri L. Decne), ÖAZ 17/21
Die aus Südafrika stammende Teufelskralle wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts als Arzneidroge in Mitteleuropa bekannt. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen der Wurzeldroge zählen Monoterpene wie Iridoidglykoside (v. a. Harpagosid, Procumbid, Harpagid), weiters Diterpene, Triterpene und Flavonoide. Traditionell wurde die sehr bittere Droge hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Inzwischen sind neben der appetitanregenden, choleretischen und antidyspeptischen Wirkungen auch analgetische und antiphlogistische Effekte bestätigt. Als Anwendungsgebiete ergeben sich in der Veterinärmedizin daher Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden sowie degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparats (Arthrosen etc.).9 Als Gegenanzeigen sind Ulzera im Gastrointestinaltrakt sowie Gallensteinprobleme zu nennen.
Von der Teufelskralle sollten aus Authentizitätsgründen Fertigprodukte verwendet werden. Es gibt am Markt zahlreiche Ergänzungsfuttermittel für die verschiedenen Tierarten, oft in Kombination mit anderen Arzneidrogen, meist zur Unterstützung des Knorpel- und Gelenkstoffwechsels. Für Katzen sind Teufelskralle-Produkte nur bedingt geeignet* (niedrig dosieren, max. jeden 2. Tag).
Traubensilberkerze
(Actaea racemosa L.), ÖAZ 09/21
Die aus der nordamerikanischen Ethnomedizin her bekannte Traubensilberkerze enthält als Wirkstoffe Triterpen-Glykoside (Actein, 27-Deoxyactein, Cimicifugosid), aromatische Säuren (Ferula- und Isoferulasäure), Salicylate und Tannine. Die Extrakte besitzen antiinflammatorische, vasoaktive und neuroprotektive Eigenschaften und werden u. a. zur Behandlung von Dysmenorrhoe eingesetzt. In der (Ethno-)Veterinärmedizin verwendet man Traubensilberkerzen-Präparate bei Uterus-Infektionen von Kleintieren (Hund, Katze) und zur Unterstützung der Gesundheit der Reproduktionsorgane.12
* Die Anmerkung „Für Katzen nicht (oder nur bedingt) geeignet“ weist auf den speziellen Leberstoffwechsel katzenartiger Tiere hin (Glucuronidierungsschwäche), weshalb manche Pflanzenstoffe nicht oder nur schwer abbaubar sind.
Quellen
1 Janocha A, et al.: Impact of Milk Thistle (Silybum marianum [L.] Gaertn.)
Seeds in Broiler Chicken Diets on Rearing Results, Carcass Composition, and Meat Quality. Animals 2021; 1, 11, 1550
2 Tedesco D, Guerrini A: Use of Milk Thistle (Silybum marianum Gaertn.) in Farm and Companion Animals: A Review. Planta Med 2023; 89(6):584-607
3 Papp N, et al.: Ethnobotanical and ethnopharmacological data of Armoracia rusticana P. Gaertn.
in Hungary and Romania: a case study. Genet Resour Crop Evol 2018; 65:1893–1905
4 Mogheiseh A, et al.: Comparing the Vitex-castus extract and cabergoline effects on estrous induction in female dogs.
Comp Clin Pathol 2017; 26:1099–1103
5 Pastorelli G, et al.: Tranquillizing Effect of Passiflora incarnata Extract: Outcome on Behavioral and Physiological Indicators
in Weaning Pigs with Intact Tails. Animals 2022; 12, 203
Weitere Literatur auf Anfrage
Text: emer. Univ.-Prof. DI Dr. Chlodwig Franz & Dr. med. vet. Isabella Hahn-Ramssl
Co-Autor:INNen: Mag. pharm. Arnold Achmüller,
Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Rudolf Bauer,
Univ.-Prof. i.R. Mag. Dr. Dr.h.c. Brigitte Kopp,
Univ.-Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner